Bei Apple zeigt die Kurve nach unten

Das iPhone zieht nicht mehr und ein neuer Kassenknüller ist nicht in Sicht: Apple macht erstmals seit 2003 weniger Umsatz. Und auch die Aussichten sind nicht rosig.

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Der Wachstumsmotor von Apple stottert

1:51 min, aus Tagesschau am Mittag vom 27.4.2016
Ausschnitt von einem iPhone vor schwarzem Hintergrund mit dem weissen angebissenen Apfel, dem Firmenlogo von Apple. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die iPhone-Verkäufe machten bisher rund zwei Drittel des Umsatzes von Apple aus. Reuters

Seit Apple 2007 das iPhone auf den Markt brachte, stiegen die Verkaufszahlen von Quartal zu Quartal. Jetzt die Trendwende: In den letzten drei Monaten ist die Nachfrage nach dem Smartphone erstmals zurückgegangen. Apple verkaufte rund 51,2 Millionen iPhones. Das sind 10 Millionen weniger als im selben Quartal vor einem Jahr.

Erster Umsatzeinbruch seit 2003

Das iPhone ist das mit Abstand wichtigste Produkt von Apple. Es bringt dem kalifornischen Konzern rund zwei Drittel der Umsätze ein. Deshalb muss Apple nun erstmals seit 2003 auch eine Umsatzeinbusse hinnehmen. Insgesamt schrumpfte der Umsatz von Januar bis März um 13 Prozent auf 50,6 Milliarden Dollar. Unter dem Strich blieb zwar noch ein Gewinn von 10,5 Milliarden Dollar, das sind aber knapp 23 Prozent weniger als im Vorjahr.

Der Markt reagierte entsetzt, zumal der Konzern für das laufende Quartal mit einem weiteren Umsatzrückgang auf 41 bis 43 Milliarden Dollar rechnet. Analysten hatten sowohl für das zweite als auch für das dritte Geschäftsquartal mit besseren Zahlen gerechnet. Im nachbörslichen Handel brach die Apple-Aktie um acht Prozent ein und kostete erstmals seit Februar weniger als 100 Dollar.

Neuer Kassenknüller fehlt

Apple macht zu schaffen, dass zehn Jahre nach Markteinführung des iPhones viele Menschen weltweit inzwischen ein Smartphone besitzen. Samsung ist zum Marktführer aufgestiegen und auch andere asiatische Konzerne wie Xiaomi, Lenovo und Huawei machen dem Pionier mit immer neuen Modellen Konkurrenz.

Hinzu kommt die Konjunkturabkühlung in China, dem nunmehr zweitwichtigsten Markt für Apple nach den USA. Dass China zudem vor wenigen Tagen den Bücher- und Filmvertrieb des Konzerns verboten habe, steigere die Unsicherheit für Apple dort, sagt SRF-Korrespondentin Priscilla Imboden.

«  Es ist gut möglich, dass der Technologie-Boom bald vorbei sein könnte. »

Priscilla Imboden
SRF-Korrespondentin in San Francisco

Nach dem iPod, dem iPhone und dem Tablet iPad gestaltet es sich für Apple zudem schwierig, einen neuen Umsatzgaranten auf den Markt zu bringen. Die Computeruhr Apple Watch, in die einige Hoffnung gesetzt wurde, scheint es nicht zu sein.

Stellt Apples Baisse gar einen allgemeinen Trend für die Tech-Branche dar? Imboden erklärt, dass vor allem Jungunternehmen im Silicon Valley nicht mehr so stark rentierten. «Risikokapital wird zurückhaltender vergeben und Firmen entlassen auch Angestellte. Es ist also gut möglich, dass der Technologie-Boom bald vorbei sein könnte.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • FOKUS: Der Kultkonzern Apple als Ersatzreligion

    Aus 10vor10 vom 31.3.2016

    Früher waren Apple-Produkte vor allem Liebhaberobjekte von Grafikern. Heute seien sie zu einer Art Lifestyle-Ersatzreligion geworden, sagt der Experte. Über die Zukunft des Konzerns spricht «10vor10» im Studiogespräch mit SRF-Digitalredaktor Jürg Tschirren.

  • Apple zahlt hunderte Millionen Steuern nach

    Aus Echo der Zeit vom 30.12.2015

    Nach Ermittlungen wegen Steuerbetrugs drückt der Technologie-Konzern den italienischen Steuerbehörden 318 Millionen Euro in die Hand. Italien beschuldigt Apple, Einnahmen von mehr als einer Milliarde Euro verschwiegen zu haben.

    Ein Urteil mit Signalwirkung? Einschätzungen von ARD-Italien-Korrespondent Nikolaus Nützel.

    Samuel Wyss