Eine App könnte den Zahlungsverkehr revolutionieren

Revolution im Zahlungswesen? Ein Zuger Start-up-Unternehmen will Zahlungen weltweit innerhalb von Sekunden ermöglichen – via App auf dem Handy. Eine Idee, die auch in der Finanzwelt zu reden gibt.

Symbolbild: Eine Hand hält ein Smartphone mit Apps. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bald kann man in der Schweiz mit einer speziellen App Geld überweisen. SRF

Das Start-up-Unternehmen Monetas des Südafrikaners Johann Gevers hat zwar noch keine eigenen Büros in Zug, aber eine Geschäftsidee: Dank einer neuen Verschlüsselungs-Technologie, wie sie auch bei digitalen Währungen wie Bitcoins verwendet wird, will er den Zahlungsverkehr vereinfachen und beschleunigen.

Weltweite, sekundenschnelle Überweisung

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Bitcoin

Die Währung Bitcoin wurde 2009 von einem unbekannten Programmierer erfunden. Das virtuelle Geld wird laufend durch ein komplexes kryptographisches Verfahren in einem Computernetzwerk geschöpft und verwaltet. Die maximale Anzahl an Bitcoins, die jemals erzeugt werden können, ist auf 21 Millionen festgelegt.

Dafür brauche es keine Bank, eine App fürs Mobiltelefon reiche aus. «Damit kann man dann weltweit augenblicklich Geld weltweit und in jeder Währung senden und empfangen», umschreibt Gevers die Möglichkeiten des Programms. Das heisst, Einkäufe oder andere Geldgeschäfte übers Internet können deutlich schneller getätigt werden als heute.

Seit 2012 tüftelt eine Gruppe von Entwicklern an dieser App. Im Sommer folgt der Härtetest, dann soll eine erste Version für Smartphone-Besitzer erhältlich sein. Die Verbreitung als App für Mobiltelefone ist ganz bewusst gewählt, weil diese Geräte mittlerweile auf der ganzen Welt verwendet werden.

Gevers zielt mit seinem Projekt nämlich nicht nur auf Kunden in der Schweiz, sondern vor allem auf solche in weniger entwickelten Ländern. Denn: «Die Hälfte der Welt hat noch keinen Zugang zu finanziellen Dienstleistungen.» Sie würden nur Bargeld kennen, «falls überhaupt».

«Chance für die Banken»

Mit der neuen Art Internet-Handel über diese speziellen verschlüsselten Codes drängen also neue Unternehmen wie Monetas in ein traditionelles Geschäft der Banken.

Der ehemalige Banker Jürgen Bott sieht darin keine Bedrohung des weltweiten Bankensystems. Bott beschäftigt sich heute als Professor für Finanzmanagement an der Fachhochschule Kaiserslautern mit digitalen Währungen. Vielmehr seien die neuen Möglichkeiten eine Chance für Banken, ihre Zahlungssysteme zu erneuern.

Allerdings hätten die Finanzhäuser bisher auf ähnliche Neuerungen meist ablehnend reagiert. «Wenn die Banken auch hier so reagieren, wird es sehr schwer werden für sie, an den Vorteilen dieses neuen Instruments teilzuhaben», ist Bott überzeugt.

Banken lancieren ähnliches System

Sascha Breite von der Firma Sixx Payment Services, welche den gesamten Zahlungsverkehr der Banken abwickelt, wehrt sich gegen diese Feststellung. Breite ist zuständig für die Systeme der Zukunft. Die Banken seien nun daran, neue Zahlungsmöglichkeiten zu entwickeln, sagt er. Im Sommer werde ein solches, sogenanntes Peer-to-Peer-Zahlungssystem in der Schweiz auf den Markt kommen. Daran seien auch Schweizer Banken beteiligt, betont er.

Im internationalen Zahlungsverkehr kann der Spezialist der Crypto-Technologie einiges abgewinnen: «Es ist sicher eine Riesenchance, dass die Banken solche Systeme aufbauen und einsetzen.» Derzeit stecke die Technologie aber noch in den Kinderschuhen, und sie müsse einfacher in der Handhabe werden.

Ausserdem gebe es für Banken noch eine Reihe offener Fragen. Zum Beispiel: Während bei Bankgeschäften die Privatsphäre gross geschrieben wird, sind Transaktionen im Internet mit solch verschlüsselten Codes für alle einsehbar.

Trotzdem könnte diese neue Technologie die Art, wie Geld künftig transferiert wird, prägen. Die Kundschaft wird entscheiden, wie viel Privatsphäre sie bei Geschäften im Internet will und so die Standards mitdefinieren.