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Fairtrade-Kakao Reicht der höhere Preis für die Kleinbauern?

Legende: Audio Fairtrade International hebt den Mindestpreis für Kakao abspielen. Laufzeit 02:03 Minuten.
02:03 min, aus HeuteMorgen vom 04.12.2018.

Wer Fairtrade Schokolade kauft, geht davon aus, dass der Produzent – zum Beispiel der Kakaobauer an der Elfenbeinküste – davon leben kann. Oft ist das aber nicht der Fall, deshalb hebt Fairtrade International nun den Mindestpreis für Kakao um 20 Prozent an. Ob es reicht? Das ist ungewiss.

Ab Herbst 2019 garantiert Fairtrade den Bauern weltweit anstatt 2000 US-Dollar pro Tonne Rohkakao neu 2400 Dollar. «Aktuell ist es so, dass der Marktpreis für Kakao unter diesem Preis liegt. Ich habe am Montag nachgeschaut: 2144 Dollar», sagt Fabian Waldmeier, Leiter Internationale Zusammenarbeit bei Max Havelaar Schweiz. Er erklärt weiter: «Wenn man sich aber das langjährige Mittel anschaut, dann hat sich der Preis irgendwo zwischen 2000 und fast 3500 Dollar bewegt. Von daher geht es darum, die Ausschläge nach unten besser abzufedern.»

Wenn man sich aber das langjährige Mittel anschaut, dann hat sich der Preis irgendwo zwischen 2000 und fast 3500 Dollar bewegt.
Autor: Fabian WaldmeierLeiter Internationale Zusammenarbeit Max Havelaar Schweiz

Die Kakaoproduzenten, meist sind es Kleinbauern, die das Fairtrade-Label haben, können also künftig mit einem deutlich höheren Mindestpreis rechnen. Trotz Fairtrade-Zertifikat leben allerdings viele von ihnen in Afrika und Lateinamerika unter der Armutsgrenze. Reichen da 20 Prozent mehr?

«Im Fairtrade-System ist bis jetzt der Preis immer ein Instrument des Sicherheitsnetzes gewesen. Der Preis soll kostendeckend sein. Deshalb ist er sicherlich eher tief angesetzt – und kommt dann zur Anwendung, wenn die Weltmarktpreise wirklich in den Keller gehen», sagt Waldmeier.

Arbeiter schöpfen Fruchtfleisch und Samen aus Kakao.
Legende: Der Mindestpreis für Kakao wird erhöht – doch reicht das für die Kleinbauern? Keystone/Archiv

Meist gilt: Je grösser und effizienter ein Betrieb, desto eher hat der Kakaobauer genug zum Leben. Mit der aktuellen Mindestpreiserhöhung mache man einen wichtigen Schritt, betont Waldmeier.

Der Preis soll kostendeckend sein. Deshalb ist er sicherlich eher tief angesetzt – und kommt dann zur Anwendung, wenn die Weltmarktpreise wirklich in den Keller gehen.

Er kündigt aber gleichzeitig an, dass sich Fairtrade weitere Schritte überlege, um die Einkommen von Kleinbauern zu verbessern. Nachhaltigkeitslabel sind von den Konsumenten zwar zunehmend gefragt, doch die Konkurrenz unter ihnen hat die Preise tief gehalten.

Nicht nur Fairtrade reagiert nun: Auch die eben erst fusionierten anderen grossen Labels Utz und Rainforest Alliance entwickeln derzeit ein neues Vergütungssystem. Ob und um wie viel die faire Schokolade in den Schweizer Verkaufsregalen wegen der Mindestpreiserhöhung aufschlägt, lässt sich noch nicht sagen.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Florian Studer (Florian Studer)
    Ein kostendeckender Preis und dennoch leben über 70% der Fairtrade-zertifizierten Bauern unter der Armutsgrenze. Nimmt mich wunder wie Fairtrade ihre kostendeckenden Preise berechnet? (Quelle: GIZ (2018: Preisgestaltung in der Wertschöpfungskette Kakao; Ursachen und Auswirkungen. Bonn.)
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  • Kommentar von Robert Frei (RFrei)
    Zur Umfrage. So einfach wie die Fragen gestellt sind ist das nicht. Ich möchte beide Fragen mit "ja" beantworten.
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  • Kommentar von Anita Rusterholz (Anita Rusterholz)
    Nachhhaltig produzieren müsste auf der ganzen Welt grosse Bedeutung haben. Die Kleinbauern müssen für dieses Label mehr Geld erhalten, kostendeckend muss der Preis sein, das ist schon mal fair. Gönne ich von Herzen den Kakao Kleinbauern. Und auf Unkrautvernichter und Plastik müssten wir ganz verzichten. Ganz fair produzieren für unsere Gesundheit und das Überleben aller Tiere.
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