Cargo-Krieg: SBB schnappt BLS Auftrag weg

Die Politik hat sich zum Ziel gesetzt: Gütertransporte sollen von der Strasse auf die Schiene. Doch die Branche konkurriert sich. Die BLS Cargo erleidet einen Dämpfer im Kampf um die Gotthard-Strecke. Ausgerechnet Konkurrent SBB Cargo schnappt ihr einen Grossauftrag für den Gütertransport weg.

Alpenquerender Güterverkehr 1981-2011 Die Grafik zeigt die Gütermenge nach Verkehrsträger: Schiene / Strasse

Bei den Verhandlungen um einen Gütertransport-Grossauftrag durch den Gotthard hatte die SBB bessere Karten: Ab 2014 führt sie für das deutsche Transportunternehmen DB Schenker 5000 bis 6000 Züge über die Gotthardstrecke. Bei BLS Cargo gehen bis zu 80 Stellen verloren.

Das Bahnunternehmen gab bekannt, dass die Verhandlungen mit Schenker gescheitert seien. BLS Cargo habe darauf verzichtet, eine nicht kostendeckende Offerte für den Auftrag abzugeben. «Wie die SBB Cargo ihre Preise kalkuliert, weiss ich nicht», sagte Bernard Guillelmon, BLS-Konzernchef, zur «Tagesschau». 

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BLS verliert grössten Kunden

4:00 min, aus Tagesschau vom 2.4.2013

SBB braucht neue Lokführer

Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr 1,85 Millionen Franken Verlust geschrieben. Schon 2013 wolle man im Gütertransport wieder schwarze Zahlen schreiben, sagte Dirk Stahl. Er ist Cargo-Chef bei der BLS-Gruppe. Es sei aber unabdingbar, die «tiefgreifenden Rentabilitätsprobleme» am Gotthard zu bereinigen. Durch den Verlust des Schenker-Auftrags büsst BLS Cargo nun zwar Transportvolumen ein, hofft aber, gleichzeitig die Rentabilität zu verbessern.

Allerdings fallen dadurch auch 70 bis 80 Stellen weg – davon bis zu 60 Lokführerstellen. Ob die betroffenen Angestellten bei der SBB untergebracht werden können, ist ungewiss. Für diese kommt der Grossauftrag gelegen: «Wir haben einen Überbestand an Lokpersonal im Tessin», sagte Christian Ginsig. Das Personal könne nun besser ausgelastet werden, führte der SBB-Sprecher weiter aus.

Es müssten aber auch neue Lokführer angestellt werden. Wann immer möglich, werde Personal der BLS Cargo bei Stellenbesetzungen berücksichtigt, sagte Ginsig. Wie viele neue Stellen geschaffen werden, konnte der er aber noch nicht sagen.

 Zerrüttete Partnerschaft

SBB Cargo rechnet damit, ihr Ergebnis dank des Grossauftrags von Schenker verbessern zu können. Mit den Konditionen der SBB konnte BLS Cargo nicht mithalten. Sie macht das generell tiefe Preisniveau, eine überproportionale Steigerung der Trassenpreise auf der Gotthardachse sowie den ungünstigen Wechselkurs zum Euro für die fehlende Rentabilität verantwortlich.

Die BLS Cargo AG besteht seit zwölf Jahren. Zu 52 Prozent gehört sie der BLS, pikanterweise hält aber auch der Schweizer Ableger der DB Schenker 45 Prozent des Aktienkapitals. Darüber, wie es mit der Partnerschaft nach dem Wechsel von Schenker zur SBB weitergeht, wollen beide Seiten «ergebnisoffen» diskutieren, wie BLS-Chef Bernard Guillelmon erklärte.

Hoffnung ruht auf dem Basistunnel

In den letzten Jahren hat die Schiene gegenüber der Strasse verloren. Doch das politische Ziel ist die Verlagerung der Güter von der Strasse auf die Bahn. Kann dieses Ziel überhaupt noch erreicht werden?

Für SRF-Wirtschaftsredaktor Charles Liebherr ist klar: «Diese Hoffnung ist sehr stark an die Eröffnung des Basistunnels am Gotthard gekoppelt.» Das System «Schiene» werde mit dem Bauwerk schneller, flexibler und etwas billiger. Dies müsse der Schienen-Güterverkehr jetzt nutzen.

«Das bedingt aber auch einen Innovationsschub, schlanke Strukturen und schnellere Umladezeiten.» Um dies zu erreichen, müssten beide Anbieter kräftig zulegen – insbesondere gegenüber der ausländischen Konkurrenz. «Das ist die ganz grosse Herausforderung auf der Nord-Süd-Achse», sagte Liebherr.