«Apple verfügt weiter über erhebliches Potenzial»

Ziehen am bisweilen so sonnigen Apple-Horizont Wolken auf? Mitnichten, sagt IT-Analyst Uwe Neumann. Denn das Unternehmen verfügt über schlummernde Ressourcen.

Menschen mit Tablets und Smartphones in einer Warteschlange. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eine Milliarde iPhones sind im Umlauf: Damit kann Apple noch viel Geld verdienen. Keystone

SRF News: Hat Apple den Zenit erreicht?

Zusatzinhalt überspringen

Uwe Neumann

Der Ökonom ist IT-Analyst bei der Credit Suisse.

Uwe Neumann: Wir glauben nicht, dass dem so ist. Apple hat im Weihnachtsquartal so viele iPhones wie noch nie in einem Vierteljahr verkauft. Nun ist klar, dass das Unternehmen in diesem Jahr zum ersten Mal weniger iPhones verkaufen wird als im Vorjahr. Wir sehen zwei Gründe dafür: Zum einen ist der Gesamtmarkt für Smartphones relativ gesättigt und wächst vor allem noch im Billigsegment. Zweitens kommt der starke Ersatzzyklus des iPhone 6, der Ende 2014 eingesetzt und dazu geführt hat, dass 2015 sehr viel mehr iPhones verkauft werden konnten, zu einem Ende. Für den Verkauf des iPhone 7 erwarten wir wieder beschleunigte Umsatzzahlen.

Sie sagen selber, dass der Smartphone-Markt gesättigt ist. Das muss doch ein Problem sein für Apple. Zwei Drittel des Umsatzes macht man schliesslich mit dem Verkauf von iPhones.

Das ist korrekt. Es ist sicherlich nicht mehr gegeben, dass man extrem starke Wachstumsaussichten für das iPhone sehen kann. Gleichwohl sind diese Ersatzzyklen sehr speziell. Der Rückgang in diesem Jahr ist sicherlich nur auf diesen Zyklus zurückzuführen, weil Apple tatsächlich auch Marktanteile im höheren Segment gegenüber Samsung gewinnt. In einem schwachen Markt wäre es möglich, dass Apple gewisse Marktanteile erobert – wobei wir auch dort Grenzen sehen. Der Trend geht also in Zukunft von sehr starkem Wachstum hin zu schwächerem Wachstum – aber immerhin noch Wachstum.

Apple und Superlative gehören fast schon zusammen. Ist es denn nicht ein herber Schlag, wenn man nicht mehr von einem Rekordwachstum ausgehen kann?

Apple hat natürlich sehr viele Möglichkeiten mit anderen Dienstleistungen zu punkten. Insbesondere wenn man an die Aktie denkt. Apple hat sein Ökosystem bisher noch gar nicht richtig monetisiert. Sie haben in dieser Quartalsberichterstattung erstmals davon geredet, dass sie fast eine Milliarde iPhones in Gebrauch haben. Damit soll signalisiert werden, dass über diese Basis Dienste wie Musik- oder künftig auch Videostreaming verkauft werden sollen. Mit einer Milliarde Kunden verfügt Apple hier natürlich über ein erhebliches Potenzial, wiederkehrende Umsätze zu erzielen.

Die Zeit der Superlative ist bei Apple also noch nicht so schnell vorbei?

Ja, das würde ich so sagen.

Das Gespräch führte This Wachter.