Firmen trotzen Frankenschock – auf Kosten der Arbeitnehmer

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses verdüstert die Aussichten für die exportlastige Schweizerische Maschinenindustrie. Verschiedene Unternehmen aus der Swissmem-Branche versuchen, den Frankenschock mit Sofortmassnahmen abzufedern.

Symbolbild: Euro- und Frankenstück. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Euro ist kaum mehr wert als ein Franken. Das setzt der Schweizer Exportbranche zu. Keystone

Diverse Schweizer Unternehmen haben mit unterschiedlichen Massnahmen auf den Franken-Schock reagiert: So erhöht etwa der Schaffhauser Traditionskonzern Georg Fischer (GF) per sofort die Arbeitszeit von 40 auf 44 Stunden, der Lohn bleibt gleich. So will GF in Zeiten des starken Frankens seine Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Der Medizinaltechnik-Konzern Straumann seinerseits plant einen ganzen Strauss von Sparmassnahmen, darunter sind Lohnkürzungen. So will der Zahnimplantate-Hersteller trotz Frankenschock rentabel bleiben und Arbeitsplätze in der Schweiz sichern.

Arbeitnehmer unter Druck

Die Sparprogramme diverser Unternehmen im letzten Monat hat auch Christian Gusset von der Gewerkschaft Unia beobachtet. Gewisse Arbeitgeber würden ihre Belegschaften und Personalkommissionen massiv unter Druck setzen, damit sie zu den Sparübungen Hand böten, sagt er.

Schwarze Schafe ortet der bei der Unia für die Maschinen- und Metallindustrie zuständige Gewerkschafter vor allem bei Unternehmen, die sich nicht dem Gesamtarbeitsvertrag unterstellt haben. Das ist rund die Hälfte der Branche. «Dort ist ein gewisser Wildwuchs zu beobachten.»

Manche Angestellte müssten Euro-Konten einrichten oder im anderen Fällem Lohnsenkungen akzeptieren. Dabei dürften Arbeitgeber solche Massnahmen eigentlich nicht einseitig verhängen, sagt Gusset. Zuerst müssten Änderungskündigungen ausgesprochen und die neuen Arbeitsverträge individuell ausgehandelt werden.

Massnahmen dürften zunehmen

Andere Spielregeln gelten für Firmen, die dem Branchen-Gesamtarbeitsvertrag unterstellt sind. Sie können den Krisenartikel anrufen und mit der Betriebskommission über längere Arbeitszeiten verhandeln.

Doch in diesem Bereich kenne die Unia bislang nur wenige Firmen, die Massnahmen ergriffen hätten. Das erstaunt Gusset nicht, denn die Erfahrungen der letzten Frankenkrise 2011 hätten gezeigt, dass solche Massnahmen wenig brächten.

Etwas anders tönt es auf Arbeitgeber-Seite: Der Verband der Schweizerischen Maschinenindustrie will den sozialpartnerschaftlich verhandelten Spielraum nutzen können. Im Ausblick auf das Jahr 2015 fordert Swissmem deshalb die Gewerkschaften auf, zu Massnahmen gegen den Frankenschock Hand zu bieten.