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Wirtschaft Die Schweiz hat nicht genügend Informatiker

Der Fachkräftebedarf in der Informations- und Kommunikationstechnologie, kurz ICT, nimmt stark zu. Das Problem: Der Nachwuchs fehlt. Die meisten Informatiker arbeiten mittlerweile in Unternehmen ausserhalb der klassischen Informatik-Branche. Und es werden zu wenige IT-Lehrlinge ausgebildet.

Legende: Video Informatiker braucht das Land abspielen. Laufzeit 03:38 Minuten.
Aus 10vor10 vom 01.11.2016.

Der Fachkräftemangel trifft die Branche für Informations- und Kommunikationstechnologie, kurz ICT, besonders hart: Bis 2024 fehlen der Schweiz rund 25‘000 Fachkräfte. Das zeigen unveröffentlichte Zahlen des Berufsverbands ICT-Berufsbildung Schweiz, die «10v10» vorliegen. Von diesem Fachkräftemangel sind nicht nur IT-Firmen betroffen, sondern die ganze Schweizer Wirtschaft.

Informatiker vermehrt auch bei Banken und Versicherungen gefragt

«Grundsätzlich sind alle Unternehmen vom Fachkräftemangel betroffen, welche in ihrem Betrieb irgendwo auf Informatiker angewiesen sind», sagt Jörg Aebischer, Geschäftsführer der ICT-Berufsbildung Schweiz. Der Bedarf an Informatikern nehme aufgrund der Digitalisierung auch in Spitälern, Telekomfirmen, Banken oder Versicherungen zu. So kommt es, dass mittlerweilen bereits zwei Drittel aller ICT-Fachkräft ausserhalb der ICT-Branche selbst arbeiten.

Grundsätzlich sind alle Unternehmen vom Fachkräftemangel betroffen, welche in ihrem Betrieb irgendwo auf Informatiker angewiesen sind.
Autor: Jörg AebischerGeschäftsführer ICT-Berufsbildung Schweiz

Zu den grössten ICT-Arbeitgebern innerhalb ihrer Branche zählen etwa die UBS mit 2800 Stellen, die SBB mit 1100 oder Novartis mit 690.

Zu wenig Nachwuchs

Das Berufsfeld der ICT wächst – getrieben von der Digitalisierung – doppelt so schnell wie die Gesamtwirtschaft. Die Anzahl Beschäftigter beträgt heute schon 210'800.

Der Schlüsselfaktor im Kampf gegen den Fachkräftemangel ist die berufliche Grundbildung. Nur so können die tausenden von Informatikern ausgebildet werden, die es in Zukunft braucht. Das Problem sei keineswegs die Nachfrage, sondern, dass es nicht genügend Ausbildungsplätze gebe, so Aebischer: «Im Moment haben wir eine luxuriöse Situation, es wollen nämlich mehr Junge in die Informatik, als es Ausbildungsplätze gibt.»

Der Mangel an Ausbildungsplätzen liege an einer zu tiefen Ausbildungsquote. Dies will Aebischer ändern: «Wir fordern eine minimale Ausbildungsquote von 5 Prozent.» Das heisst mindestens 5 Lernende pro 100 angestellte Informatiker im jeweiligen Unternehmen.

Unternehmen müssen mehr Ausbildungsplätze schaffen

Doch gerade Unternehmen wie Banken und Versicherungen, welche am meisten Informatiker beschäftigen, erfüllen diese Quote nicht. Ausserhalb der ICT-Kernbranche werden im Schnitt nur 3,6 ICT-Lehrlinge pro 100 ICT-Beschäftigte ausgebildet. Bei Novartis liegt die ICT-Ausbildungsquote gar nur bei 2,9, bei der SBB 2,2. Bei der SBB hat man aber den Nachholbedarf erkannt: Im Jahr 2017 werden bereits drei mal so viele junge Informatiker eine Lehre bei der SBB beginnen wie noch im jetzigen Jahr.

Jörg Aebischer betont, dass solche Massnahmen auch dringend nötig seien, denn: «Wenn es nicht gelingt, genügend Lehrlinge auszubilden, sind wir umso mehr auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen – oder die Unternehmen müssen gewisse Tätigkeiten ins Ausland verlagern.»

Soll der Fachkräftemangel behoben werden, dann gibt es nur eins: ausbilden, ausbilden und nochmals ausbilden.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Wir haben nicht zuwenig Informatiker sondern wir haben zu viele "ausländische" Konzerne in der Schweiz. Wenn sich immer mehr ausländische Firmen in der Schweiz ansiedeln, braucht es immer mehr Angestellte. Genau diesen Trend müssen wir zuerst stoppen und dann in den Rückwärtsgang schalten. Wir sind ein winziges aber schönes und lebenswertes Land und deshalb dürfen wir es nicht mit "gefühllosen" ausländischen Konzernen füllen. Es ist doch klar, dass es deshalb zuwenig Fachkräfte gibt. Erwachet!
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Wer zu geizig ist, seine Informatiker selbst auszubilden -muss nicht jammern -so geht das schon seit 30 Jahren- dann werden Ausländer rekrutiert - um sich diese Ausbildungskosten zu sparen -die CH-Talente gehen stempeln ab 50 und werden den arbeitenden Büezern zu lasten gelegt. Die RAV -der Handlanger der Industriebosse betreibt teilweise unqualifizierte Vermittlungen. Ein guter Ing.macht 4 jahre Lehre dann oft 3 Jahre Praxis anschliessend 4 Jahre eine Techn. Hochschule -nach langem Weg endl.Ing
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  • Kommentar von Peter Mueller (Elbrus)
    Wir haben vor allem viele schlechte Programmierer. Das Problem sind nicht die Cobol, Lisp, Fortran und Smalltalk Programmierer. 2 Smalltalk Spezialisten ersetzen 10 C++ Programmierer die zu 80% in Meetings vergeuden - weil die Spezifikation noch nicht mal ansatzmässig fertig ist. Desolate M$ Hilfsarbeiter die glauben Access sei brauchbar. Ganz zu schweigen vom Glauben an Excel, das nicht in der Lage ist mehr als 1 Mio. Zeilen zu verarbeiten. Jeder Cobol Crack schafft den Umstieg auf Python.
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