Fifa-Skandal: Schweizer Banken mittendrin

Schweizer Banken haben bis vor Kurzem Konten hochrangiger Fifa-Funktionäre geführt – obwohl seit Jahren aktenkundig ist, dass sie im grossen Stil Schmiergelder entgegengenommen hatten. Das zeigt das Rechtshilfegesuch, das die US-Justizbehörde an das Schweizer Justizdepartement geschickt hat.

Eingang Fifa-Gebäude. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Fifa-Funktionäre haben nachweislich Schmiergelder in Empfang genommen – und Schweizer Banken führten deren Konten. Keystone

Joseph Blatter und Nicolas Leoz. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Empfänger von Schmiergeldern: Nicolás Leoz (re.). Aufnahme von 2011, mit susp. Fifa-Präsidenten Joseph Blatter. Keystone

Die Vorwürfe im Rechtshilfegesuch der US-Justizbehörden sind happig: Organisierte Kriminalität, Absprache zur organisierten Kriminalität, Betrug im Zusammenhang mit elektronischem Zahlungsverkehr sowie Geldwäsche und Absprache zur Geldwäsche.

Unter den namentlich genannten Fifa-Funktionären findet sich unter anderem Nicolás Leoz. Der 87-jährige Leoz war bis 2013 Präsident des südamerikanischen Fussballverbands Conmebol sowie Mitglied im Exekutiv-Komitee der Fifa.

Empfänger von Schmiergeldern

Seit allerspätestens 2008 ist aktenkundig, dass Leoz zwischen 1997 und 2000 Empfänger von Schmiergeldern war. Dann nämlich fand in Zug der Strafprozess gegen die Sportmarketing-Agentur International Sport and Leisure (ISL) statt, welche 2001 in Konkurs gegangen war. Von 1989 bis 1999 zahlte die ISL 138 Millionen US-Dollar Schmiergeld an diverse Sportfunktionäre, darunter mehrere Fifa-Funktionäre

Ricardo Teixera. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Steckte wie auch sein damaliger Schwiegervater João Havelange Schmiergelder Millionenhöhe ein: Ricardo Teixera. Keystone

Auch von Ricardo Teixera ist im Zusammenhang mit ISL aktenkundig, dass er Schmiergelder entgegengenommen hatte: Von 1992 bis 2000 steckte Teixera zusammen mit seinem damaligen Schwiegervater João Havelange, dem Vorgänger von Joseph Blatter als Fifa-Präsident, Schmiergelder in zweistelliger Millionenhöhe ein. Der 68-jährige Teixera war von 1994 bis 2012 Mitglied des Exekutiv-Komitees der Fifa und von 1989 bis 2012 Präsident des brasilianischen Fussballverbands.

Im Rechtshilfegesuch der US-Justiz tauchen die Namen verschiedener Schweizer Banken auf, bei denen Teixera und Leoz Konten hatten: Darunter sind Credit Suisse, UBS, Julius Bär und Pictet. Teilweise fanden bis vor Kurzem noch Transaktionen statt: Leoz zum Beispiel erhielt laut Rechtshilfegesuch noch im Oktober 2012 Geld.

Banken äussern sich nicht

Laut der eidgenössischen Finanzmarktaufischt Finma müssen Schweizer Banken bei Geschäftsbeziehungen mit politisch exponierten Personen, sogenannten PEPs, «erhöhte Aufmerksamkeit» walten lassen. Zudem verfügt die Schweiz seit 1997 über ein Geldwäschereigesetz, das seither ausgebaut wurde. Das Gesetz schreibt etwa vor, dass Banken die wirtschaftlichen Hintergründe und den Zweck von Transaktionen oder Geschäftsbeziehungen abklären müssen, wenn diese ungewöhnlich erscheinen.

Weshalb also führten Schweizer Banken Konten von Personen, die nachweisbar in der Vergangenheit Schmiergelder in Empfang genommen hatten? Die UBS nimmt gegenüber «ECO» keine Stellung und verweist auf ihren Geschäftsbericht. Dort heisst es, dass die Bank im Zusammenhang mit Anfragen zur Fifa mit den Behörden zusammenarbeite.

Auch die Credit Suisse schreibt, dass sie mit der US-Justiz zusammenarbeite. Ähnlich Pictet: «Das Bankgeheimnis und die Politik der Bank verbieten es uns grundsätzlich, Kommentare zu laufenden Untersuchungen oder Personen abzugeben. Selbstverständlich würden wir unseren rechtlichen Verpflichtungen nachkommen und kooperieren auf Verlangen oder wenn es die Umstände erfordern mit den zuständigen Behörden.» Und Julius Bär schreibt: «Zu vermuteten oder tatsächlichen Kundenbeziehungen nehmen wir grundsätzlich keine Stellung.»

Sorgfaltspflichten nicht erfüllt?

Für Geldwäscherei-Experte Daniel Thelesklaf ist nach Durchsicht des Rechtshilfegesuchs klar: «Entweder man hat nicht gesehen, mit wem man es zu tun hat, dann hat man die Sorgfaltspflichten nicht erfüllt. Oder man hat gesehen, um wen es sich handelt, und ging das Risiko ein und hat sich gesagt, Privatbestechung ist kein schweres Delikt.»

Und weiter: «Denjenigen, die in den Banken zuständig waren für diese Kundenbeziehungen, empfehle ich, einen guten Anwalt zu suchen.»

Ex-Fifa-Präsident belastet Blatter schwer

In einem notariell beglaubigten Schreiben belastet João Havelange seinen Nachfolger Joseph «Sepp» Blatter schwer. Dieser habe «volle Kenntnis» davon gehabt, dass Havelange Zahlungen des früheren Geschäftspartners ISL erhalten habe.

Joao Havelange Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: João Havelange, Joseph Blatters Vorgänger als Fifa-Präsident. Aufnahme von 2010. Keystone

Diese Zahlungen wurden von verschiedenen Schweizer Gerichten als «Schmiergeld» taxiert. Havelange musste den Titel als Ehrenpräsident abgeben, nachdem bewiesen war, dass er über Jahre hinweg mehr als 20 Millionen Franken von der ISL erhalten hatte.

Havelange, Teixeira und die Fifa mussten nach einem Strafverfahren einen Teil der kassierten Schmiergelder zurückerstatten. Fifa-Anwälte waren jahrelang gerichtlich dagegen vorgegangen, dass entsprechende Justiz-Akten öffentlich werden. In seinem notariell beglaubigten Schreiben sagt Havelange nun auch aus, dass er keine Anwaltskosten bezahlen musste, da die Fifa unter Präsident Blatter sämtliche Verfahrens- und Anwaltskosten übernommen habe.

Auf Anfrage von «ECO» sagen zwei Berater von Joseph Blatter zum zitierten Dokument, respektive dem darin formulierten Vorwurf der Mitwisserschaft:
«Für den Präsidenten Blatter ist der Vorgang ISL abgeschlossen.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Fifa: Die Rolle der Schweizer Banken

    Aus ECO vom 7.12.2015

    Führende Fifa-Funktionäre waren bis in die jüngste Zeit gute Kunden von Schweizer Banken – auch nachdem aktenkundig war, dass sie jahrelang Schmiergelder angenommen hatten. Nun stellt sich die Frage, ob die Regelüberwachung bei Banken versagt hat oder ob einige von ihnen die Risiken in Kauf genommen haben, die wenig vertrauenswürdige Kunden mit sich bringen.