Andermatt Biocontrol verdoppelt Belegschaft

Eine Raupenplage vernichtet viele Sojafelder in Brasilien. Andermatt Biocontrol aus dem luzernischen Grossdietwil hat ein Gegenmittel und hofft nun auf Grossaufträge. Die Firma investiert Millionen in ihre Produktionsanlagen und hat die Belegschaft bereits auf rund 120 Angestellte verdoppelt.

Raupenplage vernichtet viele Sojafelder in Brasilien. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schweizer Firma will den Baumwollkapselbohrer mit Viren bekämpfen. SRF

Die Soja-Produzenten in Brasilien haben ein Problem: Eine gefrässige Raupe hat die Felder befallen und im letzten Jahr Ernteausfälle von rund 5 Milliarden Dollar verursacht. Es handelt sich dabei um den Baumwollkapselbohrer, lateinisch Helicoverpa. Die brasilianischen Behörden haben reagiert und sowohl chemische wie auch biologische Produkte zu einer Notregistrierung zugelassen.

Die Firma Andermatt Biocontrol, spezialisiert auf biologische Schädlingsbekämpfung, beantragte mit der brasilianischen Partnerfirma Koppert do Brasil eine solche Notregistrierung. Seit dem letzten November ist nun ihr Produkt mit dem Namen «Diplomata» zugelassen. Es folgte die erste grosse Bestellung.

Grosse Investition

Seither ist im beschaulichen Grossdietwil im luzernischen Hinterland bei Andermatt Biocontrol alles im Umbruch: Rund 15 Millionen Franken hat die Firma in den Ausbau der Produktion investiert. Zudem wurden um die 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neu angestellt. Und das innerhalb dreier Monate.

Die Expansion finanziert Biocontrol zu einem grossen Teil mit Krediten. «Wir erhalten jene Hypothekenfinanzierungen, die wir für diese riesigen Projekte benötigen», erklärt Geschäftsführer Daniel Zingg. «Aufgrund unserer Vergangenheit war das aber nicht allzu schwierig.» Weitere Gespräche mit den Banken laufen derzeit noch, doch auch bei diesen ist Zingg zuversichtlich.

Kalkuliertes Risiko

Für das Familienunternehmen ist die Expansion ein Risiko. Ob die erhofften Grossbestellungen aus Brasilien tatsächlich eintreffen werden, wird sich erst in ein paar Monaten zeigen. Auch ist die Notregistrierung auf zwei Jahre beschränkt, danach braucht das Virenpräparat eine neue Zulassung. Zudem drängen Konkurrenten aus Australien und China mit Produkten auf den Markt.

Andermatt Biocontrol ist sich der Risiken bewusst. «Wir investieren nur so viel, dass es uns auch bei den Worst-Case-Szenarien nicht das Genick bricht», sagt Geschäftsführer Daniel Zingg. «Wir haben ein jährliches Wachstum von 15 bis 20 Prozent – auch ohne diesen Grossauftrag. So können wir Risiken abfedern.»

«Weltweiter Top-10-Schädling»

Ausserdem will das Familienunternehmen möglichst schnell Registrierungen für das Virenpräparat in anderen Ländern beantragen. Laut Daniel Zingg ist der Helicoverpa einer der Top-10-Schädlinge der Welt und kommt in allen Teilen der Welt vor. Das Marktpotential scheint also vorhanden.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Biocontrol: Das grosse Geschäft in Brasilien

    Aus ECO vom 17.3.2014

    Die Schweizer Biocontrol ist auf biologische Schädlingsbekämpfung spezialisiert. Nun investiert das Unternehmen aus dem luzernischen Grossdietwil Millionen in den Ausbau der Produktion und will die Belegschaft auf 100 Personen verdoppeln – alles innerhalb weniger Monate. Denn das KMU hofft auf Grossaufträge aus Brasilien. Dort zerstört ein Schädling die Soja-Ernte – und Biocontrol hat ein Mittel dagegen. Allerdings rüstet auch die Konkurrenz auf. «ECO» über ein Unternehmen zwischen Hoffnung und Risiko.