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Autoträume Elektroautos: Schweiz mit angezogener Handbremse

2016 war nur ein Prozent der Neuwagen rein elektrisch betrieben. Fördergelder fliessen spärlich. Ganz anders sieht es dafür in Norwegen aus.

Legende: Video Stillstand statt Durchbruch abspielen. Laufzeit 8:34 Minuten.
Aus Rundschau vom 08.03.2017.
  • Nur 3295 Neuwagen in der Schweiz waren 2016 reine Elektroautos.
  • Erst das neue CO2-Emissionsgesetz ab 2020 wird dem Absatz neuen Schub geben.
  • Die Zahl öffentlichen Strom-Ladestationen wird kontinuierlich ausgebaut.
  • In Norwegen fahren im Vergleich am meisten Elektrofahrzeuge, weil der Staat den Absatz fördert und Importsteuern erlässt.

Im vergangenen Jahr waren von 317‘318 in der Schweiz verkauften Personenwagen gerade einmal 3295 Elektrofahrzeuge mit Batteriebetrieb – rund ein Prozent.

Grund für die Skepsis bei den Käufern sind der hohe Preis von Elektrofahrzeugen, die immer noch geringe Reichweite und fehlende öffentliche Schnell-Ladestationen. Zwar werden in einzelnen Kantonen Elektroautos steuerlich bevorzugt. Die Wirkung scheint jedoch zu verpuffen.

Neues CO2-Gesetz als Anschubhilfe

Die Schweiz setzt auf den Markt. Helfen soll dabei ab 2020 ein neues C02-Emissionsgesetz: Dann bezahlen Autohersteller und Importeure Bussen, wenn die Autos ihrer Flotte durchschnittlich mehr als 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstossen. Ein Gesetz, das die Schweiz von der EU übernimmt.

«Die Autoindustrie wird dann günstigere und effizientere Elektroautos auf den Markt bringen müssen, um diese Ziele zu erreichen», sagt Christian Bauer, Grundlagenforscher am Paul Scherrer Institut, gegenüber der «Rundschau».

Ausbau der Infrastruktur

Die Industrie reagiert bereits jetzt. Das Netz der öffentlichen Ladestationen wird kontinuierlich ausgebaut. Zurzeit gibt es erst 1700 solcher öffentlichen Strom-Tankstellen. Peter Arnet, Geschäftsführer von Alpiq E-Mobility AG spricht gar von einem Megatrend: «Der Trend zum Elektroauto wird durch das neue Abgasgesetz an Schub gewinnen».

Die Schweiz bewegt sich beim Verkauf von Elektroautos im europäischen Vergleich trotz geringer gesetzlicher Förderung in den vorderen Rängen – hinter Norwegen, Schweden und den Niederlanden. Grund dafür ist die hohe Dichte des Luxus-Elektroautos Tesla.

Aber am Autosalon Genf sind heuer wenig Elektroautos zu sehen. Es heisst, die ganz grossen Überraschungen bei den Elektrofahrzeugen seien auf kommendes Jahr verschoben. Es dominieren weiterhin die Benzinautos.

Elektroautoland Norwegen

Absoluter Spitzenreiter ist Norwegen. Dort ist fast jedes fünfte Neufahrzeug ein reines Elektrofahrzeug. Verantwortlich für diesen hohen Marktanteil ist eine ganze Palette von staatlichen Förderungsmassnahmen.

Zum einen werden in Norwegen keine Importsteuern für Elektrofahrzeuge erhoben. Zum andern gibt es viele Gratisparkplätze mit Ladestationen – und Elektroautos dürfen die Busspur benutzen. Bisher sind dem Staat durch die wegfallende Importsteuer nach Schätzungen rund 700 Millionen Euro entgangen.

Der norwegische Transportminister Ketil Solvik-Olsen sieht den Erfolg Norwegens klar in der massiven staatlichen Förderung: «Wir werden die Unterstützung noch so lange weiterführen, bis der Elektroauto-Markt gross genug ist und sich auch ohne Hilfe durchsetzen wird.»

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64 Kommentare

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  • Kommentar von Ulrike Schneider (Uli)
    Lithium? Gibt es überhaupt soviel Lithiumvorkommen für die ganzen Batterien?
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    1. Antwort von Christian Szabo (C. Szabo)
      In den vorhandenen Minen gibt es ca. 14 Mio Tonnen. Global schätzt man das Vorkommen auf 40 Mio Tonnen. Als Vergleich: Es ist ca. 100 mal weniger häufig wie Natrium (NaCl : Kochsalz etc.), das nun wirklich sehr häufig vorkommt. Die Gewinnung ist etwas aufwendig, da Lithium sehr reaktiv ist. Aber als LiCO3 kann es gut gehandelt werden. Also keine Sorgen. selbst im Weltraum ist es nicht selten, da es zu leichten Elementen gehört, die relativ früh in der Entstehung des Alls gebildet wurden.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    E-Autos sind nur eine neuer Absatzmarkt für die stagnierende Autoindustrie. Ob unsere Umwelt dadurch besser wird, wage ich mal anzuzweifeln. Alleine schon der Aufwand der Produktion und die Menge an Batterien ist höchst umweltschädlich. Deren Rohmaterialien werden rund um die Erde transportiert und wieder zurück, nur das wir hier dann kein CO2 mehr ausstossen. Alternativen wie Brennstoffzellen oder Generatorenmotore gehen unter. Dabei wären die Ökologischer und Praxisgerechter.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Wenn man will findet man immer ein Haar in der Suppe.
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ich weiss nicht was Sie meinen: a) Der Aufwand für die Produktion ist unwesentlich höher als bei heutigen Autos. b) Für die Batterien braucht es ein Recycling Konzept, das sei zugegeben aber es ist nicht das einzige Recycling das wir machen. c) Der Transport solcher Produkte ist mit Sicherheit weniger schädlich als der von Erdöl. d) Generatormotor? Der läuft auch mit Batterie und ich erwarte dass jedes E-Auto mit solchen läuft. e) Brennstoffzelle braucht immer noch fossilen Brennstoff.
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  • Kommentar von Philippe Minder (Philippe Minder)
    Ich wäre gerne elektrisch oder zumindest teilelektrisch (Plug in Hybrid) unterwegs, da ich einen kurzen Arbeitsweg von <10 km habe und selten Langstrecke fahre. Für mich aber trotzdem keine Option, wie für viele andere in diesem Land auch: Tiefgaragen ohne Lademöglichkeit. Zuerst muss die Infrastruktur her in Tiefgaragen und Parkplätzen am Wohnort und Arbeitsplatz.
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