«Auch ich arbeite mehr und gehe weniger in die Ferien»

Seit dem 12. Februar müssen die Mitarbeiter der Georg Fischer vier Stunden länger arbeiten. Dies ist eine Massnahme, um den Franken-Schock etwas abzudämpfen. Georg-Fischer-CEO Yves Serra sagt, warum die Geschäftsleitung so entschieden hat.

Yves Serra verwirft die Hände Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bei Georg Fischer gibts keine Ausnahmen. Auch Chef Yves Serra arbeitet länger. Keystone

Am Morgen konnte Yves Serra frohe Neuigkeiten verkünden: An der Bilanzmedienkonferenz der Georg Fischer (GF) wurde bekanntgegeben, dass das Unternehmen im letzten Jahr rund 195 Millionen Reingewinn erwirtschaftet hat. Dies sind 34 Prozent mehr als noch im Jahr 2013. Auch die Umsatzsteigerung von einem Prozent auf 3,8 Milliarden kann sich sehen lassen.

Doch all diese guten Nachrichten beziehen sich auf Geschäfte welche vor dem ominösen 15. Januar abgewickelt wurden. Nach der Auflösung des Euro-Mindestkurses hat die GF rasch reagiert: Man einigte sich mit den Vertretern der Belegschaft auf eine Erhöhung der Arbeitszeit von 40 Stunden, auf neu 44 Stunden pro Woche – bei unveränderten Löhnen.

«Arbeitszeitverlängerung ist besser als Lohnkürzungen»

Serra ist dankbar, dass die Mitarbeiter und die Gewerkschaften sich so schnell mit der Geschäftsleitung auf die Arbeitszeitverlängerung einigen konnten. Ein Grund dafür ist sicher auch, dass die neue Regelung für alle Mitarbeiter der Georg Fischer gilt – auch für die Manager. Diese müssen bis auf weiteres zusätzlich auf eine Woche Ferien verzichten. Ausnahmen gibt es keine – nicht mal für den Chef: «Auch ich arbeite mehr und gehe weniger in die Ferien.»

Die Georg Fischer zieht die jetzige Massnahme anderen Einsparungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Lohnkürzungen vor. Dies sei der Fall, weil die Auftragsbücher der GF voll seien. Die Nachfrage ist gross und die Fabriken sind gut ausgelastet. So kann die Firma die Wettbewerbsfähigkeit aufrecht erhalten und die Mitarbeiter haben Ende Monat nicht weniger Geld in der Tasche.

Massnahmen nicht ganz ohne Kritik

Die Einigung sieht zudem vor, dass alle drei Monate die Lage neu beurteilt werden muss. Sollte sich der Euro-Franken-Kurs wieder zwischen 1.15 Franken und 1.20 Franken einpendeln, werden die Massnahmen wieder rückgängig gemacht. Trotzdem kann Yves Serra nicht garantieren, dass weitere Schritte folgen werden. Entlassungen können nicht ausgeschlossen werden. Er sei aber zuversichtlich, dass die jetzigen Mittel genug sind, um sämtliche Arbeitsplätze sichern zu können.

Einige Experten beurteilen die Schritte der GF als voreilig. Der Industriekonzern habe in der Schweiz eine Kostenbasis von nur gerade 20 Prozent. Dies ist im Branchenvergleich ein relativ tiefer Wert. Zudem seien viele Aufträge schon zugesichert und der Euro-Kurs erhole sich auch stetig.

Aus dem Kreise einiger Gewerkschaften liess man sogar verlauten, dass es schon fast so aussehe als würde die GF den Vorwand des starken Frankens vorschieben, um die randvollen Auftragsbücher mit Gratis-Arbeit zu bewältigen.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 24.02.2015 19:25

    SRF Börse
    Mit Reserven ins Krisenjahr

    24.02.2015 19:25

    Der Auftragsbestand des Industrie-Konzerns Georg Fischer sei 2014 um 45 Prozent gestiegen – sie hätten also gut angefangen im neuen Jahr, so Konzernchef Yves Serra. Trotzdem soll die Frankenstärke weiterhin mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 44 Stunden abgefedert werden. SMI: +0.8 Prozent