Trotz tiefem Ölpreis Das Fracking erlebt einen neuen Boom

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Produktionskosten sinken weiter

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Ölproduktion in den USA steigt weiter an – vor allem dank der Fracking-Methode.
  • Weil deren Produktivität stark gestiegen ist, gewinnt das daraus gewonnene Schieferöl an Bedeutung.
  • Der Ölpreis dürfte deshalb eher tief bleiben, auch wenn die Opec ihre Föderbeschränkung aufrecht erhält.
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Cornelia Meyer

Die Ökonomin Cornelia Meyer

Die Schweizerin Cornelia Meyer ist unabhängige Beraterin und Energieexpertin mit eigener Firma in London. Nach ihrem Studium an der Hochschule Sankt Gallen und der London School of Economics hatte sie jahrelang in der Ölindustrie gearbeitet.

SRF News: Die Opec-Länder versuchten in den letzten Jahren, die Fracking-Firmen in den USA in den Ruin zu treiben, indem sie den Ölpreis mittels Überproduktion tief hielten. Wieso hat das nicht funktioniert?

Cornelia Meyer: Tatsächlich haben die Opec-Staaten mit ihrer Strategie viele kleine Fracking-Firmen in den USA aus dem Markt gedrängt. Betroffen waren hoch verschuldete Unternehmen, die mit den tiefen Ölpreisen nicht mehr gewinnbringend arbeiten konnten. Sie wurden in vielen Fällen aber von grossen Ölproduzenten wie Chevron und Exxon übernommen. Inzwischen hat die Opec ihre Strategie geändert und ihre Produktionsmenge um 1,8 Millionen Fass pro Tag gedrosselt. Der Ölpreis stieg in der Folge etwas an und damit wurde auch die Förderung mittels Fracking in den USA wieder rentabler. Ausserdem konnten die Fracking-Firmen ihre Produktivität in der Zeit des tiefen Ölpreises um rund drei Prozent pro Monat steigern.

Sind neben der gesteigerten Produktivität auch bei der Fracking-Technologie Fortschritte gemacht worden?

Die Technologie des Frackings wurde bereits in den 1940er-Jahren erfunden – und sicherlich gibt es dabei bis heute laufend kleine Fortschritte. Doch viel wesentlicher war die Produktivitätssteigerung der vergangenen Jahre – etwa, indem die Ablaufprozesse verbessert wurden. Dafür sind nicht zuletzt die grossen Erdölfirmen verantwortlich, welche bei der Schieferöl-Produktion inzwischen eine wichtige Rolle spielen. Grosse Firmen sind gut darin, ihre ganzen Möglichkeiten auszuschöpfen und die Produktivität zu steigern.

«  Mit halb so vielen Bohrtürmen wird heute gleich viel Fracking-Öl produziert wie 2014. »

Heute sind in den USA nur noch halb so viele Fracking-Anlagen in Betrieb wie 2014. Warum ist das so?

Dank der Produktivitätssteigerung kann man jetzt mit der Hälfte der Bohrtürme gleich viel Erdöl produzieren, wie 2014 mit doppelt so vielen. Weil die grossen Erdölfirmen viele kleine übernommen haben, gibt es ausserdem viel weniger Fracking-Firmen. Während etwa Exxon 2014 noch kein einziges Fass Öl mittels Fracking produziert hatte, fördert das Unternehmen in Texas jetzt jedes fünfte Fass auf diese Weise. Die grossen Firmen sind auch deshalb ins Fracking eingestiegen, weil sie in den Jahren während der hohen Ölpreise kaum in die konventionelle Erdölproduktion investiert hatten. Deshalb fürchten sie nun, an Grenzen zu stossen, falls sie mal mehr Erdöl produzieren müssten. Denn Investitionen in die konventionelle Erdölproduktion führen erst nach 3 bis 10 Jahren zur Förderung von Öl, beim Fracking dauert das bloss 6 bis 18 Monate. Die Anlaufzeit beim Fracking ist also wesentlich kürzer als bei konventionellen Ölbohrungen.

Erwarten Sie, dass der Fracking-Boom weitergeht und sogar noch wichtiger werden könnte?

Derzeit macht das Fracking-Öl aus den USA etwa 4 bis 6 Prozent am Ölmarkt aus. Der Anteil könnte womöglich auf 10 bis 12 Prozent steigen, mehr dürfte es aber nicht werden. Allerdings könnte die Fracking-Methode auch in anderen Ländern wie Argentinien, Russland oder Algerien verstärkt angewendet werden, was den Fracking-Anteil am insgesamt produzierten Erdöl weiter erhöhen würde.

Das Gespräch führte Susanne Schmugge.