Crevetten made in Switzerland

Schon bald werden in der Schweiz Crevetten kommerziell gezüchtet. Die Solothurner Firma Swiss Shrimps hat einen Versuchslauf abgeschlossen und plant nun eine Shrimp-Farm, in der ab 2017 jährlich 30 Tonnen Crevetten auf faire Weise produziert werden sollen. Ein Augenschein.

Symbolbild: Ein Verkäufer hinter einer Glastheke mit einer Hand voll oranger Shrimps. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schon bald sollen auch Crevetten aus der Schweiz in den Handel gelangen. Keystone

Tausende Shrimps schweben in den sieben Becken in der ersten Shrimps-Zucht der Schweiz. Im Dezember wurden die drei Millimeter kleinen Larven ausgesetzt. Nun sind die Tiere so gross wie ein Kugelschreiber und daumendick. Es ist Erntezeit. Sechs Jungunternehmer um Rafael Waber haben die Firma gegründet. Ihr Ziel: die kritischen Konsumenten.

Man wolle eine frische Delikatesse produzieren, bei welcher der Konsument auch nachfragen könne, wie sie produziert werde. «Damit der Konsument Transparenz hat», so Waber.

Bedürfnis nach fair und sauber produzierten Shrimps

Dafür könnte tatsächlich eine Nachfrage bestehen, denn die Zuchtbedingungen in Asien sind katastrophal, wie Susanne Hagen von der Organisation Fair Fish erläutert. «Es gibt sehr viele ausgesprochen schlechte Zuchten.» Dies betreffe sowohl die Ökologie – Stichwort Antibiotika-Einsatz – als auch die Arbeitsbedingungen auf den Shrimp-Farmen im Ausland.

Deshalb begrüsst Hagen es, dass jemand versucht, in der Schweiz Crevetten grosszuziehen. Einen Vorbehalt hat sie allerdings: «Die Crevetten sind nicht dem Tierschutz unterstellt.» Damit bestehe für den Kantonstierarzt keine Möglichkeit, zu überprüfen, ob die Tiere artgerecht gehalten werden. Eine Petition von Fair Fish soll hier Abhilfe schaffen.

Schon bald gibts tonnenweise Shrimps aus der Schweiz

2:29 min, aus SRF 4 News aktuell vom 20.08.2015

Neue Zuchtanlage im Aargau

Die Crevettenzüchter aus Solothurn schliessen ihren Versuch nun ab. 200 bis 300 Kilogramm Shrimps ernten sie in diesen Tagen. Dann bauen sie im Kanton Aargau eine neue Zucht auf. Dort können sie die Abwärme eines Industriebetriebs nutzen. Vorerst sollen 30 Tonnen Shrimps pro Jahr produziert werden. «Wir hoffen, diese Anlage nach und nach auf eine Menge von 60, 90 und vielleicht sogar 120 Tonnen Shrimps pro Jahr auszubauen», sagt Firmen-Mitgründer Waber.

Bei einem schweizweiten Crevettenkonsum von 9000 Tonnen pro Jahr ist das zwar nicht sehr viel. Aber die jungen Shrimps-Produzenten hoffen, dass sich ihre «Shrimps made in Switzerland» zu einem etwas höheren Preis gut verkaufen lassen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Shrimps made in Switzerland

    Aus 10vor10 vom 2.2.2015

    Ein Kilo Shrimps essen Schweizerinnen und Schweizer durchschnittlich im Jahr. Doch die Crevetten-Produktion ist wegen vergifteten Böden, in ihren Exkrementen liegenden Tieren und prekären Arbeitsbedingungen in Verruf geraten. Nun will eine Firma in der Schweiz die faire Zucht angehen.

  • Salmonellen in Crevetten: Kein guter Fang

    Aus Kassensturz Espresso vom 10.9.2013

    «Kassensturz» hat zwölf verschiedene Crevetten-Produkte untersuchen lassen. Erschreckend: In drei Proben wurden Salmonellen oder andere gefährliche Erreger gefunden. Betroffen ist unter anderem die Marke «Pelican» von Migros. Experten raten bei Crevetten in der Küche zu Vorsichtsmassnahmen.

    Philippe Odermatt

  • Listerien: Migros ruft Crevetten zurück

    Aus Kassensturz Espresso vom 23.2.2012

    Wieder Listerien-Alarm bei der Migros: Nachdem vor drei Wochen Quorn-Produkte zurückgerufen werden mussten, sind jetzt Crevetten von den krankheitserregenden Bakterien befallen.

    Die krankheitserregenden Listerien seien bei einer Migros-internen Stichprobenkontrolle in gekochten Zucht-Crevetten «Tail-on» aus Indonesien gefunden worden. Dies teilt die Migros mit. Die betroffenen 500 Gramm-Packungen tragen die Migros-Artikelnummer 2514.008.000.00.

    Aus Sicherheitsgründen rufe Migros nun alle Crevetten in 500 Gramm-Schalen zurück, wie die Migros-Sprecherin Monika Weibel erklärt. Der Grossverteiler fordert die Kunden auf, die Schalentiere nicht mehr zu essen. Die befallenen Crevetten waren in allen grösseren Filialen im Angebot und weisen folgende Datierungen auf:

    Philip Kempf