Die Situation: Rheinfelden, Bad-Schinznach, Bad Zurzach – sie alle haben eines, ein Thermalbad. Der Bäder-Kanton Aargau ist gut ausgerüstet. Auch die Stadt Baden mit ihrer langen Bädergeschichte hat bald wieder eines. Das grosse, moderne Bad von Stararchitekt Mario Botta soll 2019 eröffnet werden. 500'000 Besucher sollen pro Jahr hier baden. Zum Vergleich: Bad Schinznach hat 350'000 pro Jahr, rund tausend Besucher pro Tag im Schnitt.
Der Boom ist vorbei: Der Bädermarkt schrumpft über alles gesehen, das sagen Badbetreiber auf Anfrage. «Den Boom der 90-er und 00-er Jahre, den erreicht man in absoluten Zahlen heute nicht mehr», weiss Hans-Rudolf Wyss, Verwaltungsratspräsident der Bad Schinznach AG.
Das Problem: Früher gingen gerade Familien mit kleinen Kindern am Sonntag im Winter ins Thermalbad. Heute gibt es viel mehr Angebote als nur Baden im warmen Wasser. Es locken andere Freizeitangebote und auch das Surfen auf dem Smartphone ist eine Konkurrenz für den Besuch imThermalbad. «Die Boom-Jahre sind vorbei. Man muss die Leute abholen», sagt Hans-Rudolf Wyss. «Wir haben viel investiert, in die Qualität», so Wyss weiter.
Die Frage: Braucht es denn in dieser Situation ein weiteres grosses Bad in Baden? Verträgt das der Markt? Der Wellness-Markt läuft. Aber nicht nur Thermalbäder, auch Hotels, bieten vermehrt solche Angebote. Für die Bäder bedeutet dies Konkurrenz.
Trotzdem sei es möglich, ein solch grosses Bad zu betreiben, sagt Hans-Rudolf Wyss vom Thermalbad Bad-Schinznach. Einfach werde es aber nicht, weil man die Besucher mit ganz verschiedenen Angeboten bedienen muss, damit sie erscheinen. Nur baden im warmen Wasser, das reichte heutzutage nicht mehr.
Der Bäderkanton Aargau wird durch das neue Bad in Baden belebt.
Die Chance: Rainer Blaser glaubt alleine schon berufsbedingt an das grosse Botta-Bad in Baden. Er ist Direktor der Stiftung für die Förderung der Gesundheit Bad Zurzach und Baden. Die Stiftung baut das grosse Bad in Baden. «Ein Bad in diesem Stil, in der Bäderstadt Baden, kann den Markt sogar beleben». Die Leute entdecken das Baden wieder und besuchen dann auch andere Bäder in der Region, das seine Haltung zum Thema.