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Wirtschaft «Ein solches Berufsverbot hat es noch nie gegeben»

Der ehemalige Chef der Bank Coop, Andreas Waespi, ist mit einem dreijährigen Berufsverbot belegt worden. Er soll mit seiner Bank Marktmanipulation begangen haben. Für Wirtschaftsjurist Peter V. Kunz ist dies ein harter Entscheid, der sogar strafrechtliche Folgen für den Ex-Chef haben könnte.

Legende: Video Die Finma sanktioniert die Bank Coop abspielen. Laufzeit 3:37 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 29.10.2014.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) rügt die Bank Coop. Zwischen 2009 und 2013 habe diese den Börsenkurs der eigenen Inhaberaktien manipuliert. Es habe «erhebliche Stützungskäufe» gegeben, um einem Sinken des Kurses entgegenzuwirken, kommt die Finma zum Schluss.

Für den ehemaligen Chef der Bank, Andreas Waespi, hat dies ein Berufsverbot von drei Jahren zur Folge.

Legende: Video Peter V. Kunz zum Berufsverbot für Andreas Waespi abspielen. Laufzeit 1:06 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.10.2014.

Aussergewöhnliche Strafe

Wirtschaftsjurist Peter V. Kunz hält diese Strafe für sehr aussergewöhnlich. «Ein dreijähriges Berufsverbot hat es nach meinem Wissen noch nie gegeben in der Schweiz – ganz sicher nicht für einen ehemaligen Bankenchef.» Er sei davon überzeugt, dass Ex-Chef Waespi eine gerichtliche Überprüfung des Urteils verlangen wird.

Dies hat der Ex-Chef auch bereits in einer Mitteilung angekündigt. Für ihn sei das Berufsverbot «nicht nachvollziehbar». Er habe sich in keiner Weise bereichert und es sei auch nie ein Anleger zu Schaden gekommen. Deshalb werde er eine Anfechtung des Finma-Entscheids prüfen.

Zudem könnte sich auch die Staatsanwaltschaft am Hauptsitz der Bank Coop in Basel mit dem Dossier befassen, sagt Kunz. «Die Finma hat ja nur eine Marktmanipulation festgestellt, relativ nahe ist aber die sogenannte Kursmanipulation.» Diese sei strafbar und könne die Eröffnung von Strafverfahren zur Folge haben.

Keine Bereicherung festgestellt

Gemäss der Finma stützte die Bank den Börsenkur ihrer Aktien hauptsächlich vor und während der Publikation von Geschäftszahlen sowie an Monats- und Jahresenden. Es hätten sich aber weder die Bank Coop noch deren Personal durch die Manipulationen bereichert.

Trotzdem: Durch die Stützungskäufe sah die Bank an der Börse besser aus. Deshalb, so die Finma, habe die von der Basler Kantonalbank kontrollierte Bank Coop in schwerer Weise gegen das aufsichtsrechtliche Verbot der Marktmanipulation und gegen ihre Gewährs- und Organisationspflichten verstossen. Sie macht der Bank Coop deshalb Auflagen, damit ähnliche Machenschaften nicht mehr vorkommen. Die Bank akzeptiert laut einer Mitteilung die Rüge. Die von der Finma auferlegten organisatorischen Massnahmen seien bereits umgesetzt worden.

Pension verschoben

Wegen des Berufsverbots kann Ex-Chef Waespi nicht wie beabsichtigt im kommenden Mai Direktionspräsident der Aargauischen Kantonalbank (AKB) werden.

Die AKB teilt mit, dass der Arbeitsvertrag mir Waespi einvernehmlich aufgehoben wurde. Der vor der Pensionierung stehende bisherige AKB-Chef Rudolf Dellenbach bleibt deshalb länger als ursprünglich geplant im Amt bis ein neuer Nachfolger gefunden ist. Die Bank Coop hat Waespi bereits Anfang August verlassen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von V. Humbert, Carouge
    Donnerwetter. Banken und Rechtschaffenheit scheinen definitiv nicht kompatibel zu sein. Bescheisst da wirklich jeder? Und 3 Jahre Berufsverbot sei ein harte "Strafe"? Ich träume wohl. Dieser feine Herr gehört hinter Gitter. Wie gesagt: null Rechtsempfinden und völlig einsichtsresistent: Die Merkmale eines guten CH Bänkers. Unerträglich.
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  • Kommentar von Charles Dupond, Vivis
    Auch die FINMA haengt gelegentlich einen Kleinen. Die Grossen schuetzt sie vor den Kunden, Buergern und den Staaten, statt diese vor jenen. Eine bis hin zu einem Bundesrat beliebte Ausrede ist, man habe sich nicht persoenlich bereichert. Wie wenn die kriminelle Bereicherung von Aktionaeren und Bonierten weniger schlimm und schaedlich waere. In Nochrechtsstaaten geht die Treue zu Recht und Staat der "Treue" zu kriminellen Lohnsklavenhaltern noch vor....
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Hat ein COOP so etwas nötig ? Wo er doch sonst überall gute Gewinne mit den Lebensmittel macht . Jemand muss doch einen Gewinn gehabt haben von den illegalen Aktienmanipulationen - somit ist doch jemand der Geschädigte. Ich vernehme, niemand habe sich bereichert wegen diesen falschen Aktienwerten, aus welchem Grund wurden sie denn manipuliert ? Um die Nachfrage zu puschen, also doch schwere Täuschung und überbezahlte Aktien kassiert - so sieht der Fall der COOP -Bank aus. Keine Straftat- owaua.
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