Chinas Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf

Aus China kommt Hoffnung für die lahmende Weltwirtschaft. Neue Stimmungsdaten aus den Industriebetrieben der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt geben klare Hinweise: Die Konjunktur gewinnt wieder an Schwung.

In einem chinesischen Hafen wird die Ladung eines Containerschiffes gelöscht. (reuters) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Steigende Exporte tragen in China zu einer besseren Stimmung in der Wirtschaft bei. Reuters

Diese Aussicht sorgt nicht zuletzt in der Eurozone für Hoffnung, dass die Konjunktur wieder etwas an Schwung gewinnt und das Tal der Rezession im nächsten Jahr verlassen könnte.

Wachstumsraten über 10 Prozent

Chinas Wirtschaft war im dritten Quartal um 7,4 Prozent gewachsen. Was für europäische Verhältnisse geradezu paradiesisch anmutet, gilt für chinesische Massstäbe als schwach. Bis Ende 2011 lagen die Wachstumsraten über viele Jahre meistens bei 10 Prozent oder darüber. Zuletzt hatte Chinas Regierungschef Wen Jiabao Optimismus verbreitet, als er auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei sagte: «Chinas Wirtschaft hat begonnen sich zu stabilisieren.»

Neue Konjunkturdaten untermauern den Optimismus der Staatsführung in Peking: Erstmals seit mehr als einem Jahr ist die Stimmung in der Industrie wieder über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gestiegen. Der wichtige Einkaufsmanagerindex, ermittelt von der Grossbank HSBC, stieg im November um 0,9 Punkte auf 50,4 Zähler. Werte über der Expansionsmarke liefern Hinweise auf ein Wachstum im verarbeitenden Gewerbe.

Chinas Wachstum gebremst

3:17 min, aus DRS 4 aktuell vom 13.04.2012

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Für Experten der deutschen Privatbank Metzler sind steigende Exportaufträge eine Ursache für die Stimmungsaufhellung. Allerdings sei noch nicht klar, wie stark die Auswirkungen auf die lahmende Weltkonjunktur seien. «Das Wachstum der Weltwirtschaft bleibt nach wie vor fragil», sagte auch HSBC-Experte Qu Hongbin. Auch darf nicht vergessen werden: Die Konjunkturerholung dürfte zu einem guten Teil auf die sehr expansive Geldpolitik der chinesischen Notenbank zurückgehen.

Bei aller Zuversicht angesichts der jüngsten Daten gilt dennoch das Sprichwort: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Trotz der Stimmungsaufhellung in den chinesischen Industrieunternehmen liegt der wichtige Indikator nach wie vor deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt.

Noch ist nicht klar, ob es sich bereits um eine generelle Trendwende handelt, oder ob sich nur die Vorfreude der Unternehmen auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft zeigt. So mahnte auch Experte Frederik Kunze von der NordLB zur Vorsicht: «Die Erholung im Reich der Mitte befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium.»