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Wirtschaft Banker im Zwielicht: Armutszeugnis für Geldhäuser

Bankangestellte sind im Privaten nicht weniger verlässlich als Mitarbeiter anderer Branchen. Doch am Arbeitsplatz neigen sie – begünstigt durch die Unternehmenskultur – zu unehrlichem Verhalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine in Zürich vorgelegte Untersuchung.

Hinter einem Aktienindex spiegelt sich das Gesicht eines Mannes.
Legende: Die Unternehmenskultur der Banken hat Einfluss auf die Beschäftigten und deren Verhalten. Keystone

Jahrelange Manipulationen von Referenzzinsen, Devisen- und Aktienkursen, fortgesetzte Betrügereien mit Anlageprodukten und wiederholte Beihilfe zur Steuerhinterziehung: Zumindest einzelne Banken haben in den letzten Jahren fast nichts ausgelassen, um Zweifel an ihrer Rechtschaffenheit zu säen.

Legende: Video Banker im Zwielicht: Studie stellt Branche schlechtes Zeugnis aus abspielen. Laufzeit 04:09 Minuten.
Aus 10vor10 vom 19.11.2014.

Drei Forscher der Universität Zürich wollten es genauer wissen. Alain Cohn, Ernst Fehr und Michel Maréchal vom Institut für Volkswirtschaftslehre haben sich deshalb der Frage gewidmet, ob es in der Branche eine eigentliche Betrugskultur gibt. Ihre Antwort wird den Banken nicht gefallen: Ja. Ihre Studie zeige, dass «die Unternehmenskultur im Bankensektor implizit unehrliches Verhalten eher toleriert oder begünstigt.»

Sie empfehlen darum den Banken in eine gesunde Unternehmenskultur zu investieren. Für die Wiederherstellung des Vertrauens in die Bankenindustrie jedenfalls sei dies von grosser Bedeutung.

Ehrlich in der Freizeit, unehrlich am Arbeitsplatz

Für die Studie haben die drei Forscher 208 Bankangestellte rekrutiert. Aufgeteilt in zwei Gruppen wurde jedem von ihnen eine Aufgabe gestellt, bei der es sich durch unehrliches Verhalten bis zu 200 Dollar zusätzlich verdienen liess. Davor wurden den Teilnehmern der einen Gruppe mit geeigneten Fragen ihre Rolle im Beruf und die damit verbundenen Normen bewusst gemacht, den Mitgliedern der anderen Gruppe dagegen die Rolle und Normen in ihrer Freizeit.

Bei der Ehrlichkeitsaufgabe zeigte es sich dann, dass die Bankangestellten, die in die Arbeitssituation versetzt wurden, sich deutlich unehrlicher verhielten als die Banker im Freizeitmodus. Um einen Vergleich zu haben, führten die Forscher anschliessend eine ähnliche Studie mit 133 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anderer Wirtschaftsbranchen durch. Das Resultat hier: Im Unterschied zu den Bankern wurden diese Berufsleute nicht unehrlicher, wenn ihnen ihre berufsbezogenen Normen in Erinnerung gerufen wurden.

Daraus folgerten die Forscher, dass Banker als Privatpersonen nicht unehrlicher als Mitarbeiter anderer Branchen sind. Als Berufsleute jedoch sind sie weniger vertrauenswürdig. «Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die sozialen Normen in der Bankenindustrie unehrliches Verhalten eher tolerieren und damit zum Reputationsverlust der Banken beitragen», lässt sich Michel Maréchal, Professor für Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich zitieren.

Unternehmenskultur fördert Tricksereien

Die Verfasser der Studie wollten aber nicht nur wissen, ob Banker mehr als andere Berufsleute zur Unehrlichkeit neigen, sondern auch warum. Die Forscher hatten hier zwei Thesen. So könnte erstens die stark materialistische Werthaltung in dieser Branche Ursache für die höhere Neigung der Bankangestellten zu Tricksereien sein.

Plausibel wäre aber laut den Forschern auch, wenn zweitens die ausschliessliche Beschäftigung mit Geld der Grund für diese Neigung wäre. Wissenschaftliche Studien würden nämlich zeigen, dass Geld und dessen Konzept selbstsüchtiges Verhalten fördere. Diese zweite These würde die Banken entlasten, weil damit das Problem der Unehrlichkeit kein branchenspezifisches, sondern eines des ganzen Wirtschaftssystems wäre. Bei der ersten dagegen wäre nicht die Gesellschaft, sondern wären einzig die Banken gefordert.

Mit einer weiteren Umfrage unter Studenten konnten die Forscher die zweite These verwerfen. Die Auswertung habe keinen Hinweis darauf geliefert, dass das Konzept von Geld das Verhalten der Banker erkläre. Die erste Studie liefere jedoch Belege dafür, dass der im Vergleich zu anderen Branchen verstärkt materialistische Fokus der Banken verantwortlich sei für die Unehrlichkeit.

Hippokratischer Eid für Banker

Die drei Studienverfasser fordern darum die Banken auf, ihre Unternehmenskultur zu verändern. «Die Banken könnten ehrliches Verhalten fördern, indem sie die berufsspezifischen Normen verändern», wird Alain Cohn zitiert.

Mehrere Experten und Aufsichtsbehörden würden beispielsweise vorschlagen, dass Bankangestellte einen professionellen Eid ablegen, wie das auch Ärzte tun, schreiben die Forscher. «Würde ein solcher Eid durch entsprechendes Ethik-Training und finanzielle Anreize unterstützt, könnten Bankmitarbeiter dazu gebracht werden, ihren Fokus auf die langfristigen Auswirkungen ihres Verhaltens zu legen statt sich auf ihren eigenen, kurzfristigen Nutzen zu konzentrieren», heisst es weiter.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Sie Angestellten tun das, was ihre Manager vorleben und ungestraft bleiben. Frühre wurde Wert auf Ehrlichkeit gelegt, Heute scheint dieses Wort ein Fremdwort für viele zu sein.
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  • Kommentar von Christophe Bühler, Langnau am Albis
    Wenn beim Datenverkauf/klau die Staatsanwaltschaft schon nicht gegen fahrbare Banker vorgeht, was soll dann bitte ein Eid für Banker bringen. Gier führt zu Unehrlichkeit. Moral kann nur angewandt werden, wenn diese in der Kinderstube erlernt wurde. Banker sind nicht unehrlicher als andere, was soll diese Studie,Papierverbrauch?
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  • Kommentar von Hans Schweizer, Zürich
    Sehr gut, und was ist neu? Die Studie ist eher selber ein Plagiat. Prof. Dan Ariely hat genau solche Experimente mit verschiedenen Gruppierung über Jahrzehnte gemacht und in seinem längst veröffentlichten Buch "the honest truth about dishonesty" über genau das berichtet. http://danariely.com/the-books/ Alle Menschen schummeln wenn sie gelassen werden, tendentiell am meisten die Gutmenschen und die Politiker. Erwähnt die Studie dies? Denke nicht.
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