Angst vor jungen Studienabgängern aus dem Ausland

Die Arbeitslosigkeit ist tief. Der Wirtschaft geht es gut. Doch davon profitieren nicht alle. Wer älter als 50 ist und arbeitslos wird, der hat es schwer. Nur mit Mühe finden Ü50-Arbeitslose wieder eine Stelle. Die hiesigen Firmen suchen lieber junge Studienabgänger. Und dies meist im Ausland.

Arbeiter nimmt in einer Fabrikhalle etwas vom Rollband Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Rückkehr in den Arbeitsmarkt ist für Arbeitslose über 50 deutlich schwerer als bei Jüngeren. Keystone

Wer mit über 50 Jahren arbeitslos wird, findet nur schwer eine neue Stelle. Junge Studienabgänger sind meist günstiger. Oft kommen sie aus dem Ausland. Das Nachsehen haben ältere Arbeitslose. Vielfach Schweizer mit langjähriger Berufserfahrung. Von den gut qualifizierten und günstigen Arbeitssuchenden aus dem Ausland fühlen sie sich bedrängt.

Angst unterschätzt

Dieses Unbehagen habe die Gegnerschaft der SVP-Masseneinwanderungsinitiative unterschätzt, sagt Arbeitsmarktexperte Rudolf Strahm. «An Abstimmungsanlässen habe ich einige Male von gut ausgebildeten Ingenieuren erfahren, dass sie nun durch junge Studienabgänger aus Deutschland ersetzt werden.» So dürfte die Angst, von jungen Arbeitskräften aus dem Ausland ersetzt zu werden, durchaus für Zuspruch zur SVP-Initiative gesorgt haben.

Obschon der Arbeitgeberverband dieses Problem vor zehn Jahren erkannt hat, interessiert sich kaum eine Firma dafür. Die Chancen der älteren Arbeitnehmer auf dem Jobmarkt wollte der Arbeitgeberverband damals mit dem Projekt «50plus» verbessern. Es landete im Papierkorb. Mangels Interesse von Seiten der Firmen.

Economiesuisse spricht von Einzelfällen

Auch der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse hält das Problem nicht für gravierend. Economiesuisse-Geschäftsleiter Rudolf Minsch: «Es gibt einzelne Fallbeispiele, die dann die öffentliche Meinung stark beeinflussen. Über die gesamte Wirtschaft sind es aber Einzelfälle, die statistisch nicht ins Gewicht fallen.»

Dass Leute über 50 vom Arbeitsmarkt verdrängt würden, das sei mit einer Statistik tatsächlich schwer nachzuweisen, sagt Rudolf Strahm. «Diese Verdrängung geschieht nicht von heute auf Morgen. Sie erstreckt sich über den Zyklus einer Saison oder gar einer Konjunkturperiode.»

SVP-Zuwanderungsinitiative keine Lösung

Geht es der Wirtschaft schlecht, werden Arbeitnehmer entlassen. Geht es ihr wieder besser, stellen die Firmen wieder Leute ein. Häufig eben gut ausgebildete und junge Leute aus dem Ausland. Daran ändere auch die SVP-Initiative nichts, sagt Strahm. Nur wenn die Firmen freiwillig den Schweizern, besonders auch den älteren Arbeitssuchenden einen «leichten Inländervorrang», so Strahm, gewähren, werde sich etwas ändern.

Bei Economiesuisse lässt man die Zeit arbeiten. Weil es immer weniger junge und mehr ältere Leute gibt, «werden die Arbeitnehmer über 50 in Zukunft attraktiver», sagt Economiesuisse-Geschäftsleiter Rudolf Minsch. So fänden in Zukunft auch ältere Arbeitslose wieder besser eine neue Stelle.

Für die derzeitigen Ü50-Arbeitslosen bleibt die Situation schwierig. Bei den Firmen kümmert man sich wenig um ihre Sorgen. Den hiesigen Mangel an Fachkräften decken viele Firmen weiterhin lieber mit jungen und günstigen Studienabgängern.