Verbot von Verbrennungsmotoren Die Chinesen sollen wieder frei atmen können

…und dabei auch noch Geld verdienen: Peking will komplett auf Elektroautos umstellen – zum Nutzen der eigenen Industrie.

Verkehrspolizist mit Mundschutz in Schanghai Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gesundheits- und wirtschaftspolitische Offensive in einem: Peking will Verbrennungsmotoren verbannen. Keystone

China will sich offenbar vom Verbrennungsmotor verabschieden. So zumindest interpretieren verschiedene Medien die Aussagen des Vizeindustrieministers Xin Guobin. An einem Autoforum in Tianjin kündigte Xin am Samstag an, dass der neue Gesetzesentwurf für eine Elektroquote im Strassenverkehr «tiefgreifende Veränderungen für die Entwicklung unserer Autoindustrie mit sich bringen wird.»

Xin legte nach: China verfolge wie auch Grossbritannien, das ab 2040 keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr zulassen will, einen konkreten Zeitplan. Die chinesische Staatsagentur Xinhua verbreitete Xins Verlautbarungen. Die «Süddeutsche Zeitung» folgert: «Damit ist es amtlich: Im grössten Automarkt der Welt sind die Tage des Verbrennungsmotors gezählt.»

Elektroautos an Ladestation Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein weiter Weg: Mit einem Anteil von 0,7 Prozent ist China weltweit führend bei elektrifizierten Autos. Keystone

Vom Schlusslicht zur Spitzenposition

«Es kann allerdings durchaus noch eine Weile dauern, bis es so weit ist», relativiert SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi. Denn auch in China ist der Elektrifizierungsgrad der Fahrzeuge nach wie vor bescheiden – er steht derzeit bei 0,7 Prozent. Immerhin: Europa (0,46), Nordamerika (0,37) und Japan/Korea (0,25) sind noch weniger weit.

Vor viereinhalb Jahren war China in diesem Ranking noch Schlusslicht. Die Führungsposition mag erstaunen, werden chinesische Metropolen doch eher mit gigantischen Smogglocken und Drecksschleudern assoziiert. Und tatsächlich sollen diese Bilder bald einmal der Vergangenheit angehören: «Natürlich geht es jetzt auch darum, die Luft zu verbessern», sagt Aldrovandi, der in Shanghai lebt.

«  Der Trend geht klar hin zu Elektroautos. »

Martin Aldrovandi
SRF-Korrespondent in China

Frau im Smog schützt sich mit ihrer Kleidung Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Alltag in Chinas Metropolen: Die Smog-Belastung für die Bevölkerung hat dramatische Ausmasse angenommen. Keystone

Das Problem sei allgegenwärtig, werde in der Bevölkerung diskutiert – und auch von der Regierung nicht unter den Teppich gekehrt: «Zumindest in den Städten hofft die Regierung, mit Elektroautos eine bessere Luftqualität zu erreichen», so Aldrovandi.

Erst China, und dann die ganze Welt

Hinter der Elektro-Offensive stehen allerdings auch handfeste Wirtschaftsinteressen. Schon jetzt gehören chinesische Autobauer zu den führenden Herstellern von Elektro- und Hybridautos. Kein Wunder, versteht die «Süddeutsche Zeitung» die chinesische Elektroquote als «Warnsignal» an die deutschen Autobauer: Sie verzeichnen derzeit starke Absätze im riesigen chinesischen Markt. Das könnte sich allerdings mit der forcierten Elektrifizierung ändern.

Klarer Trend, unklarer Zeitplan

Pekings Absage an Verbrennungsmotoren zielt nämlich darauf ab, die heimischen Strassen mit Elektroautos der Marke Eigenbau zu versorgen: «Es gibt bereits finanzielle Anreize für die über 100 inländischen Hersteller von Elektro- und Hybridautos. Ob die langfristig überleben, ist natürlich die andere Frage», sagt Aldrovandi. Doch schon jetzt dominierten die chinesischen Hersteller den Heimmarkt deutlich.

Die chinesischen Autobauer sollen dereinst auch in Nordamerika und Europa zum Player werden, wenn das Zeitalter der Elektrofahrzeuge einmal Fahrt aufnimmt. Wann die Elektroquote in Kraft tritt und wie sie genau ausgestaltet wird, ist allerdings noch unklar. «Der Trend geht aber klar hin zu Elektroautos», schliesst Aldrovandi.