Die älteste Bank der Welt steht am Abgrund

Lernen, wie man seriös geschäftet. Dazu müssten gut 500 Jahre eigentlich reichen. Würde man meinen. Doch die Banca Monte dei Paschi in Siena hat 700 Millionen Euro verspekuliert. Ein Skandal - mitten im italienischen Wahlkampf.

Aussenansicht der Filiale der Banca Monte dei Paschi in Mailand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Geht es für die Monte Paschi noch weiter? In Mailand liegt der Sitz der Bank an einer Einbahnstrasse. Keystone

Die Banca Monte die Paschi in Siena ist 1472 gegründet worden, also noch bevor Amerika entdeckt wurde. Nun, mehr als 500 Jahre später, gerät sie massiv unter Druck. Handelsgeschäfte haben der Bank einen Verlust von mehr als 700 Millionen Euro eingebrockt.

Sie hat aber noch mehr Probleme. Monte Paschi war als einzige Bank Italiens bei einem europäischen Stresstest durchgefallen. Sie hat Staatshilfen von insgesamt 3,9 Milliarden Euro beantragt. Geld ist bisher allerdings noch keines geflossen. Noch müssen die Aktionäre und die Zentralbank zustimmen.

Wahlhilfe für die Rechte

Der Skandal freut besonders einen: Ex-Premierminister Silvio Berlusconi. Genüsslich weist er daraufhin, dass die Monte dei Paschi seit Jahrzehnten von einer Clique vorwiegend linker Politiker, Bankiers und Gewerkschafter geleitet wird. Endlich ein Skandal, der nicht ihn oder einen seiner Compagnons trifft. Der Zeitpunkt für das Auffliegen des Skandals ist gut: In Italien ist Wahlkampf.

Weit geöffnetes Portemonnaie

In Siena, der wunderschönen gotischen Stadt, machen sie indes alle lange Gesichter. Braucht das Spital einen teuren medizinischen Apparat: Die Bank ist stets bereit, ein paar Hunderttausend rüberzuschieben. Klopfen die Organisatoren des farbenprächtigen Palios an, dieses mittelalterlichen Pferderennens mitten in der Stadt: Die Monte öffnet immer die Schatulle. Gleich verhält sie sich gegenüber Museen, bei der Renovation ehrwürdiger Palazzi, bei der Finanzierung von Forschungsprojekten und andern sozialen oder kulturellen Angelegenheiten.

Entscheidend war «Vitamin B»

Der Geldsegen begann über Siena nieder zugehen, als die Toskana nach dem zweiten Weltkrieg eine Hochburg der Linken wurde. Nicht nur im Rathaus von Siena nahmen die sogenannten roten Fürsten Einsitz, sondern auch in den Gremien der Bank. Sie sorgten dafür, dass der vom Geldhaus erwirtschaftete Reichtum nicht in den Händen weniger blieb. Gleichzeitig begann aber auch das uralte Spiel, unter dem Italien noch heute leidet: Nicht wer etwas kann, kam in der Bank weiter. Sondern jener, der politisch und gesellschaftlich am besten vernetzt war. In Siena heisst es, der Bürgermeister wird am Hauptsitz der Bank gekürt, der Bankpräsident hingegen im Rathaus.

Fatale Übernahme

Kein Wunder in Anbetracht dieses Filzes, dass sich die Bank vor manch politisch motiviertes Geschäft spannen liess. Die grösste Sünde war wohl, als die Monte 2007 die Banca Antonveneta übernahm. Diese stand kurz davor, von einer ausländischen Bank aufgekauft zu werden. Es wäre die erste italienische Bank in ausländischem Besitz gewesen, eine Ungeheuerlichkeit. Die Monte opferte sich für die nationale Sache - und zahlte teuer dafür. Denn der Deal hat sich nie gelohnt.

Seither schlingert die Bank von Krise zu Krise. Die Stiftung, der die Bank einst mehrheitlich gehörte, musste bereits Anteile verkaufen, um die Löcher zu stopfen. Es heisst, ein Fonds aus den Golfstaaten wäre bereit, einzusteigen. 

In Siena zittern sie nun: Die Forscher, die Organisatoren des Palios, die Kulturveranstalter, die Spitaldirektoren. Sie zittern davor, dass endgültig Schluss ist mit dem unaufhörlichen Geldsegen aus dem Hauptsitz der Monte dei Paschi.