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Pharma kauft Forschung ein Forschung im Kleinen für den grossen Konzern

Grosse Pharmaunternehmen übernehmen Startup-Firmen, die ihnen vor allem in der Forschung nützen. Sie kommen so günstig an Innovationen.

Legende: Audio Lebendige Startups in der Schweizer Pharma-Branche abspielen. Laufzeit 4:05 Minuten.
4:05 min, aus Echo der Zeit vom 01.02.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pharmaunternehmen arbeiten zweigleisig, was die Forschung betrifft. Sie forschen selbst und kaufen Wissen von aussen dazu.
  • Startup-Unternehmen in der Pharma- und Medizinaltechnikbranche haben sehr gute Überlebenschancen.
  • In der Umgebung der Technischen Hochschulen in der Schweiz entstehen am meisten neue Unternehmen.

«Zukäufe sind bei den grossen Pharmaunternehmen regelmässig zu beobachten. Forschung ist risikoreich. So können sich die Pharmaunternehmen durch Zukäufe stärken, ohne alle Forschungsbereiche selbst abdecken zu müssen», sagt Martin Eichler, Chefökonom der Konjunkturforschung BaK Basel.

Die Pharma- und Medizinaltechnikunternehmen fahren also eine Doppelstrategie: Sie treiben die hausinterne Forschung voran und ergänzen diese mit zugekauftem Wissen von aussen. Das ist billiger und geht schneller, als alles firmenintern aufzubauen.

«Gefühlte 15 bis 20 Prozent Wachstum im Jahr»

Beat Schillig ist Gründer und Präsident des Instituts für Jungunternehmen. Er und sein Team begleiten Startups bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen. Er stellt bezüglich der Schweizer Startups im Pharma- und Medizinaltechniksektor fest:

«Die Qualität und die Quantität von guten Startup-Projekten hat in der Schweiz zugenommen. Es sind gefühlte 15 bis 20 Prozent Wachstum jedes Jahr.»

Zentriert um die Technischen Hochschulen

Am meisten Startups und Spinoffs im Pharma und Medtechsektor entstehen rund um die beiden Technischen Hochschulen ETH in Zürich und ihre Schwesterorganisation EPFL in Lausanne. Die ETH Zürich sagt, mit 25 Spin-offs jährlich, darunter auch solche aus andern Branchen als Pharma und Medtech, gehöre sie unter den europäischen Hochschulen zur Top-Liga.

Beat Schillig vom Institut für Jungunternehmen widerspricht auch der gängigen Auffassung, wonach die meisten Startups nach kurzer Zeit wieder verschwinden. «Die Überlebenschancen dieser Hightech-Firmen ist sehr hoch. Dreiviertel derjenigen, die 2007 gegründet worden sind, sind effektiv noch am Markt.»

Risiko-Kapital hat zugenommen

Um zu überleben, brauchen die Jungunternehmer Startkapital. Sie können zwar nicht wie ihre amerikanischen Pendants auf ein Heer an steinreichen Sponsoren und Stiftungen zurückgreifen, um ihre Projekte zur Marktreife zu bringen.

Aber das sogenannte Venture Capital, Wagniskapital, habe zugenommen, sagt Beat Schillig und verweist auf neuste Erhebungen dazu. «Da hat sich das Venture Capital Volumen verdreifacht. Es ist jetzt total bei 909 Millionen Franken. Davon sind zwei Drittel dem Livescience zuzurechnen.»

Für Schillig steht deshalb fest, dass es bei den Jungunternehmen im Pharma- und Medtechsektor nicht einfach einen Boom gab, der wieder verpufft ist, sondern es sei ein eigentlicher Trend zu mehr und besseren Startups zu beobachten.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Die Grossen in der Branche lassen bei diesem Vorgehen die Investoren im Venture- Bereich einen wichtigen Teil der Forschung bezahlen: Würden sie all diese Projekte selbst führen müssten die Firmen auch gescheiterte Entwicklungen finanzieren. Bei der Entwicklung durch Startups können sie es sich leisten erst einzusteigen wenn das Risiko viel besser abschätzbar und auch kleiner geworden ist. Die weniger erfolgreichen Startups lässt man dann einfach untergehen. Kein Wunder ist das günstig.
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