Anlagen der Zukunft, Sorgen von heute

Nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses und der Einführung der negativen Zinsen sind Privatanleger verunsichert. Am Publikumstag der «Finanz 15» suchten einige von ihnen Rat. Ein Stimmungsbild aus der Finanzmesse in Zürich.

Die Finanzmesse «Finanz 15» findet dieses Jahr unter dem Motto «Anlagen der Zukunft» statt. Doch die Zukunft ist nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses ungewiss. Sparen ist unattraktiv, da immer mehr Banken negative Zinsen einführen. Gleichzeitig geraten aber auch die Aktien zahlreicher Schweizer Exportunternehmen durch den erstarkten Franken unter Druck. Worin lohnt es sich also zu investieren? SRF News hat am Publikumstag bei den Besuchern der Messe nachgefragt.

Information oder Desinformation

Die meisten Besucher erhoffen sich von der «Finanz 15» wertvolle Anlagetipps. So auch ein Zürcher Rentner, der diesbezüglich allerdings einige Zweifel hegt: «Es ist nicht ganz klar, ob ich hier auch wirklich an die Informationen gelange, die ich brauche. Am Ende müssen die Anleger schauen, wie sie ihr Geld machen können, drum verlasse ich mich nicht zu sehr auf sie.» Der Mann zeigt sich über die aktuellen Entwicklungen besorgt: «Die Schweizer Nationalbank hat ein unheimliches Gewicht. Ich bedaure vor allem die Pensionskassen, die das Geld nicht mehr sinnvoll anlegen können.»

Zuversichtlicher ist ein Gast aus Deutschland gestimmt. Er besucht die Messe vor allem für die Korridorgespräche. «Die Ängste und Erwartungen der Anleger kommen in den Passagen viel deutlicher zum Ausdruck.» Eine Änderung seiner Anlagestrategie kommt für ihn nicht in Frage, obschon auch er durch die Aufgabe des Mindestkurses Verluste hinnehmen musste.

Das Ehepaar Pfyl besucht die Messe aus privatem Interesse. Sie sind auf der Suche nach Anlagelösungen, bei welchen sich der Verlust minimieren lässt. Die Konsequenzen des SNB-Entscheids bekam Martin Pfyl vor allem beruflich zu spüren. Sein Fertigungsbetrieb L-Tech liefert nämlich vor allem an europäische Kunden. Diese fordern nun vom Unternehmer 10 bis 20 Prozent Rabatt auf Bestellungen, die schon zwei Monate zurückliegen.

Aktien als Hobby

Eine ehemalige Bankmitarbeiterin möchte an der Messe gezielt Informationen zu bestimmten Aktien einholen. Auf ihrer Beobachtungsliste stehen die Swatch-Aktie oder jene von Leonteq. Es sind Aktien, die für sie ein gewisses Risiko darstellen. Die Rentnerin investiert in Aktien als Zeitvertreib: «Ich muss nicht in die Ferien fahren, Aktien sind mein Hobby.» Nach dem SNB-Entscheid verloren einige ihrer Aktien an Wert: «Das macht mir nichts aus. Die kommen wieder. Dumm wäre nur, wenn ich noch dieses Jahr sterben würde. Meine Kinder verstehen nämlich nichts von Aktien und Investitionen.»

Auch Walter Salzner verlor nach dem SNB-Entscheid Geld. Er möchte dennoch seine Anlagestrategie beibehalten. «Mit einem Euro-Kurs von 1,10 kann ich leben». Die Veranstaltung schätzt er vor allem für den Überblick, den sie bietet.

Auf sein Gefühl hören

Gänzlich unbeeindruckt von der Franken-Krise ist wiederum ein Gast, der die «Finanz 15» hauptsächlich aus Neugierde besucht. «Es war schon klar, dass die SNB den Mindestkurs über kurz oder lang aufgeben würde.» Der Mittvierziger setzt gegenwärtig vor allem auf SMI-Titel, die an Wert verloren haben. Dabei höre er auf sein Bauchgefühl, bleibe aber auch Realist: «Man darf nicht aus Gier zu lange warten. Es gibt nun mal keinen idealen Kauf- und Verkaufszeitpunkt.»

Sendebezug: SRF 1, Regionaljournal Ostschweiz, 29.01., 12:03 Uhr

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • FOKUS: Pensionskassengelder bunkern

    Aus 10vor10 vom 4.2.2015

    Die Pensionskassen leiden unter den von der Nationalbank eingeführten Negativzinsen. Jetzt ziehen sie teils drastische Massnahmen in Betracht: Wie «10vor10» weiss, denken derzeit einige Pensionskassen darüber nach, das Geld künftig in bar zu horten. Mit Einschätzungen von der Vizepräsidentin der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge, Vera Kupper Staub.