Rentner-Image der Harley Die letzten Easy Rider sterben aus

Sie sind wild, sie sind laut – und sie beziehen AHV. Jetzt gibt der Kultkonzern Gegensteuer: Mit Einsteiger- und Elektromodellen will er die «Generation Smartphone» erreichen.

Es gibt Harley-Fans, die erkennen bereits beim Zünden des Motors, welches Modell der inzwischen 116-jährigen Harley-Davidson-Familie vor sich hinbrodelt. Doch ob das Modell Fat-Boy oder Night-Rod-Special oder Road-King – für eine echte Harley entscheiden sich meist Käufer in jener Altersgruppe, die beim Kultfilm «Easy Rider» den grossen Traum der Freiheit, Landstrasse und Sonnenuntergang träumten.

Nur: Seit Easy Rider und dessen Motorrad-Hymne «Born to be wild» sind bald 50 Jahre vergangen und mit ihnen die Harley-Fans der ersten Stunde in die Jahre gekommen. Und die heute junge Generation? Sie rebelliert offensichtlich lieber mit dem Smartphone in der Hand als mit einer Harley unterm Hintern.

Easy-Rider (1969) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Born to get old? Die «Easy Rider» sind den Wochenend-Ausflüglern gewichen. Imago

Die «Rebellen» von heute twittern

Der Trend sei klar, sagt Markus Lehner von der Fachstelle Motorrad, welche die Schweizer Motorrad-Branche vertritt: «Motorradfahren ist nur noch ein Teil des Freizeitvergnügens. Die alte Generation hat gearbeitet, eine Familie gehabt und der Rest war Motorrad. Heute geht man surfen, hat ein schönes Haus, geht skifahren.»

So erstaunt es nicht, dass Harley-Davidson weltweit für die 2. Hälfte des laufenden Geschäftsjahrs mit dem Verkauf von nur noch 241’000 Maschinen rechnet. Vor zehn Jahren waren es in der gleichen Jahresperiode 90’000 Motorräder mehr.

 Papst Franziskus segnet 2013 Harley-Fahrer im Vatikan. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hat die Harley ihre Schuld verloren? Papst Franziskus segnete 2013 Harley-Fahrer im Vatikan. Keystone

Hoffnungsschimmer in der Schweiz

In der Schweiz ist Harley-Davidson die Nummer 5 der Top-Motorrad-Verkäufe, musste aber als einzige im ersten Halbjahr 2017 einen Verkaufsrückgang um zehn Prozent hinnehmen. Für Harley-Davidson-Schweiz-Chef Iwan Steiner kein Grund zur Unruhe: «Der Rückgang bezieht sich vor allem auf die USA und nicht auf den internationalen Markt. Für die Schweiz kann man optimistisch bleiben. Wir werden unsere Ziele erreichen.»

Steiner hat Erfahrung, wie man ein Marken-Image verjüngt. Er hatte einen solchen Prozess in seinen elf Jahren beim Autobauer Mazda als Produktmanager und Verkaufsleiter in die Wege geleitet, bevor er vor gut einem Jahr als 37-Jähriger zum Schweiz-Chef von Harley-Davidson gekürt wurde.

In Zukunft werde man Modelle lancieren, die die jungen Leute ansprechen: «Natürlich in einem Preissegment, das ein bisschen tiefer ist als die Harley von heute. Zum Beispiel haben wir gerade die Street Rod lanciert, ein sportliches Motorrad unter 10'000 Franken.»

Harleys mit Elektromotoren und Tablet-Halterung

Dabei sind in der Schweiz die Jungen das eine neu zu erobernde Segment, das andere sind die Frauen. Sie kaufen bereits heute rund 14 Prozent aller Motorräder, bei den Motorrollern sind es sogar rund ein Drittel. Für Harley ist der Horizont also offen.

Und es sei eine realistische Chance, sagt der Wirtschaftspsychologe Christian Fichter von der Fachhochschule Kaleidos. Harley-Davidson halte schon heute seine klassischen Werte wie Freiheit, Unternehmungslust, Männlichkeit hoch.

Andererseits passten gerade die jüngsten Harley-Modelle genau auf die Jungen: «Es gibt Prototypen mit Elektromotoren. Das ist die Zukunft. Und Harley Davidson zeigt, dass sie in dieser Zukunft angekommen sind.»

«  Man steigt mit einem Lächeln auf und steigt mit einem Lächeln wieder ab. »

Iwan Steiner
Chef von Harley-Davidson Schweiz

Der Konzern sei bereit, auch Werte von jüngeren Konsumenten abzuholen: «Etwa, dass jemand einen Elektro- und keinen alten, stinkenden Vebrennungsmotor möchte. Oder, dass jemand ein Motorrad fahren möchte, auf das sein Smartphone oder Tablet auflegen kann, um zu navigieren», sagt Fichter.

Eines indes dürfte bleiben: «Man steigt mit einem Lächeln auf und steigt mit einem Lächeln wieder ab. Man kann es schwierig beschreiben, man muss eine Harley fahren», sagt Iwan Steiner .