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Elon Musks Weltraumunternehmen Ökonom zu Börsengang von SpaceX: «Es ist hochspekulativ»

SpaceX steht vor dem wohl grössten Börsengang aller Zeiten. Thorsten Hens erklärt, ob die Erwartungen berechtigt sind.

Elon Musk geht mit seinem Weltraumunternehmen SpaceX an die Börse. Es könnte der grösste Börsengang werden, den es jemals gab. Ökonom Thorsten Hens erklärt, wie realistisch die hohe Bewertung ist und ob die Erwartungen berechtigt sind.

Thorsten Hens

Professor für Finanzökonomie, Universität Zürich

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Thorsten Hens ist Finanzökonom, der als Professor an der Universität Zürich sowie an weiteren Hochschulen tätig ist und sich auf Behavioral Finance und evolutionäre Finanztheorie spezialisiert hat. Er hat über achtzig Fachartikel und mehr als zehn Bücher veröffentlicht und mehrere finanzwissenschaftliche Initiativen und Spin-offs mitgegründet. Zudem berät er Pensionskassen, Versicherungen und Banken und tritt regelmässig auf Fachkonferenzen auf.

SRF: SpaceX verdient vor allem mit Frachtflügen ins All und Satellitentelefonie Geld. Unter dem Strich schreibt es aber einen Riesenverlust. Und trotzdem strebt Elon Musk eine Börsenbewertung von 2 Billionen US-Dollar an. Wie passt das zusammen?

Thorsten Hens: Es hört sich verrückt an bei so hohen Verlusten. Aber die Fantasien sind noch sehr viel grösser – die Hoffnung, dass man viel Geld verdienen kann. Auch mit Künstlicher Intelligenz und der Infrastruktur dafür.

Und wie realistisch ist denn so eine 2-Billionen-Dollar-Bewertung?

Das ist Fantasie, würde ich sagen. Es ist wie ein Lotteriespiel: Es kann klappen oder auch nicht. Aber es ist hochspekulativ.

Es ist eine hochspekulative Mischung

Wie kommt dieser Hype zustande?

Da ist alles drin, was man in einem Lehrbuch so findet – der Himmel, das All, die Firma SpaceX, eine Person wie Elon Musk und dann der KI-Hype. All diese Dinge werden zusammengemischt, wie wir das immer wieder gesehen haben, auch in der Dotcom-Blase. Wenn solche Dinge zusammenkommen, gibt es eine explosive Mischung.

Silhouette einer Rakete vor orangefarbenem Abendhimmel.
Legende: Von der texanischen Stadt Starbase aus fliegt SpaceX seine Raketentests (20. Mai 2026). Keystone / Eric Gay

Es machen aber nicht nur Weltraumfreunde mit. Eine riesige Summe Geld soll mit dem Börsengang aufgenommen werden. Wer gibt Geld? Und wieso lassen sie sich darauf ein?

Bei einem IPO gibt es eine Zuteilung. Es ist die Frage, ob man gute Beziehungen zu einer Investmentbank hat. Sicherlich werden die grossen Player eine Zuteilung bekommen, also die grossen Private-Equity-Firmen wie Blackstone und Partners Group und vielleicht auch die einen oder anderen institutionellen Investoren. Sie hoffen auf fantastische Gewinne, die da entstehen können.

Aber es ist hochspekulativ, sagen Sie. Wieso machen die Grossen trotzdem mit?

Die Grossen haben auch ein Risikomanagement, sie werden nicht alles auf eine Karte setzen. Sie machen auch mit, weil es peinlich wäre, wenn der Konkurrent gewinnt und man leer ausgeht. Also die «fear of missing out», die Angst, etwas zu verpassen.

Man könnte aus der Geschichte lernen

Die Erwartungen sind riesig. Welche Beispiele gibt es, in denen das gut ging oder auch nicht? Und weshalb?

Die letzte grosse Phase dieser Art gab es Ende der 1990er Jahre, die erwähnte Dotcom-Blase. Damals sind viele Firmen entstanden, die es jetzt noch gibt: Amazon, Ebay und so weiter. Bei ihnen ist es gut gegangen. Aber es gab auch viele, die wir schon vergessen haben, wie «VA Linux Systems» und «Money, Money, Money», die sich wieder aufgelöst haben. Das ist der sogenannte «Survivorship Bias»: Wir sehen die, die es noch gibt, und wir haben vergessen, welche nicht erfolgreich waren.

Das heisst, man kann aus der Geschichte lernen. Inwiefern spielen bei solchen Börsengängen wie SpaceX die vergangenen gescheiterten Börsengänge eine Rolle?

Leider relativ wenig. Ja, aus der Geschichte könnte man lernen, aber ich habe den Eindruck, jede Generation will ihre eigene spekulative Blase haben und diese Erfahrung selbst noch mal machen. Obschon in den Lehrbüchern seit vielen Jahrzehnten steht, wie solche Mechanismen laufen.

Das Gespräch führte Sina Freiermuth.

Tagesschau, 21.5.2026, 19:30 Uhr ; 

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