Bernanke schickt SMI auf Talfahrt

Die Schweizer Börse kannte heute nur einen Trend: den Abwärtstrend. Schuld an den Kursverlusten waren Ankündigungen der US-Notenbank. Die will nicht weiter billiges Geld in den Markt pumpen. Die Börsianer gerieten darüber in Panik. Doch dazu besteht eigentlich gar kein Anlass.

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Gute Aussichten: SMI sackt dennoch massiv nach unten

1:29 min, aus Tagesschau vom 20.6.2013

Die Furcht vor einer strafferen Geldpolitik der USA hat die Schweizer Börse auf Talfahrt geschickt. Der Leitindex SMI sackte um 3,1 Prozent auf 7496 Punkte ab. Das ist der tiefste Stand seit Ende März. Alle 30 wichtigsten Titel schlossen im negativen Terrain.

Über Monate hatte die Geldschwemme der Notenbanken den Börsen kräftig Auftrieb verliehen. Der Chef der US-Zentralbank, Ben Bernanke, hatte gestern signalisiert, die milliardenschweren Anleihekäufe bis Mitte 2014 zu beenden.

Der Zeitpunkt hänge letztlich von der Entwicklung des Arbeitsmarktes ab. Der überraschend gute US-Konjunkturbericht verstärkte die Furcht der Anleger vor einem baldigen Versiegen der Geldquelle.

«Börsianer geraten in Panik»

«Die Märkte sind derart stark von den Liquiditätsspritzen der Zentralbanken abhängig, dass schon ein leichtes Zudrehen des Geldhahns die Kurse massiv belastet», sagte ein Händler.

«Die Börsianer sehen sich damit des künstlichen Brennstoffs beraubt, der die Börsen bisher am Laufen gehalten hat, und geraten in Panik», sagte dazu SRF-Wirtschaftsredaktor Martin Stucki.

SMI-Schwergewichte geraten ins Taumeln

Alle Standardwerte rutschten ins Minus – und das zum Teil kräftig. An die Spitze setzten sich – belastet von schwachen Exportzahlen – die Aktien der beiden Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch mit jeweils 5,2 Prozent Abschlag. Auch die Titel anderer stark exportorientierter Firmen fielen um drei Prozent und mehr.

Unter die Räder kamen die Bankaktien. Credit Suisse fielen um 4,2 Prozent und UBS sanken um 3,1 Prozent. Keine Stütze für den Markt waren die als krisenfest geltenden Schwergewichte. Novartis und Roche büssten 2,9 beziehungsweise 3,6 Prozent ein. Die Aktien von Nestle fielen um 2,1 Prozent.

Börsenjahr könnte für Anleger turbulent werden

«Der Crash heute kam zustande, weil es der US-Wirtschaft zu gut geht», sagt Martin Stucki. Dabei brauche die amerikanische Ökonomie das künstliche Notenbankgeld, den künstlichen Brennstoff, eigentlich nicht mehr. Deshalb könne man davon ausgehen, dass aus dem künstlichen Brennstoff schon bald richtiger Brennstoff werde, der die Aktienmärkte befeuere.

Abschreiben will der SRF-Wirtschaftsredaktor das Börsenjahr deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil, «es wird sicher noch turbulent».