Der Behring-Prozess in Zahlen

800 Millionen Franken Schaden. 2000 Geschädigte. 12 Jahre Ermittlungen. Ist Dieter Behring ein Betrüger? Heute fällt das Urteil im Millionenprozess. Der Financier hatte sichere Rekordrenditen versprochen. Und selbst in Saus und Braus gelebt.

Dieter Behring verlässt das Bundesstrafgericht während des Prozesses. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Millionenprozess vor dem Abschluss Dieter Behring verlässt das Bundesstrafgericht (Mai 2016). Keystone

2000 Geschädigte

Rund 2000 Menschen haben ins «Handelssystem Behring» investiert und Geld verloren. Die Geschädigten stammen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten: Von der Kleinkinderzieherin über den Rentner, der seine Altersvorsorge verloren hat, bis zu sehr vermögenden Angehörigen des Basler «Daigs».

Auch Leute aus der Finanzbranche, Ärzte, Piloten, Professoren haben investiert. Viele Geschädigte stammen aus dem Raum Basel. Einige Anleger kamen aus dem Ausland, insbesondere aus Südamerika.

800 Millionen Schaden

Laut Anklage beläuft sich die Schadenssumme auf 800 Millionen Franken. Behring selber sprach gegenüber der «Handelszeitung» am Rande des Prozesses von über einer Milliarde, die in sein System investiert wurde. Dies ist möglich, da nicht alle Geschädigten Anzeige erstattet haben. Manche hatten Schwarzgeld bei Behring angelegt.

Über 150 Millionen Franken soll Dieter Behring sich selbst ausbezahlt haben als Lizenzgebühren für seine Trading-Software.

Runder Tisch mit vielen Bildschirmen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Schaltzentrale Mit seinen Computern in seinem Haus in Basel will Behring die Traumrenditen erzielt haben. SRF

53 Prozent Rendite

Dieter Behring sagt bis heute, sein selbstentwickeltes, vollcomputerisiertes Trading-System bringe zweistellige Traumrenditen. Zwischen 1995 bis 1999 beispielsweise soll das System eine durchschnittliche Rendite von 53 Prozent erzielt haben. Gleichzeitig soll nie ein negatives Jahresendergebnis erzielt worden sein.

Die Anklageschrift listet entsprechende Dokumente auf, die Behring über seine Vermittler an Anleger weitergeleitet haben soll.

12 Jahre Verfahrensdauer

2004 kamen Zweifel an Dieter Behrings Geschäftpraktiken auf. Anleger forderten ihr Geld zurück. Doch der allergrösste Teil war weg. Seither wurde ermittelt. Die Verfahrensdauer von 12 Jahren ist extrem lang und liegt nicht weit unter der absoluten Verjährungsfrist für die vorgeworfenen Delikte von 15 Jahren.

Die lange Verfahrensdauer brachte der Bundesanwaltschaft viel Kritik ein. Das Bundesstrafgericht könnte in seinem Urteil feststellen, dass das Beschleunigungsgebot verletzt wurde. Die Bundesverfassung und die europäische Menschenrechtskonvention verlangen, dass Strafverfahren innert einer angemessenen Frist abgeschlossen werden.

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Gestelle mit Ordnern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Keller voller Akten Die Akten der Bundesanwaltschaft bestehen aus rund 2000 Bundesordnern. SRF

2000 Bundesordner

Die Akten zum Fall Behring füllen einen ganzen Keller in der Bundesanwaltschaft. 2000 Bundesordner seien es in etwa, sagte Bundesanwalt Lauber 2014 in einem Rundschauinterview. Die umfangreichen Akten trugen zu der langen Verfahrensdauer bei.

Einen Teil der Dokumente musste die Bundesanwaltschaft in mühseligen Rechtshilfeverfahren mit Staaten in der Karibik auftreiben.

