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Wirtschaft 666 Milliarden: Die SNB ist eine gewaltige Investorin

Die Schweizerische Nationalbank ist zu einer der grössten Investorinnen weltweit geworden. Neben Staatsanleihen hat sie inzwischen 130 Milliarden Franken in Aktien investiert. Für Direktoriums-Mitglied Andréa Maechler kein Grund zur Sorge: Ihre Strategie sei passiv und diversifiziert.

Fassade Schweizerische Nationalbank.
Legende: Die Schweiz hat mit ihrer Nationalbank einen der grössten öffentlichen Investoren der Welt. Reuters

In ihrem Kampf gegen den starken Franken hat die Schweizerische Nationalbank einen gigantischen Berg an Fremdwährungen angehäuft: 666 Milliarden Franken stehen umgerechnet in der Bilanz, davon grösstenteils durch Euro- und US-Dollar-Käufe.

Grafik zur SNB.
Legende: Extremer Anstieg der Devisen: von 48,1 auf 666 Mrd. Franken seit der Finanzkrise. SRF

Seit Beginn der globalen Finanzkrise haben sich die Fremdwährungspositionen in der Bilanz der SNB verdreizehnfacht. Damit sitzt die Nationalbank auf einer Summe, die ziemlich genau dem Bruttoinlandprodukt der Schweiz entspricht.

SNB unter den Top 10

Ende 2015 rangierte die SNB auf Platz 8 der weltweit grössten öffentlichen Investoren, wie das Londoner Official Monetary and Financial Institutions Forum errechnet hat. Nur China, Japan und der Mittlere Osten sowie Norwegen mit seinem Ölfonds rangieren vor der Schweiz.

Mittlerweile dürfte auch die Europäische Zentralbank einen Platz unter den Top 10 einnehmen, pumpt sie doch mit ihrem Anleihen-Kaufprogramm Monat für Monat 80 Mrd. Euro in die Märkte.

Grösste öffentliche Investoren weltweit


Institution
LandVerwaltete Vermögen (in Mrd. US-Dollar)
1People's Bank of China
China3406,1
2Japanese Monetary Authorithies
Japan1233,2
3Government Pension Investment Fund
Japan
1160,3
4Norges Bank Investment Management
Norwegen874,3
5China Investment Corporation
China746,7
6Abu Dhabi Investment Authority
UAE
689,2
7Saudi Arabian Monetary Agency
Saudi Arabien
616,4
8Swiss National Bank
Schweiz602,5
9Kuwait Investment Authority
Kuwait566,2
10Thrift Savings Fund
USA
468,3





Quelle: Official Monetary and Financial Institutions Forum, Stand 2015

Zuständig für das Milliarden-Portfolio ist Andréa Maechler. Die Genferin ist im Juni 2015 als erste Frau ins Direktorium der Schweizerischen Nationalbank gewählt worden. Dort verwaltet sie die Finanzmärkte, das operative Bankgeschäft und die Informatik. Qualifiziert hat sie sich mit ihrer internationalen Karriere bei der OECD, der WTO und dem IWF.

Im «ECO»-Interview bestätigt sie, dass die SNB eine immense Investorin geworden ist. Das sei die Konsequenz des Kampfes gegen den hohen Schweizer Franken. Um die Eingriffe in das Marktgeschehen zu minimieren, investiere die SNB vor allem passiv. Konkret: «Wir machen keine Titelselektion, wir bilden verschiedene Indexe nach.» Das sorge dafür, dass die Anteile in einem Sektor oder einer Firma nicht zu gross würden.

Dennoch: Mit ihren gewaltigen Summen übernimmt die SNB bedeutende Anteile an grossen Firmen. Kürzlich ist bekannt geworden, dass sie etwa mehr Anteile an Facebook besitzt als der Gründer des Netzwerks, Mark Zuckerberg, selbst.

Andréa Maechler.
Legende: Devisen von 666 Mrd. Franken: Sie schlafe gut angesichts dieser Verantwortung, sagt Andréa Maechler. SRF

Keine Sorge vor Kursverlusten

Auch das riesige Portfolio an Staatsanleihen ist nicht unproblematisch – drohen doch bei einer Zinserhöhung der US-Notenbank massive Verluste. Doch Andréa Maechler gibt sich überzeugt von ihrer Anlagestrategie: «Wir werden von unserer breiten Diversifikation sehr profitieren: Wenn Anleihen-Preise heruntergehen, gehen vielleicht Goldpreise hoch. Aktienpreise werden sich auch verschieben, und wir werden Wechselkurs-Änderungen sehen. Das ist das gesamte Paket. Auf dieser Ebene machen wir uns wenig Sorgen über die Anleihen-Verluste, die wir machen werden.»

Bisher spricht die Anlage-Strategie für die Nationalbank: Für die ersten neun Monate dieses Jahres hat sie einen Gewinn von 28,7 Milliarden Franken ausgewiesen.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Shankara Acharya (Shankara)
    Aktienmärkte können crashen, Staaten und deren Obligationen können bankrott gehen - die Nationalbank soll Gold kaufen, denn das ist die einzige sichere Investition unter dem Endstrich! Dass sie vor Jahren so viel Nationalgold zum Schleuderpreis veräussert hat, lässt mich zweiffeln, ob deren sehr teuer bezahlten Mitglieder wahrhaftig wissen, was sie tun!
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  • Kommentar von D. Schmidel (D. Schmidel)
    Diese 660 Milliarden Franken sind Volksvermögen, das von der Eidgenossenschaft verwaltet und bewirtschaftet wird. Diesem Betrag stehen private Vermögen in der Grösse von etwa 1'600 Milliarden Franken gegenüber. Ob dies noch in einem gesunden Verhältnis steht, ist schwer zu beurteilen.
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  • Kommentar von Peter Stopper (Dr. P. Stopper)
    Und wie will die SNB die aufgeblähte Bilanz wieder ins Gleichgewicht bringen? Bisher konnte mir kein Zentralbanker erklären, wie man aus dieser Geldschwemme je wieder vernünftig aussteigen kann. Die Hyperinflation lässt grüssen, sie wird kommen wie das Amen in der Kirche! Übrigens: Warum soll eine Inflation von 2 % (angestrebtes Ziel der Notenbanker) besser sein als eine Deflation von 2 %? Wiederum lauter eisiges Schweigen bei den superintelligenten Ökonomen der schönen neuen Welt des Geldes.
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