Die Banker haben ihren Favoriten für die Finma-Spitze gefunden

Die Finanzmarktaufsicht ist für die einen zu mächtig und bürokratisch. Andere wiederum kritisieren, dass sie gegenüber Banken und Versicherungen zu wenig streng sei. Der neue interimistische Chef, Mark Branson, hat zumindest die Banken schon nach einer Woche für sich gewonnen.

Der Interimschef der Finanzmarktaufsicht (Finma) hat sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt für eine schlanke und liberale Regulierung ausgesprochen. Man müsse aber die internationalen Bestimmungen umsetzen, sagte er an einer Podiumsveranstaltung der Zeitung «Finanz und Wirtschaft». Der Schweizer Finanzplatz dürfe sich nicht abschotten.

Mark Branson. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wird Mark Branson neuer Chef der Finma? Reuters

Den Vorwurf, dass die Finanzmarktaufsicht zu wenig mit den Banken rede, wies Branson zurück. «Was ich täglich erlebe, ist ein sehr intensiver Kontakt. Er ist sehr viel intensiver als vor vier fünf Jahren.» Er sei offen für den Dialog.

Damit versucht der Finma-Interimschef auch die Wogen zu glätten. Denn sein Vorgänger, Patrick Raaflaub, hat sich mit seiner harten Haltung gegenüber den Banken einige Feinde geschaffen und ist jüngst zurückgetreten.

Sympathie der Banker gewonnen

Mark Branson hat mit seiner Grundhaltung, den Banken nicht nur auf die Füsse zu treten, sondern auch ihre Wettbewerbsfähigkeit in den Augen zu behalten, nun erste Sympathien in der Bankenbranche gewonnen. «Ich habe von Herrn Branson einen guten Eindruck bekommen», sagt etwa Pierin Vincenz, Chef der Raiffeisen-Gruppe, gegenüber SRF.

Branson sei sehr differenziert und auch kritisch gegenüber den Banken. Er stehe aber auch im Wettbewerb und sehe daher, dass die Banken vom Regulator auch Unterstützung brauchen. «Es würde mich erstaunen, wenn wir mit Herrn Branson nicht den neuen Chef der Finma bereits heute erlebt hätten.»

Auch vom Präsidenten der Schweizerischen Bankiervereinigung, Patrick Odier, erhält der Interimschef Rückendeckung. Ein Regulator müsse verstehen, dass sich die Banken einerseits regulieren müssen, um das Vertrauen sicher zu stellen, und dass sie andererseits nicht weiter als die internationalen Standards gehen dürfen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. «Mit Mark Branson können wir diesen Dialog führen», ist Odier überzeugt.

Gute Chancen auf definitven Chefposten

Branson gilt derzeit als aussichtsreichster Kandidat, die Führung bei der Finanzmarktaufsicht definitiv zu übernehmen – trotz britischem Pass und langjähriger Tätigkeit bei der UBS. Den Zuspruch der Banken hat er bereits. Für die Wahl ist aber der Verwaltungsrat der Finma zuständig, der Bundesrat muss die Wahl dann bestätigen.
(aebn;)

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Finma – Spielball der Politik?

    Aus ECO vom 20.1.2014

    Überraschend hat der Chef der Finanzmarktaufsicht Finma, Patrick Raaflaub, seinen Rücktritt bekannt gegeben. Während seiner fünfjährigen Amtszeit wurde oft bemängelt, die Finma greife in der Bankbranche zu wenig durch – etwa bei Themen wie der Rückzahlung von Retrozessionen oder der Entgegennahme nicht versteuerter Gelder. Im Studio: Finanzmarktexpertin Monika Roth. Sie kritisiert, der Einfluss der Politik auf die Finma sei zu gross.

  • Finma-Chef Patrick Raaflaub tritt ab

    Aus Echo der Zeit vom 15.1.2014

    An der Spitze der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht kommt es zu einem Wechsel: Finma-Direktor Patrick Raaflaub tritt auf Ende Januar zurück, der stellvertretende Direktor Mark Branson übernimmt bis auf weiteres die Leitung. Raaflaub führt die Finanzmarktaufsicht seit 2009.

    Samuel Emch