Dieter Behring bringt seine Akten zu den Verhandlungen vor dem Bundesstrafgericht (Juni 2016). Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Dieter Behring bringt seine Akten zu den Verhandlungen vor dem Bundesstrafgericht (Juni 2016). Keystone

58 Beschwerden

Dieter Behring hat massgeblich zu der langen Ermittlungsdauer beigetragen, sagte der verfahrensführende Staatsanwalt des Bundes, Tobias Kauer, in seinem Plädoyer. 58 Beschwerden habe der Beschuldigte eingereicht. 90 Prozent davon seien abgewiesen worden.

Behring sieht sich als Opfer eines Komplotts. Er hat diverse Strafanzeigen gegen Vertreter der Justiz eingereicht: gegen Staatsanwalt Kauer selbst, gegen Bundesanwalt Lauber, gegen Laubers Stellvertreter sowie gegen den Präsidenten des Bundesstrafgerichts Daniel Kipfer.

Auch gegen den Sonderermittler Thomas Hansjakob, der Behrings Vorwürfe gegen die Vertreter der Bundesanwaltschaft überprüft, hat Behring ein Ausstandgesuch gestellt. Diese Verfahren sind noch nicht abgeschlossen, die Vorwürfe Behrings werden noch geprüft.

42‘000 Pfund für Restaurant-Besuch

Umgerechnet rund 100‘000 Franken liess Dieter Behring im Londoner Gourmet-Restaurant «Pétrus» liegen, hauptsächlich für exklusiven Wein. Das enthüllte die «Sunday Times» im April 2004.

Fast eine Million für Bijouterie-Einkauf

979‘700 Franken hat Dieter Behring an einem einzigen Tag an das Bijouterie-Unternehmen Patek Philippe überwiesen. Laut Anklageschrift geschah dies am 17. Dezember 2002. Behring sammelte exklusive Uhren. Insgesamt gab der Financier über 5 Millionen Franken aus für Uhren und Schmuck.

Weinflasche Pétrus Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Château Mouton Rothschild, Pétrus 12'000 Weinflaschen aus Behrings Keller wurden beschlagnahmt. SRF

Auch seine Weinsammlung war exklusiv. Sie wurde im Jahr 2007 für 5,4 Millionen Franken versteigert.

Seine Liegenschaft an der Petersgasse in Basel hat Behring für 30 Millionen Franken aufwendig umgebaut, inklusive Hallenbad im Keller. Das Haus und andere verbliebene Sach- und Geldwerte Behrings wurden beschlagnahmt.

5 Jahre und 6 Monate Gefängnis

Die Staatsanwaltschaft hatte für Dieter Behring eine Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 9 Monaten beantragt, wegen gewerbsmässigen Betruges und qualifizierter Geldwäscherei. Behring und seine Verteidiger forderten einen Freispruch.

Verurteilt wurde Behring vom Gericht nun zu einer etwas tieferen Strafe: 5 Jahre und 6 Monate. Die Verteidigung erwägt, das Urteil ans Bundesgericht weiterzuziehen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Behring wir der Prozess gemacht

    Aus 10vor10 vom 27.5.2016

    Nach zwölf Jahren Ermittlungsarbeit wird dem Fondsmanager Dieter Behring nächste Woche der Prozess gemacht. Der Vorwurf: Fast 2000 Anleger hätten wegen ihm insgesamt rund 800 Millionen Franken verloren. Wie war es möglich, dass so viele Menschen ihre Ersparnisse dem Aargauer Laboranten anvertrauten?

  • Bundesanwalt unter Druck

    Aus Rundschau vom 26.3.2014

    Seit zehn Jahren untersucht die Bundesanwaltschaft wegen Anlagebetrugs, ohne dass es bisher zu einem Urteil gekommen wäre. Neben langwieriger Untersuchungen und einer Gesetzesänderung gelang es dem früheren Hedge-Funds-Manager aber auch den Prozess hinauszuzögern. Wird der Fall Behring zu eine neuen Fisako für die Bundesanwaltschaft? Sandro Brotz diskutiert darüber mit Bundesanwalt Michael Lauber an der Rundschau-Theke.