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Kapital gegen Know-how Amerikanischer IT-Gigant steigt bei Schweizer Start-up ein

Salesforce investiert in das Zürcher Jungunternehmen Squirro. Das Ziel: Schweizer Know-how.

Legende: Video Schweizer Start-up spannt mit dem Silicon Valley zusammen abspielen. Laufzeit 03:56 Minuten.
Aus 10vor10 vom 06.07.2017.
  • Die US-Softwarefirma Salesforce beteiligt sich am Schweizer IT-Start-up Squirro.
  • Aufkäufe oder Investitionen wie die von Salesforce sorgen für Kritik.
  • Bereits früher haben andere ausländische IT-Giganten in Schweizer Start-ups investiert.

Das Silicon Valley ist das Modell, das alle kopieren möchten. Auch Zürich will zu einem Hotspot für digitale Innovationen werden. Politik und Wirtschaft tun viel, um Schweizer IT-Start-ups zum Erfolg zu verhelfen. Tatsächlich ist die hiesige Szene lebendig. Und dennoch: Global erfolgreiche Würfe sind rar.

Die wenigen jungen Firmen mit dem Potential zum globalen Erfolg werden umworben. Denn auch ausländische Firmen möchten von deren Know-how und Innovationskraft profitieren. Das neuste Beispiel: Software-Start-up Squirro. Wie SRF weiss, beteiligt sich nämlich Software-Gigant Salesforce aus dem Silicon Valley am Schweizer Jungunternehmen. Den genauen Anteil halten die beiden geheim.

Mitgründer Dorian Selz ist glücklich über den Einstieg von Salesforce: «Man muss auf den Schultern von Giganten wachsen, um im globalen Dorf der ICT-Branche mitspielen zu können». Es sei eine grosse Chance, mit einem strategischen Investor wie Salesforce zusammenzuarbeiten.

Bekanntes Muster

Das Start-up Squirro entwickelt eine Software, die Unternehmen den Aufbau und die Pflege von Kundenbeziehungen erleichtern soll. Konkret erkennt die Software automatisiert, ob beispielsweise ein Vertrag demnächst ausläuft oder ein Service fällig ist – und macht einen Kundenberater darauf aufmerksam.

Für den Kundenbeziehungssoftware-Spezialisten Salesforce, der zur Zeit das höchste Bürogebäude der Stadt San Francisco baut, will mit dem Einstieg bei Squirro Know-how in der Analyse von Daten in punkto Kundenbeziehungsmanagement gewinnen.

Das Muster ist nicht neu: Bereits früher haben andere ausländische IT-Giganten in Schweizer Start-ups investiert. So kaufte Google vor Jahren die Luzerner Firma Endoxon, um damit Google Maps weiterzuentwickeln. Und zuletzt beteiligte sich der chinesische Internet-Riese Alibaba am jungen Unternehmen WayRay, das an einem virtuellen Navigationssystem arbeitet.

«Die kalte Logik der Software-Industrie»

Aufkäufe oder Investitionen wie die von Salesforce sorgen für Kritik, zum Beispiel beim Basler Ökonomen Christoph Koellreuter: «Die Weiterentwicklung des erarbeiteten Know-hows droht primär an anderen Orten stattzufinden. Das Wachstum der Digitalbranche und damit die Wertschöpfung könnten sich so zunehmend aus der Schweiz verlagern.» Starinvestor Klaus Hommels geht gar noch weiter, er befürchtet, dass die Schweiz ihre Start-ups «systematisch exportiert». Das sei ein Hemmnis für den Aufbau eines Schweizer Digitalhubs.

Dorian Selz schliesst nicht aus, dass es für Squirro eines Tages im Ausland weiter geht. Dies sei die kalte Logik der Software-Industrie: «Wenn man international erfolgreich sein will, muss man sich vor allem in Richtung USA orientieren. Das kann man entweder über eine riskante Kreditstrategie versuchen oder indem man Teil eines grossen Software-Unternehmens wird.» Diese Logik werde irgendwann auch Squirro widerfahren. Was für Squirro ein logischer Schritt darstellt, ist ein bedrohliches Muster für den Digitalstandort Schweiz.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Das ist doch eigentlich Ideenklau. Mal richtig viel bezahlen und dann absaufen lassen.
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Ja Frau Rup so wird es gemacht - unsere strategielosen Staatsstellen - die schon lange ein Risikokapitalbudget haben müssten um diese wertvollen Ideen in der CH behalten zu können - überlassen diesen Ideenklauern das teilweise Millionenschwere Nachgeschäft ! Neben der USA sind es Chinesen und andere Spekulanten die das Geistige Eigentum der CH zu einem Apfel u. Ei - Preis in ihre Nutzrechte wandeln. Habe das selbst leidvoll erfahren müssen . ( Verlust von 100 Arbeitsplätzen bei uns )
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  • Kommentar von Philip Schweizer (Philip Schweizer)
    Wenn Interesse seitens der CH Wirtschaft besteht, müssen sich kleinere IT Akteure zusammenschliessen und einen Investmentfonds gründen und aktiv in Start-ups investieren. Der Fonds welcher kürzlich von Schweizer-Amman initiiert wurde ist eine gute Initiative. In der CH haben wenige IT Unternehmen die Grösse um Start-ups zu schlucken, darum gehen Start-ups in den USA. Vielleicht könnten die Autoren ja mal ein Ideenpapier verfassen anstatt diese notwendige Strategie von Start-ups zu hinterfragen.
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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Innovation läuft in den USA so gut, weil auch Startups sofort einen potenziellen Markt von 300 Mio. Menschen haben, die bereit und tw. begierig sind, Neues auszuprobieren. Deutschland hat 80 Mio. und die EU. In der Schweiz haben wir 8 Millionen Konservative. Da hilft eine Fòrderung des Digitalstandorts nur, wenn bei Startups bald Großfirmen einsteigen.
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    1. Antwort von Florian Menevis (Florian Menevis)
      Dieses Argument ist doch absurd. Schweizer Unternehmen mussten schon immer Produkte in die Welt exportieren um Geld verdienen zu können. Selbst Blocher hat die Produkte seiner EMS Chemie in China verkauft. Wenn selbst KMUs mit komplizierten technischen Handelshemmnissen fertig werden und ihre Produkte weltweit anbieten, warum soll ausgerechnet die IT-Industrie damit Mühe haben? Es ist gerade der Zweck des Internets an keine Landesgrenzen gebunden zu sein.
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