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Detailhandel in der Krise Der Markt ist gesättigt – jetzt sind Innovationen gefragt

Immer weniger Kunden kaufen in Läden ein. Viele shoppen im Internet, oder sie gehen ins nahe Ausland, wo die Waren dank dem starken Franken billiger sind. An den sinkenden Umsätzen im Schweizer Detailhandel sind jedoch nicht allein die Kunden schuld.

Legende: Audio «Immer weniger Leute in Schweizer Läden» abspielen. Laufzeit 3:15 Minuten.
3:15 min, aus Rendez-vous vom 28.12.2016.

Was ist das Problem? Der Detailhandel in der Schweiz steckt in der Krise. Trotz Bevölkerungswachstums sind die Umsätze dieses und letztes Jahr jeweils um rund zwei Prozent gesunken. Während sie im Spitzenjahr 2010 noch bei 98 Milliarden Franken lagen, waren es dieses Jahr noch 94 Milliarden Franken. Zehn weitere Milliarden flossen ins Ausland.

Was sind die Gründe für die Krise? Die Märkte in der Schweiz seien gesättigt, und es gebe wenige Innovationen, sagt Thomas Hochreutener, Detailhandels-Experte beim Marktforschungsinstitut GFK Schweiz. «Es gibt da nicht sehr viel Neues, was die Schweizer noch kaufen könnten.» Wenn sie etwas kaufen, dann tun sie das nicht selten im Ausland.

Was sind die Folgen? Um Kunden in die Läden zu holen, locken viele Händler fast schon verzweifelt mit Rabatten. In der Schweiz gebe es praktisch das ganze Jahr Ausverkauf, sagt Hochreutener vom Marktforschungsinstitut GFK. «Die Leute gewöhnen sich an solche Sachen und kaufen dann nicht mehr zu Normalpreisen ein.» So entsteht eine fatale Abwärtsspirale, und manches Geschäft geht deswegen Konkurs. Bekannte Marken verschwinden, wie etwa die Kleiderkette Charles Vögele oder der Schuhhändler Bata. Aussergewöhnlich sei das jedoch nicht, stellt Hochreutener fest. Es sei ein normaler Prozess im Schweizer Handel. Zwar verschwanden in den letzten Jahren Traditionshändler wie ABM, EPA, PickPay oder Kleider Frey, doch alleine seit 2010 sind laut Hochreutener über 100 neue Händler aufgetreten – teils Ausländer, teils Schweizer.

Was wäre die Lösung? Wer nicht untergehen will, muss innovativ bleiben. Heute heisst das insbesondere: den Online-Vertrieb nicht gleichgültig anderen Anbietern überlassen, sondern ins eigene Geschäftskonzept einpassen. Denn stationäre Läden und Internet-Plattformen müssen sich nicht zwingend gegenseitig konkurrieren. «Man will sich online informieren, kauft vielleicht online, aber man holt es im Laden ab und bringt es dort zurück. Diese Formen vermischen sich immer mehr», sagt Detailhandels-Experte Hochreutener. Dank ihres Online-Angebots könnten die Händler zudem ihre Ladenflächen verringern und so Geld sparen.

22 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Vor ein Paar Jahren hiess es, dass in CH nicht genügend Verkaufspersonal gibt. (Bei uns arbeiten sogar bei der Migi vermehrt PFZ-Verkäuferinnen.) Somit wird der "Fachkräftemangel" der marktwirtschaftlichen Selbstregulation überlassen. Klar, fehlt dann die Unternehmenssteuer und die MWSt., doch das Einkaufen online bzw. im grenznahen Ausland ist um Einiges günstiger.
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Durch den Wegfall bzw. Verschwinden von EPA, ABM und Waro ist das Einkaufserlebnis stark eingeschränkt worden. Sie fehlen einfach. Nur noch Migros und Coop Cityläden in jeder Stadt entspricht auch nicht den Bedürfnissen der Kundschaft, (überall das gleiche Sortiment). Keine Vergleichsmöglichkeiten mehr. Kleinere Schuh- und Modeläden kommen und gehen. Verstehe viele Shopper wenn sie im Ausland einkaufen wo die Auswahl an Läden grösser ist.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Bis vor wenigen Jahren (2008, Finanzkrise) waren wir alle Mitglieder der Gesellschaft, heute sind wir "ein Markt", einzelne sind keine Menschen, sondern "Markttilnehmer", "Konsumenten" (CH), oder "Verbraucher" (D). Die Verwendung all dieser Begriffe zeigt den Wandel in unserer Gesellschaft sehr genau auf. ..und noch etwas: Wer glaubt, Neu-Zugewanderte konsumieren in unserem Land, der irrt sich doppelt, denn es sind insbesondere zugewanderte Personen, die bevorzugt im Ausland einkaufen.
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