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Wirtschaft Die Leiden der Fleischbranche

Schweinefleisch-Verbote oder Volksinitiativen. Eingriffe in die Wahlfreiheit der Konsumenten sind dem Fleisch-Fachverband ein Dorn im Auge. Zudem kämpft die Branche gegen den Einkaufstourismus und mit Nachwuchssorgen.

Legende: Video Kampf fürs Fleisch abspielen. Laufzeit 2:37 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.04.2016.

Die Zeiten waren für Freunde des Fleisches schon besser: Forderungen nach Tierhaltungsbildern auf Fleischverpackungen, Schweinefleisch-Verbote oder Volksinitiativen bereiten dem Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) Sorgen.

Der SFF stelle zunehmend fest, dass die unterschiedlichsten Kreise das Lebensmittel Fleisch als Instrument nutzten, um ihre Botschaften zu verbreiten, sagte SFF-Direktor Ruedi Hadorn an der Jahresmedienkonferenz in Zürich.

«Gerade in letzter Zeit häufen sich Vorstösse aus Politik und aus privaten Kreisen», so Hadorn. Dazu gehört beispielsweise die Petition der Tierrechtsorganisation Tier im Fokus, die am Montag «authentische Bilder» der Tierhaltung auf Fleischpackungen forderte. Für Hadorn ist diese Forderung kaum umsetzbar.

Zankapfel Schweinefleisch

Neben Volksinitiativen wie «Grüne Wirtschaft» und «Fair Food» bereitet dem SFF noch etwas Kopfzerbrechen: In Kantinen werde Schweinefleisch zunehmend aus dem Angebot gekippt, um «Befindlichkeiten einzelner Glaubensgruppen im vornherein aus dem Weg zu gehen» und die Menüs zu vereinfachen.

Dennoch müsse die Wahlfreiheit der Konsumenten im Vordergrund stehen und eine staatliche Bevormundung verhindert werden. Der SFF will deshalb ganz nach dem Motto «Hände weg von unseren Tellern» diese Wahlfreiheit wieder stärken.

Milliardeneinkäufe im Ausland

Nebst den Regulationsversuchen verschiedenster Gruppen sorgen sich die Fleischproduzenten auch über das Verhalten der hiesigen Konsumenten. So haben seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 die Fleischkäufe im grenznahen Ausland nach Angaben des SFF um mindestens zehn Prozent zugenommen.

Der Schweizer Fleischbranche geht damit eine stattliche Summe durch die Lappen: Der Wert der Fleischeinkäufe dürfte heute bei 1,2 bis 1,6 Milliarden Franken pro Jahr liegen. Pro Kopf kaufen Herr und Frau Schweizer etwa acht bis zehn Kilogramm Fleisch ennet der Grenze ein.

Junge Metzger dringend gesucht

Das mit Abstand grösste Problem der Fleischbranche sei aber der fehlende Nachwuchs, sagte SFF-Präsident Rolf Büttiker. Die angespannte Situation im Lehrlingsmarkt habe sich auch im vergangenen Jahr nicht verbessert. Insgesamt konnten nur knapp 350 neue Lehrverhältnisse abgeschlossen werden. Insgesamt beschäftigt die Fleischbranche rund 24'000 Personen.

Leichter Rückgang beim Konsum

Die Zahlen zum Schweizer Fleischkonsum hatte die Branchenorganisation Proviande bereits im März bekannt gegeben. So sind im vergangenen Jahr in der Schweiz 51,35 Kilogramm Fleisch pro Person auf den Tellern gelandet – zwei Prozent weniger als im Vorjahr.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Kein - oder sehr wenig Fleisch essen ist für die Gesundheit fördernd. Auch das Tierleid kann so vermindert werden. Kühe gehören auf die Weide - Kälbchen soltlen bei ihreMutter sein und nicht in Einzelboxen gehalten werden. Schweine brauchen auch viel Platz und Beschäftigung. Bilder der Tierhalter wie sie stattfindet lässt einem erschauern. Arme Tiere! Alles geht nur über den Profit nicht über das Tierwohl. Öfterer Fleichverzicht ist der bessere Weg.
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  • Kommentar von Miriam Rose (Miriam Rose)
    Die Fleischlobby (Proviande) erhält pro Jahr 13 Millionen Franken für die Bewerbung von Schweizer Fleisch. Von "Bevormundung" zu sprechen, ist dermassen lächerlich, dass es nicht mehr schön ist. Vegan/vegetarische Initiativen schränken nicht die Wahlfreiheit ein - im Gegenteil: Sie erhöhen die Wahlfreiheit, dnen sie schaffen dringend notwendige Angebote für Vegis und Veganer, die leider überall noch viel zu rar sind. (Dazu auch die Pressemitteilung der Veganen Gesellschaft Schweiz von gestern.)
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  • Kommentar von W. Ineichen (win)
    Fleisch ist das beste Gemüse.
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