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Zum Tod von Rolf Erb «Der Fall Erb ist einzigartig»

Legende: Audio Aufstieg und Fall eines Imperiums – zum Tod von Rolf Erb abspielen. Laufzeit 03:50 Minuten.
03:50 min, aus Rendez-vous vom 10.04.2017.

Begonnen hatte alles ganz klein, mit einer Autogarage des Grossvaters. In den 70er-Jahren trat Vater Hugo in Aktion, sagt Thomas Buomberger. Der Journalist und Historiker hat den Aufstieg und Fall der Erb-Gruppe in einem Buch nachgezeichnet. «Er war der erste, der japanische Autos in die Schweiz importiert hat.»

Legende: Video Steuerschulden in Millionenhöhe abspielen. Laufzeit 03:29 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 10.04.2017.

Damit sei das Imperium durchgestartet. Zuerst kaufte Vater Hugo, später Sohn Rolf Erb, zahlreiche Firmen in zahlreichen Branchen dazu. Neben dem Autohandel waren es Küchenfirmen, Industriebetriebe, Immobilienunternehmen und Finanzgeschäfte. So entstand ein Konglomerat aus etwa 80 Firmen, mit einem Umsatz im Milliardenbereich und rund 5000 Angestellten.

Durch Missmanagement zerstört

«Die Erb-Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie man sich aus bescheidensten Anfängen mit Tüchtigkeit, Unternehmergeist und schlauem Handeln ein Imperium aufbauen kann», erklärt Buomberger. «Aber es ist auch ein Beispiel dafür, wie ein Imperium durch Missmanagement zerstört werden kann.»

Der Fall Erb sei einzigartig in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte, und er werde sich wohl so rasch nicht wiederholen, glaubt Christoph Lechner, Professor für Strategiefragen an der Universität St. Gallen. «Man findet diese Art von Firmenimperium im Westen kaum noch. Man nennt das ungezügelte Diversifikation, wenn ich in Gebiete hineingehe, von denen ich keine Ahnung habe.»

Schweizer Firmen in Nischen erfolgreich

Schweizer Unternehmen würden mittlerweile eine andere Strategie verfolgen, so Lechner. «Wenn man die Wirtschaft in der Schweiz anschaut, sieht man, dass viele mittlere und kleine Unternehmen sehr stark in Nischen tätig sind. Von daher ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie die Nische verlassen, sondern sie bemühen sich eher, die Nische zu globalisieren, und so Wettbewerbsvorteile zu haben.»

Autogarage
Legende: Buomberger über Hugo Erb: «Er war der erste, der japanische Autos in die Schweiz importiert hat.» Keystone

Diese Nischen-Strategie sei rein finanziell erfolgversprechender. Entsprechend würden inzwischen auch Investoren, Aktionäre und Kreditgeber klar fokussierte Firmen bei ihren Anlage-Entscheiden vorziehen, beobachtet der Strategie-Experte Lechner.

Wettbewerbsdruck wird grösser

Anders sieht es in Asien aus: Dort gibt es nach wie vor kunterbunt zusammengeschusterte Konglomerate, wie es die Winterthurer Erb-Gruppe vor ihrem Kollaps war. «Ich glaube, in Asien wird diese Tendenz, wie wir sie hier sehen, auch kommen», sagt Lechner.

Der Druck, in einzelnen Bereichen gut zu sein, werde stärker. «Man kann nur in wenigen Bereichen gut sein. In anderen verliert man einfach im Wettbewerb.»

Das Erb-Imperium wird wohl noch Thema in so manch einer Vorlesung von Professor Lechner sein. Denn es handelt sich – nach dem Swissair-Grounding – immerhin um die zweitgrösste Firmenpleite der Schweizer Wirtschaftsgeschichte.

Wirtschaftsdelikte im Visier

Wenn es um Wirtschaftsdelikte in der Schweiz geht, ist die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich eine wichtige Drehscheibe. Ob Swissair-Grounding oder Erb-Pleite – in den vergangenen Jahren hat sie etliche spektakuläre Fälle behandelt. Ein «ECO Spezial» zeigt ihren Kampf gegen Wirtschaftskriminelle.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Die Neureichen stammen fast alle ausnahmelos aus der Zeit 50er bis 80iger Jahre, denn nach dem 2. Weltkrieg war Konsum und Luxus das Ziel -dieser Trent hält noch an - in Asien beginnt nun der selbe Irrsinn wie bei uns. Es gibt in Asien innert 20 Jahren zick Milliardäre die nun den Wahnsinn weiter treiben. Leute werden zerschlissen und zerrieben-die psychischen Krankheiten, Mörderbanden und Hungertod nehmen zu. Das ist der Preis für den Wachstum der Nimmersatten. Entschleunig. ist an zu streben !
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Naja, jedenfalls öffnet sich die Schere zwischen arm und reich heutzutage mehr als in den 50' - 80' Jahre. Der Neoliberalismus setzte erst nach der Wende ein.
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    2. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Ist doch logisch -zuerst mussten sie 20 Jahre die Arbeiterschaft zum Schein mit verdienen lassen, bis ihre Macht für die unverschämte Ausbeutung gefestigt war - höre noch heute das Gejammer -wir sind eine arme Firma oder Abteilung - man weiss nie was auf uns zukommt -wir müssen sparen um die Arbeitsplätze zu sichern -meinten aber ihren Gewinn damit . Oh diese Heuchler liegen mir immer noch im Ohr :-) Das Wort Neoliberalismus (heute Marktfundamentalismus) sagt nichts-Marktdiktatur sage ich !
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    3. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Ist doch logisch -zuerst mussten sie 20 Jahre die Arbeiterschaft zum Schein mit verdienen lassen, bis ihre Macht für die unverschämte Ausbeutung gefestigt war - höre noch heute das Gejammer -wir sind eine arme Firma oder Abteilung - man weiss nie was auf uns zukommt -wir müssen sparen um die Arbeitsplätze zu sichern -meinten aber ihren Gewinn damit . Oh diese Heuchler liegen mir immer noch im Ohr :-) Das Wort Neoliberalismus (heute Marktfundamentalismus) sagt nichts-Marktdiktatur sage ich !
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Der "Falll Erb", ist nicht einzigartig, dafür erschreckend beschämend, da deren Bereicherung auch auf Kosten anderer ging, welche nicht so wohlhabend waren und ausgebeutet/abgezockt wurden!!! Keine Beschönigungen....
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Bingo! Es gibt auch andere Importeure, die nach dem Krieg deutsche und japanische Autos, Haushaltmaschinen und Unterhaltungselektronis fuern Appl undn Ei importierten und fuer vielfache Wucherpreise den Schweizer Konsumenten andrehten, denen das Politgaengsterin den Direktimport verunmoeglichte. Nur haben die anderen ihre kaum besteuerten Milliarden gebunkert oder sicher statt riskant angelegt. Und das ist der einzige Unterschied....
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  • Kommentar von Verena Casagrande (Verena Casagrande)
    Was hat jetzt das liebe Geld gebracht ?????
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    1. Antwort von Leopold Rothschild (L.Rothschild)
      Die Probleme sind doch alle erst gekommen als das Geld abhandengekommen ist.
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