Emmi wächst vor allem im Ausland

Rund 1,6 Milliarden Franken Umsatz und 60 Millionen Gewinn: So lautet die Bilanz des grössten Schweizer Milchverarbeiters Emmi im ersten Halbjahr. Das sind leicht höhere Zahlen als erwartet. SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann erklärt, wo und womit das Geschäft besonders gut läuft.

Emmi Caffè Latte: Becher in einem Karton. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das starke Wachstum im Ausland machte die Verluste in der Schweiz wett. Keystone

SRF News: Emmi wächst vor allem im Ausland stark – wo und wie?

Klaus Ammann: Emmi exportiert immer mehr seiner Schweizer Produkte ins Ausland und kauft Produzenten, die in Nischen, die überdurchschnittlich rentabel sind, tätig sind. Zum Beispiel Ziegenmilch, Biomilch und laktosefreie Produkte. Dazu kauft Emmi bei Produzenten in verschiedenen Regionen der Welt ein – zuletzt hat der Konzern in Kalifornien Spezialitätenkäsereien übernommen, aber auch in Chile und den Niederlanden Beteiligungen an Unternehmen gekauft. Emmi nutzt nun deren Netzwerk, um eigene Produkte im Ausland zu verkaufen.

Gleichzeitig gehen die Verkäufe auf dem Heimmarkt zurück. Warum?

Grundsätzlich verkaufen sich Milchprodukte in der Schweiz weniger gut als auch schon. Der Absatz ist jedes Jahr ein paar Prozente zurückgegangen in den letzten Jahren, obwohl ja die Bevölkerung in der Schweiz zugenommen hat. Die Gründe dafür sind vielfältig. Der Hauptgrund ist der Preis. Die Schweizer Produkte sind teurer als ausländische – Stichwort Einkaufstourismus. Zudem sind Milchprodukte nicht mehr so populär wie auch schon. Viele Leute haben Allergien. Trotz des rekordtiefen Preises, den die Bauern für ihre Milch erhalten, können die Verarbeiter weniger absetzen, und Schweizer Milchprodukte bleiben trotzdem vergleichsweise teuer.

Wie reagieren Emmi und andere Milchverarbeiter darauf?

Sie setzen auf wertschöpfungsintensive Produkte. Das heisst, sie versuchen, möglichst viel aus der Milch, die sie einkaufen, zu machen, und damit den Umsatz pro Liter Milch zu steigern. Konkret verkaufen sie nicht nur Milch, Rahm und Käse, sondern abgefüllte Caffè Latte oder laktosefreie Joghurts und so weiter. Und sie versuchen zu wachsen, mehr zu produzieren, um die Kosten pro Joghurt oder Käselaib zu senken. Dazu expandieren sie – wenn möglich – ins Ausland.

Der Schweizer Milchmarkt ist ja zurzeit noch durch Zölle teilweise geschützt. Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll dieser Zollschutz jedoch fallen. Wird dann die Situation für Schweizer Milchverarbeiter schwieriger?

Tatsächlich werden dann die Preise noch stärker unter Druck kommen und ausländische Milch und Milchprodukte hier günstiger werden. Emmi rüstet sich vor allem, indem der Konzern das Auslandsgeschäft forciert. Noch vor zehn Jahren betrug der Anteil weniger als 25 Prozent, heute generiert Emmi bereits 44 Prozent des Umsatzes im Ausland. Das Ziel sind 50 Prozent. Andere kleinere Milchverarbeiter dürften es schwieriger haben. Milchbauern und Konsumenten werden wohl noch stärker auf die grossen Verarbeiter wie Emmi schauen, dabei ist Emmi heute bereits ein grosser Player auf dem Milchmarkt. Der Konzern kauft 40 Prozent der Schweizer Molkereimilch ein. Zumindest ein Teil der Schweizer Milchbauern ist direkt mit dem Schicksal des Unternehmens verbunden.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.