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Wahlkampf Die neue Mitte gibt den Ton an

Im Oktober ist Halbzeit: Die Hälfte der Legislatur ist bereits Geschichte. Höchste Zeit, den Parteien Zwischenzeugnisse zu erteilen. Und dabei schält sich ein Musterknabe heraus – die BDP.

Legende: Video «Die politische Mitte im Aufwind» abspielen. Laufzeit 2:22 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.09.2013.

Im Wahlbarometer des Forschungsinstituts gfs.bern spricht man von einem Trend zur neuen Mitte. Die noch junge BDP legt im Vergleich zu den anderen Parteien deutlich zu. «Die BDP ist eine Gewinnerpartei», bestätigt auch Politikwissenschafter Claude Longchamp. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Partei bei den Nationalratswahlen 2015 obenaus schwingt, sei sehr gross. Das gfs.bern sieht diese sogar bei 99 Prozent

Diese neue Mitte-Partei konnte in den letzten zwei Jahren zulegen, weil sie attraktiv für andere Partei-Wähler wurde. Enttäuschte Wähler anderer Parteien wählen nun die BDP. Da auch die Grünliberalen leicht gewachsen sind, kann somit von der neuen Mitte gesprochen werden.

BDP etabliert sich als 4. Partei

Im ersten Jahrzehnt des Jahrtausends wurde die Schweizer Politik zwischen links und rechts polarisiert. Danach folgte praktisch zwei Legislaturen lang ein Erstarken der SVP. Dieser Effekt verpuffte bei den letzten Wahlen und die BDP nahm ihre Chancen wahr. Die alten Mitte-Parteien FDP und CVP haben hingegen ihre Chance verpasst.

Die BDP legte gute Resultate bei kantonalen Wahlen vor und feilte an ihrem Image. Die Partei ist längst nicht mehr die Partei von Eveline Widmer-Schlumpf. Die Finanzministerin ist zwar immer noch Identifikationsfigur für die BDP, wie Longchamp erklärt, doch die BDP habe sich als vierte Partei etablieren können. Zudem konnte die Partei von Eveline Widmer-Schlumpf dringende Themen besser besetzen, als andere Parteien.

Legende: Video «Was ist das Geheimrezept der BDP» abspielen. Laufzeit 2:24 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.09.2013.

Der Tolggen auf der weissen Weste

Wie erklärt sich nun dieser Erfolg? Strahlte die Partei den Reiz des Neuen aus? Dies wäre zu einfach. Denn der Wahlbarometer von gfs.bern stellt fest, dass diesem Argument zwei Tatsachen entgegengestellt werden können: Zum einen konnte die BDP keine Nichtwähler mehr mobilisieren. Nichtwählende lassen sich somit nicht mehr vom «neuen Touch» der BDP verführen. Zum anderen zieht der Faktor Eveline Widmer-Schlumpf nicht mehr. Die Bündner Bundesrätin ist zwar immer noch fest mit der BDP verbunden, sie musste aber in ihrer Zeit als Bundesrätin manches heisses Eisen anfassen, welches der Parteiobrigkeit wohl nicht passt.

Dennoch hat der Aufstieg der BDP einen Makel. Die Partei ist immer noch zu klein um eine Regierungspartei zu sein. Dies wird ein nicht zu unterschätzender Faktor bei den nächsten Bundesratswahlen nach den Wahlen 2015 sein. Die BDP fliegt aus dem Bundesrat raus, wenn nicht taktische Gründe für einen Verbleib vorliegen werden. Wenn aber die CVP und die BDP fusionieren würden, dann sähe dies ganz anders aus, betont Longchamp weiter. Bei einem solchen Zusammenschluss wäre diese Partei fast gleich stark wie die SVP (mehr…).

SVP ist Wahlsiegerin aufgrund der Parteienstärke

Und wie schneiden die anderen Parteien ab? Hier stellt der Wahlbarometer nur leichte Veränderungen fest. Wenn bereits jetzt gewählt würde, wären SP und die Grünen praktisch stabil geblieben. Die SVP, CVP und die FDP würden Wählende verlieren. Dies bedeutet, dass die beiden Pol-Parteien SP und SVP praktisch gleich stark bleiben, während sich die alte Mitte – allen voran die CVP – weiterhin nicht profilieren kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Ausgang der Wahlen im 2015 möglich sein wird, liegt zwischen 50 und 70 Prozent. Die die prognostizierten Verluste liegen bei der SVP und CVP eben bei diesen 70 Prozent.

Legende: Video «Claude Longchamp zur neuen Mitte» abspielen. Laufzeit 3:12 Minuten.
Vom 27.09.2013.

Dennoch: Wenn ein Wahlsieg aufgrund der Parteistärke definiert werden soll, dann wäre die SVP die klare Siegerin. Dies könnte auch daran liegen, dass die SVP zwar gemässigter auftritt, als auch schon, aber trotzdem eine eindeutige Themenpositionierung sowie ihre Exponenten hat.

