Garcia-Bericht Ex-Fifa-Chefethiker kritisieren Präsident Gianni Infantino scharf

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FIFA veröffentlicht Garcia-Bericht

1:04 min, aus Tagesschau Nacht vom 27.6.2017
  • Die beiden Ex-Ethikchefs des Weltfussballverbandes Fifa Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbély haben Fifa-Präsident Gianni Infantino für die Veröffentlichung des sogenannten Garcia-Reports kritisiert. Sie sehen in der Veröffentlichung einen Verstoss gegen die gültigen Regeln des Fussballweltverbandes.
  • Die Fifa hatte den Untersuchungsbericht seines ehemaligen Fifa-Chefermittlers Michael Garcia zur umstrittenen Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaft in Russland und Katar im Jahre 2018 und 2022 veröffentlicht.
  • Daraus gehen unregelmässige Zahlungen seitens der Kandidatur Katar an Fifa-Exekutivmitglieder hervor. Klare Beweise für den Kauf einer Endrunde scheint es jedoch weder im Bezug auf Katar noch Russland zu geben.

Der ehemalige Fifa-Richter Eckert und der Fifa-Chefethiker Borbély stellen in ihrem Statement fest, dass die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts nicht mit den Fifa-Regeln vereinbar sei: «Zum einen verpflichtet Artikel 36 des Fifa-Ethik-Kodex die Mitglieder der Ethikkommission zur Verschwiegenheit und untersagt die Veröffentlichung von Informationen, die im Laufe eines Verfahrens verwendet werden könnten. Zum anderen sind die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten zu schützen.» Dies sei deshalb relevant, weil der Bericht lediglich ein Arbeitsdokument darstelle. Diese Position sei durch einschlägige Rechtsgutachten bestätigt worden.

Weiterhin erinnerten die Juristen an einen Beschluss des damaligen Fifa-Exekutivkomitees aus dem Jahr 2014, wonach nur Eckert über eine Veröffentlichung befinden könne, «sobald alle Verfahren, inklusive möglicher Rekurse vor dem CAS, beendet sind.» Dies sei bislang nicht der Fall.

Darüber hinaus weisen die beiden Juristen den Vorwurf, die Veröffentlichung des Berichts aktiv verhindert zu haben, von sich: «Abschliessend gilt festzuhalten, dass sich Herr Infantino bis zum heutigen Tage nie wegen einer Veröffentlichung an uns gewandt hat», heisst es in einem Statement der beiden Juristen.