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Wirtschaft Detaillisten in Grenzorten laufen die letzten Kunden davon

Nicht nur die Exportindustrie ist vom starken Franken betroffen, auch die Binnenwirtschaft spürt ihn. Insbesondere auf Schweizer Grenzorte drückt der Wechselkurs. Verbände und Gemeinden müssen kämpfen, um die Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Betriebe zu stärken.

Bücher und Rabatte.
Legende: Rabatte als Lockmittel: Schweizer Geschäfte in Grenznähe spüren den Währungsdruck besonders. Keystone

Riehen im Kanton Basel direkt an der deutschen Grenze. Olivier Chiquet steht vor seinem Bettwaren- und Badezubehörgeschäft: «Seitdem der Mindestkurs aufgehoben wurde, haben wir kaum mehr Leute. Und das ist heftig.»

Um zu überleben, hängte er ein grosses Banner in sein Schaufenster: «Währungsrabatt 20 %». Das, obwohl er die meisten seiner Produkte von Schweizer Lieferanten bezieht. Einerseits will er damit erreichen, dass es sich die Leute zwei Mal überlegen, ob sie wirklich alles in Deutschland kaufen wollen. Andererseits will er damit seinen Umsatz steigern.

Teamwork gegen die Kundenabwanderung

Auch der Co-Präsident des Vereins der Riehener Dorfgeschäfte, Jürg Blattner, bestätigt, dass es seit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses noch ruhiger geworden sei in Riehen. «Wir müssen uns alle anstrengen, damit die Leute bei uns einkaufen». Wichtig sei, dass man in Riehen zusammenhalte und gemeinsam etwas tue. Ein Beispiel sei etwa eine Kassenzettel-Aktion, bei der Kunden ihren Einkaufsbetrag zurückgewinnen könnten.

Legende: Video Urban Ruckstuhl über Mehrwertsteuer-Rückerstattung abspielen. Laufzeit 0:31 Minuten.
Aus ECO vom 16.02.2015.

Urban Ruckstuhl ist Inhaber einer Papeterie in Kreuzlingen, die in direkter Nachbarschaft zum deutschen Konstanz steht.

Er sieht neben den Herausforderungen auch Chancen für den Detailhandel, wenn man vermehrt zusammenarbeite: «Der Detailhandel muss sich wieder mehr darauf besinnen, dass man gewisse Sachen auch gemeinsam machen kann. Wieso muss jeder seine Werbung für sich machen? Da kann man sich auch zusammenschliessen.»

Legende: Video Werner Meister: Was Kreuzlingen braucht abspielen. Laufzeit 0:24 Minuten.
Aus ECO vom 16.02.2015.

«Einheit bilden»

Zudem sei die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen der Kreuzlinger Geschäfte an diejenigen der deutschen Konkurrenz anzupassen. Als Beispiel nennt er die Mehrwertsteuer, die man in Deutschland als Schweizer zurückerhalte, umgekehrt aber nicht.

«Wir müssen wieder lernen, eine Einheit zu bilden», erkennt auch Werner Meister, der dem Gewerbeverein Kreuzlingen vorsteht. Und zu dieser Einheit gehöre auch die Politik. Touristisch müsse man sehr viel mehr machen, «damit Kreuzlingen wieder attraktiv wird».

Schweizer Reisebüro mit deutschen Kunden

Und dann gibt es auch die, die kein Ungemach spüren. Das Reisebüro von Silvia Cornel laufe sehr gut, obwohl es sich in Kreuzlingen befindet. Für sie spielen drei Faktoren eine entscheidende Rolle: Erstens habe sie in Kreuzlingen ein gutes Kontaktnetz, zweitens könne sie genau dieselben Produkte zu Euro-Preisen anbieten wie ihre Berufskollegen jenseits der Grenze. Drittens sei es sehr wichtig, dass ihre Dienstleistungen den Kunden Mehrwert bringen: das ziehe sogar deutsche Kunden an.

Ihr Credo: «Man darf kein Produkt anbieten, wenn man es nicht zum gleichen Preis anbieten kann wie auf der anderen Seite der Grenze. Man muss sich abheben, das vergessen viele, und sind unflexibel.» Für Kreuzlingen sieht sie trotzdem zuversichtlich in die Zukunft: Man spüre den Zusammenhalt und den Innovationsgeist, der auch in dieser schwierigen Zeit aufkeime.

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Jens-Ingo Lehminger, Schaffhausen
    "Als Beispiel nennt er die Mehrwertsteuer, die man in Deutschland als Schweizer zurückerhalte, umgekehrt aber nicht." Wie ist das jetzt zu verstehen? Sollen Deutsche ihre Schweizer Mehrwertsteuer erstattet bekommen...?
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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Wenn wir noch lange so weiterfahren und alles im Ausland einkaufen, wird uns das leider sehr teuer zu stehen kommen. Es wird an Steuern fehlen, die Arbeitslosigkeit wird steigen, die kleinen Läden werden verschwinden usw. Für dies alles werden wir mehr bezahlen als wir drüben eingespart haben. Alles hat zwei Seiten, das sollten wir bedenken, wenn wir glauben ein Schnäppchen gemacht zu haben.
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    1. Antwort von Otto Jossi, 6984 Pura
      Wenn die grossen Detaillisten in den Grenzregionen vor allem Grenzgänger anstellen, geht sowohl der Lohn ins Ausland und diese Grenzgänger kaufen dann in ihrem Lande ein. Viele Schweizer (vor allem Tessiner) haben das Nachsehen, wenig Arbeit und höhere Preise.
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    2. Antwort von Bruno Hochuli, Reinach BL
      Ich habe noch vergessen zu schreiben, dass die Firmen die Löhne senken werden müssen, denn in der EU ist der Lohn einiges weniger hoch als in der Schweiz. Also, wir sollten uns nicht selber ein Bein stellen.
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  • Kommentar von Peter Schierig, Konstanz
    Was Herr Ruckstuhl behauptet ist nicht korrekt. Waren und Dienstleistungen von Steuerausländern, also beispielsweise von Deutschen oder Österreichern, in der Schweiz bezogen, sind mehrwertsteuerfrei. Der Gesetzgeber in der CH verbietet nicht die Erstattung der Mwst. Ein Beispiel zu Waren: Der DM Markt lässt Produkte in der CH herstellen, diese werden nach DE exportiert u. sehr viel billiger unter der "Denk mit"-Linie verkauft, alls ein vergleichweise "schweizerisches" Podukt?!
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