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Wirtschaft Der Auslandjournalismus darbt – trotz Krisen-Konjunktur

Die Ereignisse in der Ukraine, in Syrien oder die Ebola-Epidemie beschäftigen die Menschen. Sie fordern den Medien, die darüber berichten, viel ab. Doch der Auslandjournalismus ist seit längerem unter Druck: Oft fehlt das Geld für eine adäqute Berichterstattung.

Ein alleinstehendes, praktisch ganz zherstörtes Einfamilienhaus mit rotem Dach.
Legende: Ein zerbombtes Haus, angeblich in der Ostukraine: Das Bild allein sagt nichts darüber, wo das Haus steht. Reuters

Eigentlich wären dies goldene Zeiten für den Ausland-Journalismus: Der Bedarf an Nachrichten, Reportagen und Analysen sei gross, ebenso das Interesse, sagt der Medienexperte Linards Udris von der Uni Zürich. Derzeit beschäftige kein anderes Thema die Medien stärker als der Ukraine-Konflikt. Zu nennen wären auch die Krise in Syrien/Irak oder die Ebola-Epidemie.

Die Vielfalt nimmt ab

Trotz der vielen Berichte über die Ukraine oder auch über Syrien sei die Auslandberichterstattung in den Schweizer Medien weniger vielfältig und weniger umfangreich als früher. Es gebe ja die These, dass der Ausland-Journalismus eine Renaissance erlebe. Doch: «Ich würde eher von einem Strohfeuer sprechen», sagt Udris an einer Veranstaltung des Vereins Qualität im Journalismus in Winterthur.

Die Medien müssten eigentlich mehr in eine kontinuierliche und hochstehende Auslandsberichterstattung investieren, fordert die Ausbildnerin und ehemalige Moskau-Korrespondentin Alexandra Stark. Doch die Bereitschaft der Medienkonsumentinnen und -konsumenten, für die Informationen zu bezahlen, nehme seit Jahren ab. Deshalb: «Auslandjournalismus ist teuer – das muss sich irgendwie niederschlagen.»

Schnelle Informationen – gesicherte Informationen?

Heute erreichen uns News, Bilder und Videos über Twitter und Online-Kanäle gratis und sekundenschnell. Allerdings leide unter dem Tempo die Qualität, warnt der Journalist Helmut Scheben. «Je schneller die Bilder um die Welt gejagt werden, umso höher ist der Zeitstress.» Entsprechend weniger Zeit habe der Journalist, die Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Das Fazit des früheren «Tagesschau»-Redaktors: «Ich denke, dass die schnellen Bilder ein Risiko für Manipulationen aller Art beinhalten.» Gerade in Kriegen sei die Gefahr von Manipulationen und Propaganda gross. Da brauche es viel Wissen und Erfahrung, um den Wahrheitsgehalt von Informationen einschätzen zu können, so Scheben, der heute für die Internet-Zeitung Journal 21 tätig ist. Für diesen Titel schreiben auch einige ehemalige Auslandkorrespondenten.

Neue Möglichkeiten dank Internet

Allerdings eröffnen Internet, Twitter und Social Media dem Ausland-Journalismus auch neue Möglichkeiten: Man findet auf diesen Websites von in- und ausländischen Medien und Nicht-Regierungsorganisationen sowie auf Blogs eine Fülle von erstklassigen Informationen. Doch um diese zu gewichten und einzuordnen braucht es immer noch gut dotierte Auslandredaktionen – und Medien, die sich dies etwas kosten lassen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg-Peter Huber, 8590 Romanshorn
    Wenn diese Einschätzung stimmt, trägt die vierte Gewalt in unserem Staat zur Verengung unseres Horizonts bei und ist mit verantwortlich für eine zunehmend isolationistische Stimmung und Politik. Das müsste eigentlich die staatspolitischen Kommissionen des Parlaments ebenso alarmieren wie seriöse Redaktionen. Immerhin gibt's das "Echo der Zeit", "BBC World News", "Lettre International" ... Wir müssen jedenfalls wissen, wie andere Kulturen ticken.
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  • Kommentar von Paul Schweizer, Bonn, DE
    Ich bin in der Zwischenzeit ja soweit, dass ich eigentlich gerne was für gute Berichterstattung zahlen würde, aber eben nur für gute. Das Problem ist heute bald schon so, dass eben auch in den bezahlten Angeboten immer weniger Qualität geboten wird. Ein Teufelskreis. Was mich zunehmend ärgert ist die Emotionalisierung der Berichte, man kriegt immer mehr schon vorgekautes serviert, was nicht mehr mit Fakten unterlegt ist.
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  • Kommentar von Dietmar Logoz, Zürich
    Nicht nur die abnehmende Zahlungsbereitschaft der Leserinnen und Leser ist ein Problem, sondern auch der Umstand, dass Zeitungen nicht nur mit Fernsehprogrammen sondern auch noch mit Websites und Apps um die Werbebudgets der Unternehmen konkurrieren.
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