Börsen-Talfahrt: China zieht Notbremse

China muss erneut den Wertpapierhandel nach kurzer Zeit aussetzen. Trotz massiver Interventionen kann die Regierung die Aktienmärkte nicht beruhigen. Die Sorge um die zweitgrösste Volkswirtschaft zieht auch andere Märkte herunter. Chinas Börsen sind wieder in den Keller gesackt.

Video «Neuer Kursrutsch an Chinas Börsen» abspielen

Neuer Kursrutsch an Chinas Börsen

3:08 min, aus Tagesschau vom 7.1.2016

Nach dem zweiten Kursrutsch in dieser Woche wurde der Börsenhandel im Reich der Mitte am heutigen Donnerstag erneut für den Rest des Tages ausgesetzt.

Zusatzinhalt überspringen

Handel nicht mehr stoppen

Die chinesische Börsenaufsicht CSRC will den Handel künftig bei Kursschwankungen nicht mehr automatisch aussetzen. Der Mechanismus habe nicht den gewünschten Effekt gehabt, heisst es in einer Mitteilung der CSRC vom Donnerstag. Allerdings weist die Behörde auch darauf hin, dies sei nicht der Hauptgrund für den Börsensturz gewesen.

Die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen waren zuvor um mehr als sieben Prozent gefallen. Es war mit 30 Minuten der kürzeste Handelstag in der 25-jährigen Geschichte der Aktienmärkte Chinas. Die neuen Turbulenzen und die Sorgen um den Zustand der zweitgrössten Volkswirtschaft haben diese Woche weltweit Schockwellen ausgelöst.

Schutzmechanismus greift

Wie am Montag kam erneut der zum Jahresanfang eingeführte Schutzmechanismus zum Zuge, der bei einem Kursrückgang um mehr als fünf Prozent erst eine 15-minütige Unterbrechung und dann bei einem Minus von mehr als sieben Prozent einen völligen Abbruch des Handels vorsieht. Die Messlatte für diese Art Notbremse ist der China Securities Index (CSI) mit 300 führenden Werten an beiden Börsen.

Nach dem Einbruch zum Wochenanfang hatte die chinesische Regierung Milliarden in den Markt gepumpt. Auch wurden neue Massnahmen angekündigt, um die Kurse zu stützen, was zunächst auch kurzfristig gelungen war. Doch fehlt das langfristige Vertrauen der Anleger.

Chinesische Währung schwächelt

Auch gibt es neue Irritationen über die anhaltende Abschwächung der chinesischen Währung gegenüber dem US-Dollar. Der Yuan fiel am Donnerstag mit einem Kurs von 6,5646 auf den niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren. Die Kursschwäche weckt Sorgen um eine wachsende Kapitalflucht aus China. Die Unsicherheiten in China, der jüngste Atomtest in Nordkorea und die Spannungen zwischen den wichtigen Ölförderländern Iran und Saudi-Arabien hatten am Mittwoch auch die Wall Street ins Minus gedrückt. Die Unterbrechung des Handels in China am Donnerstag belastete auch wieder die Börse in Tokio.

Angesichts der Turbulenzen plant die chinesische Wertpapieraufsicht nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg, das seit einem halben Jahr geltende und Freitag auslaufende Verkaufsverbot für einige Grossinvestoren zu verlängern. Zuvor hatten die Aufseher schon angekündigt, «neue Massnahmen» ergreifen zu wollen, die einen massiven Verkauf von Aktien «unwahrscheinlich» machen sollen.

Milliardenschwere Geldspritzen

Die Zentralbank pumpte diese Woche über sogenannte Reverse-Repo-Geschäfte so viele Milliarden in den Markt wie seit September nicht mehr. Dabei kauft die Notenbank Wertpapiere, wobei sie sich verpflichtet, diese zu einem vereinbarten Preis zu einem bestimmten Termin rückzuübertragen. Mit Stützungskäufen halfen auch staatlich kontrollierte Fonds, die Kurse wieder in die Höhe zu treiben.

Ölpreis auf Tiefflug - trotz Krise am Golf

4:40 min, aus SRF 4 News aktuell vom 07.01.2016

Nach einem spekulativen und häufig auch kreditfinanzierten Boom an den chinesischen Aktienmärkten seit 2014 waren die Kurse im vergangenen Sommer eingebrochen. Seitdem gibt es eine Berg- und Talfahrt, während die Regierung mit massiven Interventionen verzweifelt versucht, die Märkte zu stabilisieren.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel