Busreisen legen Kaffeefahrten-Image ab

Von Zürich nach München oder von Bern nach Rom: Reisen im Bus werden immer beliebter. Viele Carunternehmen investieren in neue Fahrzeuge und Reiseangebote, um die Fahrten im Bus attraktiver zu machen. Das Reiseunternehmen Knecht eröffnet heute bei Brugg einen grossen Bus-Terminal.

Wer günstig und mit wenig Risiko reisen möchte, der sitzt im Bus richtig. Und diese Kundengruppe wächst «langsam aber stetig», sagt Christian Laesser. Er ist Professor für Tourismus-Management an der Universität St. Gallen.

Vier Eurobusse auf einem schneebedeckten Parkplatz in der Lenzerheide. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Reisecars werden als Alternative zu Flugzeug, Zug oder dem eigenen Auto immer attraktiver. Keystone

Busreisen würden einem wachsenden Bedürfnis einer immer älter werdenden Bevölkerung entsprechen. «Die Demographie spricht für Busreisen und in der Tendenz weniger für Bahnreisen», sagt Laesser.

Thomas Knecht ist Verwaltungsratspräsident der Knecht-Reisegruppe. Er bestätigt, dass die Eurobus-Flotte Marktanteile gewinnt – auf Kosten der Bahn und des Flugverkehrs.

SBB mit eigener Verbindung nach München

Buslinien von privaten Unternehmen in die grossen europäischen Städte gibt es ab Zürich schon lange. Nun hat auch die SBB das Geschäft mit den Busreisen für sich entdeckt. Sie bietet neu eine Busverbindung von Zürich nach München an.

Wegen des wachsenden Busgeschäftes sei die Bahn nun doppelt unter Zugzwang, sagt Laesser. Einerseits entstehe mit Blick auf die Geschwindigkeit und die Preise der Flüge Druck. Andererseits würden die Menschen mit ein bisschen mehr Zeit und kleinem Budget auch immer öfter Busangebote finden.

Praktisch für Schnäppchenjäger mit viel Zeit

Neben den Ort-zu-Ort-Verbindungen sieht Knecht auch ein wachsendes Interesse der Kunden an günstigen Rundreisen. Es gebe Leute, die suchten preisgünstige Angebote, die ihnen für wenig Geld viele Reiseerlebnisse ermöglichten.

Busunternehmen buhlen um Passagiere

2:18 min, aus HeuteMorgen vom 28.03.2014

So gibt es beispielsweise für knapp 1000 Franken eine sechs-Tage-Rundreise durch Slowenien. Entlang der Küste im Norden der Adria geht die Fahrt zur Burg von Ljubljana, weiter durch die Naturparks des Landes und zurück in die Schweiz.

Auf das wachsende Interesse an Busreisen reagierte vor acht Jahren bereits die Konkurrenz: Das Reiseunternehmen Twerenbold baute 2006 in der Nähe von Baden einen Busterminal. Mit dem neuen Reisezentrum von Knecht bei Brugg buhlen im Aargau nun also schon zwei grosse Busunternehmen um Passagiere.