Bei der Wählermobilisierung stellt gfs.bern fest, dass es der Linken besser gelingt, Wählende für ihre Themen zu begeistern. Die SP ist es auch, die zum Beispiel bei den ehemaligen CVP-Wählenden punkten kann. Dafür verliert sie in der Wählerstromanalyse an die GLP und BDP.

Neue Mitte ist attraktiv

Auch wenn die SVP viele Wähler ans Nicht-Wählenden-Lager verliert, ist die Gesamtbilanz bei der Rechts-Partei positiv. Hier flackere noch ein Teil der Polarisierung auf, wie es im Bericht heisst. Denn die CVP verliert markant zugunsten der SVP. Eine solche Interpretation muss jedoch mit Vorsicht genossen werden. Die Wählenden werden erst während des Wahlkampfs so richtig mobilisiert.

Die Ausgangslage verspricht somit eine spannende zweite Hälfte der Legislatur. Handlungsbedarf besteht bei allen Parteien auf jeden Fall.

So fragt das gfs.bern

Die Eckwerte des Wahlbarometers.

55 Kommentare

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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Der Grund warum die BDP und GLP Stimmen machen ist: da sich diese Parteien die eigentlich eher links stehen, nun als bürgerliche Parteien ausgeben. So können sie die Massen der Bevölkerung die nur oberflächlich hinhört "betrügen". Es ist erwiesen, dass das Volk vermehrt bürgerlich wählen will, und genau so können diese Wähler auf die linke Seite abgefangen werden. Bis das Volk diese Taktik begreift, wird man bei den Linken zu neuen fisen Wahltaktiken gegriffen.
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  • Kommentar von Thomas Wanner, Aarau
    Diese Woche wurde ein ehemaliger SVP-Parlamentarier in Schaffhausen wegen Menschenhandels verurteilt; vor ca. 10 Jahren wurde ein SVP-Parlamentarier im Tessin wegen Mordversuch verurteilt; unserem SVP war bei der Behandlung des StGB 2004 dafür, dass Vergewaltigung in der Ehe weiterhin erlaubt sein sollte. Es kristallisiert sich doch ein ganz interessantes Profil heraus. Märssi.
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    1. Antwort von Roman Loser, Aarau
      Sie haben die Fälle vom BDP Mann von Mels und den BDP Mann von Embrach und den BDP Mann von der Glarner Kantonalbank vergessen der sich jetzt BDP Präsident nennen kann! Schöne Suntig! Ehrlicherweise ist ja das alles Chabis ,wo Menschen sind hündelets, aber die für unser Land GUTE Politik ist gefragt und nicht gegenseitige Anpöbelungen wie im Sandkasten
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    2. Antwort von Robert Tanner, Aarau
      Herr Loser, stellen Sie sich einmal vor: die SVP bejahte das Recht eines Mannes, die Frau zu vergewaltigen. Siechönziminternetnaaläse; kuulgällezi.
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    3. Antwort von Beppie Hermann, Aarau
      @ Tanner, Wanner, Meyer usf. Es ist mE nicht in Ordnung, seine Meinung unter verschiedenen Namen mehrmals kund zu tun. Dies täuscht und beeinflusst die Leserschaft.
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    4. Antwort von Roman Loser, Aarau
      Lieber Herr Tanner, da bin ich natürlich auch anderer Meinung! Aber wenn man binggelig sein will und die prozentuale Fehlverhalten zur Grösse der Parteien vergleicht, sieht's für eure geliebte Minipartei deprimierend aus !
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    5. Antwort von Albert Planta, Aarau
      Roman Loser, Embrach Die BDP wurde gerade von Leuten wie sie schon mehrmals totgesagt. Umso weiter die SVP nach rechts abdriftet umso mehr Erfolg wird den Mitteparteien beschieden sein.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    "Der Tolggen auf der weissen Weste" Den eigentlichen Tolggen verfrachtet man tunlichst ins Unterbewusstsein. Tatsache ist doch, dass wegen diesem eigentlichen Tolggen die BDP sich bis ans hoffentlich baldige Ende ihrer Zeit den Linken dankbar erweisen muss.
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    1. Antwort von Elisabeth Hasler, Bern
      Ihre Behauptung, die BDP müsse sich "den Linken dankbar zeigen", ist Unfug, Fr. Hermann. Es gibt heute auf NZZ online eine Grafik des Politgeografen Michael Hermann, die das Gegenteil beweist. In sage & schreibe 3 von 16 Themenfeldern (von der Umwelt, über Recht & Verkehr bis zum Sozialen) stimmte die BDP Fraktion 2011-13 links der Mitte (nämlich bei der Energie, der Forschung & Bildung & den Politischen Institutionen). In allen anderen 13 Sektoren leicht rechts bis deutlich rechts der Mitte.
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