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Wirtschaft Angelsachsen sind Julius-Bär-Saläre zu wenig transparent

«So nicht!» – haben fast zwei Drittel der Aktionäre von Julius Bär zu den Löhnen der Manager gesagt. Erstmals erlitt damit der Verwaltungsrat einer Schweizer Bank Schiffbruch mit seinem Vergütungsbericht. Ein überraschender Entscheid – mit Nachahmungs-Effekt?

Generalversammlung
Legende: Zu wenig Transparenz: Für die Aktionäre ist das Vergütungssystem der Bank offenbar nicht nachvollziehbar. Keystone

Es war ein wuchtiges Nein der Aktionäre gestern an der Generalversammlung der Bank Julius Bär – mit 67 Prozent der Stimmen.

Das hätte selbst Gregor Greber nicht erwartet. Er ist CEO der Aktionärsberatung zCapital. Insbesondere das Ausmass des Nein habe ihn überrascht.

 «Ich glaube es war eine relativ klare Front von Seiten der Angelsachsen gegenüber dem Vergütungssystem von Julius Bär», sagt Greber gegenüber Radio SRF.

Diese Front der Angelsachsen sei neu. Es ist bekannt, dass amerikanische Investoren längst das Aktionariat von zahlreichen Schweizer Grosskonzernen dominieren.

Vasellas 72 Millionen

Bisher winkten sie bei den Konsultativ-Abstimmungen die vorgelegten Vergütungsberichte grosszügig durch. Grosszügiger als dies Schweizer Anlagevertreter wie etwa zCapital oder Ethos taten. Ein gutes Beispiel dafür ist etwa Novartis: Daniel Vasellas 72 Millionen Franken für die Konkurrenzverbots-Klausel – das brachte die Volksseele in der Schweiz zum Kochen.

Die amerikanischen Grossinvestoren hingegen liess diese Summe kalt. Wichtiger für die Angelsachsen war im Fall von Novartis, dass das Geschäft dort gut gelaufen sei, erklärt Christophe Ans, der Sprecher der Anlagestiftung Ethos.

«Das Vergütungssystem der Bank Julius Bär ist intransparent und schlecht strukturiert. Dies mögen die Angelsachsen nicht.»

Deshalb hätten die Angelsachen die Julius-Bär-Saläre abgelehnt. Weil das Lohnsystem nicht transparent sei; weil Bonus-Zahlungen und Prämienleistungen nicht nachvollziehbar seien. ISS, der wichtigste amerikanische Aktionärsvertreter, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

UBS und CS haben bereits Erfahrung

Gregor Greber von zCapital geht davon aus, dass sich das gestrige Nein bei Julius Bär an den kommenden Generalversammlungen – etwa bei der Credit Suisse oder der UBS – nicht wiederholen wird.

«Beide Firmen, die UBS und die Credit Suisse, haben einen längeren Erfahrungswert, im Umgang mit Konstitutiv-Abstimmungen, weil sie diese nicht erst in diesem Jahr eingeführt haben», sagt Greber.

Laut den Aktionärsberatern haben UBS und Credit Suisse ihre Vergütungssysteme schon ordentlich verbessert – etwa Punkto Transparenz. Gerade die Credit Suisse tat dies nach Rücksprache mit den US-Investoren. Diese sind nun zufrieden.

Den Schweizer Vertretern reichen die Anpassungen im Lohnsystem aber noch nicht. zCapital wird in ein paar Wochen bei beiden Grossbanken das Lohnsystem wieder ablehnen. Die Zahlungen seien schlicht zu hoch, so die Begründung.

srf/engf

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