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Wirtschaft Erster Gerichtstermin für Raoul Weil

Unrasiert und in Handschellen, so ist der Ex-UBS-Banker in Italien dem Richter vorgeführt worden. Seit dem Wochenende sitzt Raoul Weil in Bologna im Gefängnis. Der ehemalige UBS-Topmanager wird von den USA per Haftbefehl gesucht.

Vom 4-Sterne-Hotel direkt ins Gefängnis. Die Verhaftung am vergangenen Samstag kam für Raoul Weil offenbar überraschend. Nun musste der Ex-Banker erstmals vor dem Gericht in Bologna erscheinen.

Gemäss Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erschien der ehemalige Chef der UBS-Vermögensverwaltungsabteilung unrasiert, mit einer Freizeithose und einer blauen Jacke gekleidet vor Gericht. Polizeibeamte führten ihn in Handschellen ins Gerichtsgebäude.

20 Milliarden Schadenssumme

Vor Gericht war die Öffentlichkeit nicht zugelassen. Beobachter gehen davon
aus, dass es bei dem Termin um die Modalitäten einer Auslieferung an die USA ging. Abschliessend wird das italienische Justizministerium darüber entschieden. Weil drohen in den USA bis zu fünf Jahre Haft und 250'000 Dollar Geldstrafe. Er muss vorerst in U-Haft bleiben.

Begleitet wurde er von seiner Frau und seinen italienischen Anwälten. Die US-amerikanischen Behörden werfen ihm vor, Tausenden von Bankkunden geholfen zu haben, 20 Milliarden Dollar vor dem Fiskus zu verstecken. Die UBS selbst konnte sich 2009 mit der Zahlung von 780 Millionen Dollar und der Lieferung von rund 4500 Kundennamen von einer Strafverfolgung freikaufen.

Keine Gefahr für ehemalige Konzernspitze

Raoul Weil ist der bisher höchste Schweizer Banker im Visier der Amerikaner. In der 2008 gegen Weil eingereichten Anklageschrift war aber auch die Rede von weiteren «Mitverschwörern» auf der obersten Management-Ebene der UBS. Damals war Peter Kurer Präsident der UBS, Peter Wuffli UBS-Konzernchef – beide sind nicht angeklagt.

Gleichwohl können Schweizer Banker mit Kunden in Amerika nicht sicher sein, dass nicht bisher unbekannt Verfahren gegen sie laufen und möglicherweise versiegelte Anklagen gegen sie vorliegen. Der Chef der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer, Martin Naville, sagt: «Ich würde sagen, es gibt etwa 1000 Leute, die nicht in die USA reisen, weil sie Angst haben.» Wirklich von einer Anklage bedroht seien wahrscheinlich weniger als 50. Genaueres wisse niemand. «Aber wir sprechen von Dutzenden und nicht Tausenden Bankern», so Naville.

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