Abgas-Affäre: Verdächtige Bauteile auch bei Audi, Skoda und Seat

Von den Manipulationen bei Abgasmessungen an Dieselfahrzeugen bei Volkswagen sind offenbar auch Autos in Europa betroffen. Die für VW angeordneten Abgas-Nachprüfungen sollen nun auch auf andere Marken ausgedehnt werden. In den USA und Kanada haben Kunden bereits dutzende Sammelklagen eingereicht.

Neuwagen von VW in San Diego. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bereits rund 40 Sammelklagen von Autokäufern sollen in den USA und Kanada gegen VW eingegangen sein. Reuters

  • Auch in Europa sollen 1,6- und 2,0-Liter-Dieselmotoren von den Manipulationen betroffen sein.
  • Abgas-Nachprüfungen sollen auf weitere Automarken ausgedehnt werden.
  • Betroffene Motor-Typen auch in diversen Audi-, Skoda und Seat-Modellen.
  • Daimler und BMW bekräftigen, sich weltweit an die Gesetze zu halten.
  • Bereits rund 40 Sammelklagen von Kunden gegen VW-Konzern in den USA und Kanada.

Abgas-Manipulationen auch in Europa

Von den Manipulationen bei den Abgasmessungen an Dieselfahrzeugen sind auch Autos in Europa betroffen. Das sagte der deutsche Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in Berlin: «Es wurde uns mitgeteilt, dass auch in Europa Fahrzeuge mit 1,6 und 2,0-Liter Dieselmotoren betroffen sind von den in Rede stehenden Manipulationen», so Dobrint. In Italien hat die Staatsanwaltschaft von Turin Justizkreisen zufolge bereits Vorermittlungen gegen Volkswagen eingeleitet.

Alexander Dobrindt zufolge ist die Zahl der in Europa betroffenen Fahrzeuge noch unbekannt. Auch liess er offen, ob diese nun aus dem Verkehr gezogen werden müssten. Volkswagen arbeite derzeit unter Hochdruck an einer Liste der von der Abgas-Affäre betroffenen Dieselwagen, sagte ein Unternehmenssprecher. Verkehrsminister Dobrindt kündigte derweil an, die angeordneten Abgas-Nachprüfungen auch auf andere Marken als VW auszudehnen.

Betroffene Motor-Typen auch in Audi-, Seat- und Skoda-Modellen

Innerhalb des VW-Konzerns teilen sich die Unternehmen etliche Bauteile, darunter auch Motoren und Getriebe. Ein Audi-Sprecher sagte am Donnerstag, der Motor vom Typ EA 189 sei auch in Fahrzeuge der Modellreihe A1, A3, A4 und A6 verbaut worden. Die genauen Baujahre und die Anzahl der Fahrzeuge könnten aber noch nicht genannt werden. Ob die Autos von den Software-Manipulationen betroffen seien, könne er ebenfalls noch nicht sagen.

Ein Sprecher der Volkswagen-Tochter Skoda bestätigte, Modelle der Reihen Fabia, Roomster, Octavia und Superb aus den Jahren 2009 bis 2013 seien teilweise mit den betroffenen Dieselmotoren ausgerüstet worden. Bei aktuellen Modellen gebe es keine Probleme.

Auch Seat bestätigte, dass in einem spanischen Werk Fahrzeuge mit der manipulierten Diesel-Technologie montiert worden seien. Die genaue Zahl sei nicht bekannt, verlautete aus Unternehmenskreisen. Eine Untersuchung solle nähere Aufschlüsse bringen.

Übrige deutsche Autobauer wollen nicht manipuliert haben

Andere deutsche Autokonzerne weisen Gerüchte über vergleichbare Manipulationen zurück. «Bei der BMW Group wird nicht manipuliert und wir halten uns selbstverständlich in jedem Land an die gesetzlichen Vorgaben und erfüllen alle lokalen Testvorgaben», teilte BMW am Donnerstag mit. Fast gleich tönt es in Stuttgart: «Wir betrügen nicht, und wir setzen auch keine ‹Defeat-Devices› ein, bekräftigte ein Daimler-Sprecher.

Erste Sammelklagen in Übersee

In den USA und Kanada sind mittlerweile erste Sammelklagen gegen den Konzern eingereicht worden. Private Autokäufer und mindestens ein Händler hätten bisher rund 40 solcher Klagen deponiert, berichten die Süddeutsche Zeitung und der NDR. In den Klageschriften würden dem Konzern Betrug, Vertragsbruch und weitere Gesetzesverstösse vorgeworfen.

Das gesamte Ausmass der Konsequenzen aus den Manipulationen bleibt derweil nicht absehbar. Bisher droht allein in den USA eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar durch die Umweltbehörde EPA. Auch das US-Justizministerium soll wegen möglicher strafrechtlicher Vergehen ermitteln.

Mehrere US-Bundesstaaten schmieden zudem eine Allianz, die prüft, inwiefern der bereits seit 2009 andauernde Abgas-Schwindel einklagbar sein könnte. Die Zivilklagen, die mehrere Anwaltskanzleien gegen den Volkswagen-Konzern anstrengen, kommen noch hinzu.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Abgas-Affäre kostet VW-Chef doch den Kopf

    Aus Tagesschau vom 23.9.2015

    Martin Winterkorn tritt als Konzernchef von Volkswagen zurück. Nach wie vor schweigt sich VW über die vom Abgas-Skandal betroffenen Modelle aus. Und unklar bleibt auch, ob Autos in der Schweiz betroffen sind.