Zum Inhalt springen
Inhalt

Wirtschaft Der Schweiz geht der Zement aus

Für die Herstellung von Zement braucht es Kalkstein und Mergel. Beides wird zur raren Ware in der Schweiz. Bereits bangt die Zementindustrie um ihren Rohstoff – und drängt auf Lösungen.

Im Vordergrund ein Zementwerk, im Hintergrund die Kalksteingrube von Eclepens/VD.
Legende: Zementwerke – wie hier in Eclepens/VD – hinterlassen unschöne Landschaften. Keystone

Fünf von sechs Zementwerken in der Schweiz gehen in den nächsten 10 bis 15 Jahren Kalk und Mergel aus. Denn ihre Steinbrüche grenzen an geschützte Zonen, die zum Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung gehören.

Entsprechend können sie nicht ohne weiteres vergrössert werden. «Wir müssen eine Lösung finden, welche einen Abbau in diesen Gebieten ermöglicht», sagt Georges Spicher. Er ist Direktor des Branchenverbandes Cemsuisse.

Die Verhandlungen mit Bund, Kantonen und Gemeinden dürften schwierig werden, denn Landschaften von nationaler Bedeutung geniessen einen absoluten Schutz.

Dort dürfen nur dann landschaftliche Eingriffe vorgenommen werden, wenn ein gleichwertiges oder höherwertiges Interesse der Öffentlichkeit vorhanden ist, wie Spicher weiter erklärt.

Wohnungsbau nimmt zu

Damit stellt sich die Frage, ob in der Schweiz überhaupt noch Zement produziert werden kann oder soll. Für Verbandspräsident Spicher ist der Fall klar: Die Zementindustrie sei wichtig für die Schweiz. Der Wohnungsbau nimmt zu, es braucht Strassen, Brücken, Schulen und Staumauern. Überall brauche es Zement. Zudem stünden auch mehrere Tausend Arbeitsplätze in der Schweiz auf dem Spiel.

Die Waadtländer FDP-Regierungsrätin Jacqueline de Quattro leitet eine Projektgruppe zur Zukunft der Schweizer Zementindustrie. Sie befürwortet schweizerische Werke, allerdings nicht auf Kosten der Natur. Deshalb will sie die Naturschutzorganisationen in die Planung mit einbinden. Ihr Ziel ist es, dass weiterhin in der Schweiz Zement produziert werden kann – nicht aber auf Kosten der Landschaft.

Schweizer «Kronjuwelen»

Noch sind die Landschaftsschützer allerdings skeptisch. Das Inventar der Landschaften von nationaler Bedeutung enthalte «die Kronjuwelen der Landschaft Schweiz», sagt Rico Kessler von pro Natura. Entsprechend seien diese Landschaften für pro Natura besonders wichtig, und man achte besonders genau darauf, was mit diesen Gebieten geschehe.

Die Zementindustrie führt ein gewichtiges Argument ins Feld, mit dem sie die Naturschützer für sich gewinnen will: Schweizer Zementwerke würden vergleichsweise umweltschonend produzieren, sagt Verbandspräsident Spicher. Wenn man den Zement importieren würde, hätte man «wesentlich mehr negative Umwelteinflüsse», als wenn man ihn in der Schweiz herstelle. Spicher nennt insbesondere einen höheren Kohlendioxid-Ausstoss.

Wer will eine Kalksteingrube in seinem Naherholungsgebiet?

Die Projektgruppe unter der Leitung von Regierungsrätin de Quattro wird also abwägen müssen, ob solche Argumente stärker wiegen als der absolute Schutz der Landschaft.

Ist diese Frage einmal geklärt, wird sich sodann schnell eine zweite stellen: Nämlich jene, wie man die lokale Bevölkerung in den betroffenen Standortgemeinden überzeugen kann. Denn die wird ihre Naherholungsgebiete wohl nicht so schnell hergeben.

(roso)

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans-Joachim Kurth, D 59269 Beckum
    Liebe Schweizer, wir Deutsche, Italiener, Österreicher und Franzosen freuen uns schon darauf, Millionen Tonnen Zement jährlich per LKW (günstigstenfalls per Bahn) in die Schweiz zu exportieren. Nicht nur, dass die Umwelt durch zusätzlichen Transport mehr Schaden nimmt, auch die häufig dort weniger umweltfreundliche Produktion ist unter dem Strich eine zusätzliche Belastung. Diese Entwicklung sichert Arbeitsplätze - außerhalb der Schweiz!!! Wo bleibt die schweizereische Vernunft? H.-J. Kurth
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beppie Hermann, Bundey
      Nirgendwo,H-J Kurth!Rückgrat,Heimatverbundenheit+ges.Menschenverstand ist spez.unsrer Regierung verlorengegangen.Sie begreift einfach nicht,dass über 9Mio u.über 1% Bevölkerungswachstum jährl.(seit 07 im Mittel genau 88'666) für uns,unsre Natur+Artenvielfalt in Fauna+Flora längst nicht mehr erträglich sind,dass diese Tatsache den Zementverbrauch massiv steigert!Sie stehen,wie auch die EU u.wohl sämtl.Länder dieser Erde unter dem Diktat der Wirtschaftselite.Schon deshalb ein fettes Ja am 9.2.!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach
    Vor lauter Bauwahn und Geldgier opfern wir ja alles was bisher Tabu war. Wann gehen uns Schweizer die Augen auf? braucht es die totale Zerstörung? Hoffe nicht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Max Hug, Luzern
    Wann wird endlich begriffen, dass die Wirtschaft nicht dauernd wachsen kann, und die Ressourcen irgend wann ausgeschöpft sein werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen