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Öl-Bohrtürme vor der aufgehenden Sonne, davor ein Ölfeld. Aufgenommen in Baku (Aserbaidschan).
Legende: Die fetten Jahre in der Ölindustrie sind vorerst vorbei – es herrscht Krisenstimmung. Reuters
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Wirtschaft Das schwarze Gold glänzt nicht mehr

Der Erdölpreis hat sich seit gut einem Jahr faktisch halbiert – auf heute noch knapp über 50 Dollar. Jetzt reagieren die Ölkonzerne: Mit Entlassungen und dem Stopp von teuren Bohrprojekten.

BP, Shell, Total, Chevron, die norwegische Statoil und die mexikanische PEMEX – alle haben in den letzten Tagen schlechte Halbjahresergebnisse vorgelegt. Dahinter steckt die weltweite Überproduktion, die bald noch wachsen könnte, falls der Iran nach der Atom-Einigung als grosser Erdöl-Produzent wieder am Markt ist.

Bereits jetzt haben die weltweiten Ölreserven das höchste Niveau seit 1998 erreicht. Das Angebot übersteigt die Nachfrage derzeit um rund zwei Millionen Barrel pro Tag. Für die fehlende Nachfrage verantwortlich ist die schwächelnde Konjunktur in vielen Teilen der Welt. Vor allem China, das in den letzten Jahren einen stark wachsenden Bedarf hatte und für hohe Umsätze sorgte, kauft heute weniger Erdöl ein.

Ölkonzerne reagieren

Shell reagiert nach dem Gewinneinbruch mit einem Stellenabbau. 6500 von knapp 100'000 Stellen sollen dieses Jahr gestrichen werden, hat das Unternehmen heute bekanntgemacht. Zuvor hatte bereits der US-Ölkonzern Chevron den Abbau von 1500 seiner 75'000 Arbeitsplätze angekündigt. Dies zeigt, dass die meisten Ölfirmen vor allem bei den Kosten ansetzen. Neben dem Personal bauen sie Überkapazitäten ab und fahren Investitionen zurück.

So werden kostspielige Projekte zur Erschliessung neuer Öl- und Gasvorkommen auf Eis gelegt. Einige dieser Projekte, wie zum Beispiel in der Arktis, sind nur bei einem Ölpreis von über 100 Dollar pro Barrel profitabel, schätzen Experten. Ein wenig anders reagieren die Ölkonzerne Total aus Frankreich und ENI aus Italien: Sie produzieren mehr und konnten so die Verluste im letzten Quartal kleiner halten als die Konkurrenz.

Die Krise schlägt durch

Besonders schwer trifft der tiefe Ölpreis auch Zulieferfirmen und Unternehmen, die den Ölkonzernen Schiffe oder Bohrinseln vermieten oder für sie neue Ölfelder erschliessen. Firmen wie Transocean oder Halliburton schreiben rote Zahlen, wenn Projekte gestoppt werden.

Doch wenn das auch alles düster tönt: Die Aktionäre sollen bei Laune gehalten werden. So will Shell die Dividende stabil halten. Zudem plant der Konzern mittelfristig Aktienrückkäufe in Milliardenhöhe, was den Börsenkurs stützen dürfte.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Samuel Saurer , Thun
    Der Hype ums Fracking und politische Machtspiele zwischen dem Westen, den Golfstaaten sowie Russland und China sind vor allem die Hauptgründe für die massive Preissenkung pro Barrel. Jetzt wo Iran womöglich kurz davor ist, wegen wegfallenden Sanktionen ebenfalls wieder im grossen Stil Öl zu exportieren, wollen natürlich Saudi-Arabien und Co. durch künstliche Preisregulierung dem Iran eins auswischen. Aber wenn der Peak Oil erreicht ist, wird uns nichts mehr vor explodierenden Preisen retten...
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    1. Antwort von Hans Vader , Luzern
      Und wann sollte Peak Oil angeblich sein? Das war doch schon um die Jahrtausendwende, wenn nicht früher.
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  • Kommentar von Hans Weiler , St. Gallen
    Halbiert? Dann bin ich wohl der einzige, der das an der Zapfsäule noch nicht gemerkt hat.
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    1. Antwort von C. Szabo , Thal
      Es gibt einen grossen Unterschied zwischen Rohstoffpreisen und Preisen für Enderzeugnisse, bei denen auch ein erheblicher Teil gleichbleibende Steuern sind. Gewinnmargen des Handels werden in solchen Situationen auch gerne erhöht.
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  • Kommentar von Rolf Michel , 1723 Marly
    Nur keine Bange - bei dem globalen Bevölkerungswachstum ist der Energiehunger eine vorprogrammierte Tatsache und crude oil wird noch lange eine der wichtigsten Energiequellen bleiben - Erderwärmung, globale Umweltkatastrophen hin oder her!
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    1. Antwort von Rolf Künzi , Winterthur
      Experten sagten voraus, dass der Ölpreis über Jahre tief bleiben wird. Energiehunger hin oder her wenn die strukturellen Probleme nicht angegangen werden nützt der Bevölkerungswachstum überhaupt nichts, das führt höchstens zu Chaos. die größten strukturellen Probleme sind die Währungsreform aber auch der Wille Arbeits/Geldmodelle zu fördern die möglichst gerecht sind.
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    2. Antwort von René Balli , Biel
      Sehe ich genau so Herr Michel. Die Nachfrage nach Erdöl ist nach wie vor gigantisch und wenn die Industrie von tiefer Nachfrage spricht, ist dies auf einem unglaublich hohen Niveau zu verstehen. Strassenverkehr, Gebäudeheizung, Luftverkehr, Schifffahrt, Landwirtschaft (Dünger, Diesel), Kunstoffindustrie, Strom und vieles mehr läuft weltweit fast nur mit Erdöl. Für das allgemeine Verständnis wäre es angebracht, über unsere enorme Abhängigkeit von Erdöl anstatt von tiefer Nachfrage zu informieren!
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