Abbau bei General Electric US-Industriekonzern schrumpft: Arbeitsgruppe will Stellen retten

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Aargau und Bund kämpfen gegen Stellenabbau

2:53 min, aus Schweiz aktuell vom 14.11.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Investorentag vom Montag verkündete eine Kürzung der Aktionärsausschüttungen.
  • Der Konzern will im Zuge dessen Tausende Stellen abbauen, betroffen davon ist wahrscheinlich auch die Schweiz.
  • GE will seine Aktivitäten auf die Bereiche Gesundheit, Energie und Luftfahrt konzentrieren.
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GE steckt tief in der Krise

General Electric muss sparen und sich neu erfinden. Der Mischkonzern hat seit Ende 2016 ein Drittel des Börsenwerts verloren. Der Aktie des 125 Jahre alten Unternehmens droht nun der Rauswurf aus dem Dow-Jones-Index. Damit würde Finanzgeschichte geschrieben: GE zählte zu den Gründungsmitgliedern des weltweit bekanntesten Aktienindex im Jahr 1896.

Die quartalsmässige Gewinnbeteiligung soll auf 12 Cent verkürzt werden. Die Aktie ist seit Ende 2016 auf Talfahrt. Der Konzernchef John Flannery gibt am heutigen Investorentag bekannt, dass General Electric im Zuge der Dividendenkürzung Tausende Stellen abbauen will.

Das Ausmass der erneuten Sparrunde von GE für die Schweiz könne erst einige Zeit später eingeschätzt werden. Zuerst wird der europäische Betriebsrat konsultiert.

Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass in der Schweiz 1300 Stellen gestrichen werden sollen. Den Sparmassnahmen des Unternehmens fielen in Birr im Kanton Aargau diesen Sommer 100 Stellen zum Opfer.

Die missliche Lage des US-Unternehmens könne gemäss Mitteilung gar zu einem Rauswurf aus dem Dow Jones führen. Dies sei umso herber, als das Traditionsunternehmen zu den Gründungsmitgliedern des Aktienindex gehört.

Syna erwartet Abbau

«Für uns steht fest, dass es auch in der Schweiz zu einem Abbau kommen wird», sagte Mathias Regotz, Leiter Sektor Industrie der Gewerkschaft Syna auf Anfrage der sda. Allerdings lasse sich das Ausmass überhaupt noch nicht abschätzen.

Dass GE an den Sparten Energie und Gesundheit festhalten wolle, sei positiv für die Schweizer GE-Standorte Birr, Oberentfelden und Baden im Kanton Aargau sowie den kleinen GE-Standort im Tessin.

Pessimistisch stimmten Regotz die Pläne zur Verschlankung der Kostenstruktur. Das bedeute nichts Gutes für den Standort Schweiz mit seiner hohen Kostenstruktur. Im schlimmsten Fall würde GE wohl die Produktion und Service in der Gas- und Wasserkraft in einem anderen europäischen Standort konzentrieren, sagte er weiter.

«  Wir wären blauäugig zu meinen, das gehe alles spurlos an der Schweiz vorbei. »

Urs Hofmann
Aargauer Volkswirtschaftsdirektor

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Börse hat reagiert

An der Börse kamen die Neuigkeiten von GE allerdings nicht gut an: Kurz nach Handelsstart in New York verlor die Aktie 3,61 Prozent an Wert.

Der Rivale von Siemens will sich auf die drei Geschäftsbereiche mit dem grössten Wachstumspotenzial beschränken. In den Kerngeschäften Luftfahrt, Energie und Gesundheit hätte GE die erforderliche Technologie und Kunden, teilt Flannery mit.

Das Unternehmen werde sich von Unternehmensbereichen in der Höhe von über 20 Milliarden Dollar trennen. Flannery plant eine Kostenreduktion von mehr als zwei Milliarden Dollar im Jahr.

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Bildlegende: Urs Hofmann setzt sich schon länger für die tausenden von Arbeitsplätzen von GE im Aargau ein. SRF

Am Dienstag hat die Aargauer Regierung reagiert. Sie ist besorgt und hat mit GE bereits im Oktober das Gespräch gesucht. Man wisse aber, dass in Amerika entschieden werde, sagt der Aaraguer Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann im Interview mit SRF.

Aargauer Regierung besorgt und aktiv

GE beschäftigt im Aargau rund 4500 Mitarbeitende. Nun zeigt sich die Aargauer Regierung besorgt. Sie setzte sich mit dem Bund sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen für den GE-Unternehmensstandort Schweiz ein. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe prüfe Massnahmen, um möglichst viele GE-Arbeitsplätze im Aargau zu erhalten, schreibt sie in einer Mitteilung.

Man habe Mitte Oktober bereits die GE-Konzernspitze in Atlanta getroffen. Eine Delegation aus Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Valentin Vogt (Schweizerischer Arbeitgeberverband), Vincenza Trivigno (Staatsschreiberin Aargau) und weiteren Vertretern hat mit Russel Stokes (Präsident / CEO GE Power) über die Situation von GE gesprochen. Am Treffen wurde gemäss Regierung eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Diese soll aufzeigen, wie man Arbeitsplätze am Produktions- und Forschungsstandort Aargau sichern könnte.

Falls es doch zu einem Stellenabbau kommen würde, wolle der Regierungsrat die Betroffenen mit Dienstleistungen der Arbeitsämter unterstützen und sich für sozialverträgliche Lösungen einsetzen.