Versicherungen vs. Klimawandel Axa versichert Kohlekraftwerke nicht mehr

Auf der einen Seite fürchten Versicherungen den Klimawandel, weil die Folgen des Klimawandels für sie teuer werden könnten. Gleichzeitig sind sie auch mitverantwortlich, denn sie verdienen damit viel Geld. Ein grosser Konzern nimmt nun seine Verantwortung wahr.

Wer eine Firma hat, will diese versichern, um nicht alles zu verlieren, wenn etwas schief geht. Das gilt auch für die Kohleindustrie. Aber sollten Versicherungen Kohlekraftwerken überhaupt Versicherungsschutz verkaufen? Die Frage drängt sich deshalb auf, weil Kohle der schmutzigste Energieträger überhaupt ist.

 

«Nein», hat man jüngst in Paris am Hauptsitz der Axa entschieden, einem der grössten Versicherungskonzerne der Welt. Mit Kohle will man nichts mehr am Hut haben. Man habe eine schwarze Liste aufgestellt mit rund 100 Firmen, die ihr Geld mehrheitlich mit Kohle verdienten, sagt Sylvain Vanston, mitverantwortlich für die Strategie der Franzosen.

«  Man will dem Markt signalisieren, dass man gewillt ist, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. »

Sylvain Vanston
Konzernverantwortlicher Axa

Die Verbrennung von Kohle leistet den grössten Beitrag zum Klimawandel. Die Versicherungen warnen seit 20 Jahren vor den verheerenden Folgen dieses Klimawandels. Denn auch sie leiden darunter. Sie zahlen die Schäden von Dürren, Überflutungen, Geländeverschiebungen.

Rückbesinnung auf Kohle ist schlecht fürs Klima

Kohle hat seit dem AKW-Gau in Fukushima ein Revival erlebt. Weltweit sind über 1000 neue Kohlekraftwerke in Planung oder im Bau.

Der Ausstieg der Axa ist auch politisch motiviert. «Man will dem Markt, den Regulatoren und den Investoren signalisieren, dass man gewillt ist, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen», sagt Sylvain Vanston.

Ganz uneigennützig ist der Ausstieg des französischen Konzerns aus dem Kohlegeschäft nicht. Axa wappnet sich damit gegen das Risiko, dass durch C02 verursachte Schäden eines Tages einklagbar werden, räumt Vanston ein.

Schweizer Versicherer könnten gleich entscheiden

Noch ist Axa alleine mit ihrem ungewöhnlichen Schritt. Katja Nikitenko von Greenpeace Schweiz hofft, dieser Schritt werde auch in der Schweiz kopiert. Denn die Schweizer Versicherer hinkten den Europäern hinterher. Sie könnten mehr tun, fordert die Vertreterin von Greenpeace.

«  Kohlegeschäfte nicht mehr zu versichern, ist durchaus im Interesse der Versicherungsindustrie. »

Katja Nikitenko
Vertreterin von Greenpeace Schweiz

Mit dem Versichern der Kohleindustrie seien die Versicherer mitschuldig an Umweltkatastrophen. Versicherer sollten aber nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sein, fordert Nikitenko. Greenpeace klagt, Versicherungen würden schöne Reden schwingen, aber nichts tun. Anders verhalten sich die Banken. UBS und CS gehören zu 24 Instituten, die der Kohleindustrie nur noch eingeschränkt Kredite zur Verfügung stellen.

«Kohlegeschäfte nicht mehr zu versichern, ist durchaus im Interesse der Versicherungsindustrie, sowohl finanziell, ethisch wie auch reputationsmässig», sagt Nikitenko. Auch wenn das Vorpreschen von Axa alleine den Klimawandel nicht stoppt: Ein Signal ist es allemal.