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Wirtschaft Digitalisierung verdrängt Versicherungen vom Markt

Die Digitalisierung trifft die Versicherungsbranche stark. Neue Technologien führen zu mehr Preistransparenz und digitale Wettbewerber verdrängen bestehende Anbieter vom Markt. Wie sollen die Versicherungen darauf reagieren?

Legende: Video Interview mit Yamin Gröninger abspielen. Laufzeit 01:16 Minuten.
Aus News-Clip vom 17.11.2016.

Über 7000 Franken geben Schweizer Haushalte jährlich für Versicherungen aus, das entspricht 11 Prozent des Einkommens. Nur in Luxembourg sind die Versicherungsausgaben noch höher. Der Schweizer Versicherungsmarkt ist gesättigt und stagniert, entsprechend hoch ist der Optimierungsdruck bei den Versicherungen. Gemäss einer Studie des Beratungsunternehmens EY führt der verschärfte Wettbewerb dazu, dass bis ins Jahr 2030 45 Prozent der Schweizer Versicherer vom Markt verdrängt werden. Einer der Gründe dafür ist die Digitalisierung.

Mehr Preisbewusstsein, weniger Loyalität

Der digitale Wandel hat die Position der Versicherten spürbar verbessert: Neue Technologien haben die Preistransparenz erhöht und datengetriebene Geschäftsmodelle unterbreiten den Versicherten gezieltere Angebote. Die Folgen: Die Kunden sind sich der Preise mehr bewusst und sind weniger loyal. Dazu kommt, dass neue Anbieter, wie zum Beispiel InsurTechs, grosse Marktanteile gewinnen und andere Unternehmen aus dem Markt drängen.

Auch weitere Faktoren machen den Schweizer Versicherungen zu schaffen. Etwa der starke Franken, der verhindert, dass das Bruttoinlandprodukt der Schweiz wächst oder Negativzinsen, die vor allem die Lebensversicherer bedrohen. Auch die geringere Zunahme der Schweizer Wohnbevölkerung als Folge der Masseneinwanderungsinitiative ist gemäss EY eine Gefahr für die Versicherungen.

Auf eigene Stärken konzentrieren

Wie also kann eine Versicherung trotzdem noch profitabel wachsen? Die Zurich Versicherung setzt auf Sparen: Bis 2019 sollen 1.5 Milliarden Dollar eingespart werden. Das will die Versicherung zum Beispiel durch Einsparungen bei IT-Systemen und durch Stellenabbau erreichen. Yamin Gröninger, Leiterin Entwicklung Versicherungsgeschäfte EY Schweiz, ist überzeugt, dass solche Kosteneinsparungen alleine nicht genügen: «Man muss auf der Kundenseite umdenken. Die Kunden suchen Vereinfachungen». Ausserdem sollten sich die Versicherungen auf ihre Kernkompetenz konzentrieren und zum Beispiel massgeschneiderte Services anbieten, bei denen digitale Wettbewerber nicht mithalten können. «Man muss sich fragen: Was können wir, das die InsurTechs nicht können», sagt Gröninger.

Yamin Gröninger ist optimistisch, dass die Versicherungen diese Herausforderungen meistern werden: «Aber es braucht eine starke Führung und Mut, etwas zu verändern».

InsurTech

InsurTech setzt sich aus den Wörtern Insurance und Technology zusammen und steht für die Nutzung neuer Technologien in der Versicherungsbranche. InsureTechs sorgen schon heute für mehr Wettbewerb und tiefere Preise.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Charly Ball (Charly Ball)
    Die Versicherer stecken bezüglich digitalisierte Angebote noch in den Kinderschuhen. Ich versuche seit Tagen eine Police bei der ZH zu ändern. Die Fakten gem. Website sind auf der Police völlig anders aufgeführt, so dass unklar ist, ob es sich um das gleiche Produkt handelt und andere Unstimmigkeiten mehr. Tel.gibt's auf der 0800-Nr. kein Durchkommen und auf das Formular zur Kontaktaufnahme" hat bis heute noch niemand reagiert. Für Anliegen der Kunden hat keiner Zeit.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Grosse Versicherungen verlieren seit Jahrzehnten zusehends ihren Sekundäreffekt als Auffangbecken v.a. für kaufm. Angestellte, das gute Beiträge zu den tiefen Arbeitslosenzahlen geliefert hat. Die veränderte Marktsituation (Konzentrationsprozesse) und die Digitalisierung lassen dies nicht mehr zu. Das selbe wird bei den Banken geschehen. Oskar Grübel, Ex-Grossbanken-CEO, meinte schon vor mehr als 10 Jahren, dass bei den Banken mindestens jeder dritte Arbeitsplatz nicht betriebsnotwendig sei.
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Vielleicht sollten sich die Versicherer auch einfach darauf einstellen, dass ihre Kunden keinen Bock mehr darauf haben, zu viel Prämien zu bezahlen für immer knausrigere Leistungen um so zu grossen Gewinnen der Versicherer beizutragen???
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