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Wirtschaft Durchs Brandenburger Tor im Glattzentrum

Das umsatzstärkste Shopping-Center der Schweiz investiert massiv, um neue Konsumenten zu gewinnen und den Umsatzrückgang zu stoppen. Angesagt sind Einkaufserlebnis, Tagesklinik und Schulen im Glattzentrum.

Aussenaufnahme Glattzentrum.
Legende: Auffallendes, braunes Gebäude an der A1: Das Glattzentrum ist das umsatzstärkste Shopping-Center der Schweiz. SRF
Skizze Neubau Glattzentrum.
Legende: Alles neu: Der Glatt-Tower soll komplett ausgehöhlt werden für die Umbauten (Visualisierung). SRF

Der Umbau wird Jahre dauern und laut Branchenexperten 200 Millionen Franken kosten. Der Gebäude-Komplex samt Shopping-Center und Glatt-Tower gehört dem Migros-Konzern. Das Gebäude ist 40 Jahre alt und soll in den nächsten Jahren samt Parkplätzen saniert werden. Bis auf das Skelett wird der Glatt-Tower ausgehöhlt, mit Wärmedämmung versehen und dank neuer Fassade ein modernes Erscheinungsbild erhalten.

Im Glatt zur Schule gehen

Anschliessend sollen neue Mieter einziehen. Mieter, die den Geschäften im angrenzenden Shopping-Center steigende Umsätze bescheren. In Betracht kommen etwa Schulen. Peter Strebel leitet den Liegenschaften-Betrieb des Migros-Konzerns: «Eine Schule wäre etwas Interessantes, mit vielen Frequenzen. Leute, die hierherkommen, konsumieren über Mittag, nehmen einen Kaffee oder kaufen auf dem Nachhauseweg etwas ein.»

Im Herbst kommt die Tagesklinik

Seit wenigen Monaten führt Rageth Clavadetscher das Einkaufszentrum im zürcherischen Wallisellen. Er kämpft gegen sinkende Umsätze in den rund 120 Geschäften und Gastronomie-Betrieben. 2015 erwirtschaftete das Shopping-Center 606 Millionen Franken Umsatz, weniger als 10 Jahre zuvor – und das bei gestiegenen Besucherzahlen.

Grafik.
Legende: Das Glattzentrum macht weniger Umsatz – trotz mehr Besucher. SRF

Wie der gesamte Detailhandel, leidet auch das Glattzentrum unter Einkaufstourismus und Online-Konsum. Deshalb sollen persönliche Angebote den Abwärtstrend stoppen, zum Beispiel die Dienste eines Spitals. «Wir haben bereits eine Tagesklinik aus dem Raum Zürich, die interessiert ist und die zu uns kommen wird.»

Rageth Clavadetscher will ein eigentliches Gesundheitszentrum schaffen, um zusätzliche Kundenfrequenz im Shopping-Bereich zu schaffen. Im Ausbau begriffen ist ein bestehendes Augenzentrum mit Fachärzten und 25 Angestellten. Ein Zahnarzt und ein Gynäkologe sind bereits im Glattzentrum tätig.

Rageth Clavadetscher
Legende: Rageth Clavadetscher: «Wir schauen nicht zu, dass es weiter abwärts geht.» SRF

Heimatgefühle erleben

Weil Schweizer Kunden nach Deutschland abwandern, versucht Clavadetscher hier ansässige Deutsche ins Glatt zu holen. Mit Münchner Biergarten, Hamburger-Hafen-Atmosphäre und dem Nachbau des Brandenburger Tores hofft er auf diese neue Kundschaft. Gleichzeitig lanciert er eine Plakatkampagne an der Deutschen Grenze «Bi eus wäred Sie scho lang bim Kafi», liest der Schweizer Kunde auf dem Weg ins Euroland.

«Wir schauen nicht zu, dass es weiter abwärts geht», sagt Clavadetscher und spricht bereits von neuem Konsumerlebnis: «Ich will, dass man ins Glatt kommt, Mantel und Jacke abgibt und wie in einem Theater oder Hotel als Gast empfangen wird.» Nur mit freien Händen lasse sich entspannt konsumieren, meint der gelernte Verkäufer.

Legende:
Die 10 umsatzstärksten Shopping-Center der Schweiz (Umsatz pro m2 Verkaufsfläche in Fr.) GfK Switzerland

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Da wird voraussichtlich mit Pensionskassengeld der einen, ein Gebäudekomplex der anderen kosmetisch aufgepeppt. Die anderen zocken die Schweizer Konsumenten seit Jahrzehnten ab, anstatt die exorbitanten Preise nach unten anzupassen. Da sind mir und meiner Frau Konstanz oder andere grenznahe Städtchen mit deren Geschäften 100Mal sympathischer als das Glattzentrum bzw. die Abzocker Migros und Coop. Back zu Duftweilers Idee wäre dringend nötig.
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    1. Antwort von Pascal Gienger (Pascal Gienger)
      Klar, Konstanz, wo die Bäckereifachverkäuferin mit 800 Euro netto am Monatsende heimgeht, und die Teilzeitkassiererin 8,50 Euro Mindestlohn erhält. Aber völlig ausrasten wenn man in der Schweiz nicht mindestens 4000 Franken für dieselbe Tätigkeit bekommt. So liebe ich sie, die Schweizer Isolationisten, die sich gegen alles abschotten wollen aber das Billige drumherum gerne mitnehmen möchten, als ob dieser Zustand auf Ewigkeit so bleiben könnte.
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  • Kommentar von Albert Planta (Plal)
    Der Kunde will in erster Linie günstige Preise. Nur wegen dem "Einkaufserlebnis" kommt er in der Regel einmal und dann hat er es "erlebt".
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