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Wirtschaft Chemie-Wende: Könnten Pflanzen dereinst das Erdöl ersetzen?

Wichtiger als die Wende von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbarer Energie sei die Abkehr von Erdöl als Basis der chemischen Industrie, sagt ein Chemiker. Bereits heute werden etwa Farben und Lacke aus pflanzlichen Stoffen hergestellt. Die Industrie hat aber kein Interesse an einer Chemiewende.

Ein Bottich mit einer schwarzen Flüssigkeit
Legende: Bei der Herstellung von pflanzlichen Kunststoffen fallen wesentlich weniger schädliche Reststoffe an. SRF

Eigentlich sei es noch viel dringender, in der Chemie vom Erdöl weg zukommen als bei der Energieversorgung, sagt der deutsche Chemiker und Unternehmer Hermann Fischer. Denn bei der Verbrennung von Erdöl zur Energiegewinnung entstehe «nur» Kohlendioxid: «Wenn ich Chemie betreibe, wird aus dem Erdöl etwas viel schlimmeres. Da entstehen schwer abbaubare Reststoffe.»

Pflanzliche Grundstoffe als Alternative?

Hermann Fischers Firma Auro im norddeutschen Braunschweig produziert seit 30 Jahren Farben, Klebstoffe und Reinigungsmittel aus rein pflanzlichen Grundstoffen – mit Erfolg. Solche pflanzlichen Grundstoffe könnten die fossilen theoretisch in allen andern Bereichen ersetzen, ist Fischer überzeugt. Konkretes Beispiel: der Linoleumbelag – ein Naturprodukt.

Ähnlich würden bereits heute im Auto- und Flugzeugbau Leichtbauteile aus Pflanzenfasern verwendet. Eine Chemie, die Stoffe aus Pflanzen nutzt und wo nötig behutsam umwandelt, wäre auch anders organisiert. Weil die Produktionsschritte weniger aufwändig und die Grundstoffe – anders als das Erdöl – überall auf der Welt vorhanden sind, würde lokaler produziert und verbraucht. Multinationale Chemie-Unternehmen verlören an Bedeutung.

Linoleum-Böden
Legende: Linoleum-Böden werden aus rein pflanzlichen Grundstoffen hergestellt. SRF

Für Industrie ist Erdöl «unverzichtbar»

In der chemischen Industrie selbst stösst die Vision, die Fischer in einem Bestseller-Buch verbreitet, auf wenig Gegenliebe. Bild in Lightbox öffnen. «In sämtlichen Alltagsgegenständen finden Sie fossile Grundstoffe – etwa in Kunststoffen oder Waschmitteln», sagt Marcel Sennhauser, Medienverantwortlicher von scienceindustries, dem Verband der Chemie und Pharma-Unternehmen in der Schweiz.

Auf fossile Grundstoffe könne man deshalb nicht verzichten. Die Industrie setze deshalb auf mehr Effizienz. Mit neuen Technologien wolle man aus gleich viel Erdöl beispielsweise mehr Kunststoff produzieren.

Natur-Kunststoffe zu teuer

Weiter auf Erdöl zu setzen sei falsch, findet demgegenüber auch Chemiker Roger Alberto von der Universität Zürich. Er stimmt Hermann Fischer in seiner Forderung nach einer Chemie-Wende zu. Dass pflanzliche Grundstoffe fossile heute bereits ersetzen können, das glaubt Alberto allerdings nicht: «Die Chemie dahinter ist noch ungenügend entwickelt – oder existiert gar nicht. Und wenn sie existiert, dann ist sie zu teuer.»

Zielführender ist es aus Roger Albertos Sicht die Chemie der Pflanzen nachzuahmen, insbesondere die Photosynthese. Genau das versucht er zurzeit mit einer Gruppe von Forschern.

Pflanzenchemie aus dem Labor oder direkt aus der Natur: Bestrebungen, die Chemie vom Erdöl unabhängiger zu machen, sind also im Gange. Seit der Jahrtausendwende fliessen bedeutend mehr Forschungsgelder in diese Richtung. Eine radikale Wende in der Produktion – ähnlich derjenigen im Energiebereich – ist aber nicht in Sicht.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Mit 100% Sicherheit . Jede Pflanze besitzt Fettstoffe mit denselben Kohlenstoffketten wie Erdöl .
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    @ Schweizer: Natuerlich koennen auch "gute" Lebensmittel im "Tank" gezuechtet werden.. zB TVP (textilated vegetable protein) etc, (hats gegeben, hab selber probiert.. ) aber ist DAS erstrebenswert? Eine uebervoelkerte ausgeraubte Welt und hemmungsloses Wachstum der Verbetonierung.. Eigentlich sollte ECOPOP fuer die ganze Welt gelten.. aber es haben ja alle Angst vor Stagnation und wirtschaftlichem Rueckgang, dabei, man koennte damit komfortabel leben, LEBEN!!!!
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Im Ansatz gut aber mit dieser Masse von Menschen schlecht realisierbar.. wo fuer energie angepflanzt wird kommt die Nahrung zu kurz.. eine Zwickmuehle der unbegrenzten Vermehrung dank!
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    1. Antwort von Gerhard Schweizer, Bern
      Gott sei Dank haben sie nicht noch geschrieben u. darum Ja zu Ecopop, weil die schweizer Verhüterlis die Welt retten werden. Warum immer dieser Pessimismus? Bereits wird in kleinen Versuchsanlagen Diesel aus Algen hergestellt. Auch bei den Forschern hat sich herumgesprochen, dass man nicht endlos Ackerflächen verschwenden kann. Mit miesepetrigen Gedanken kommt die Welt nicht weiter! In SA gibt es "Fliegenfarmen", wo mit Abfall aus den Maden Protein z.B. für Fischzuchten produziert wird. Clever!
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