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Wirtschaft «Frankenschock»: Migros-Gewinn bricht ein

Die starke Währung belastet die Erträge des Migros-Konzerns erheblich. Der Reingewinn des Unternehmens sei im vergangenen Jahr um rund 100 Mio. Fr. gedrückt worden, sagt Firmen-Chef Herbert Bolliger. Und der «Frankenschock» sei noch nicht ausgestanden.

Migros-Firmenschild
Legende: Reingewinn auf Talfahrt. Die Migros bekommt die Frankenstärke zu spüren. Keystone

Die Frankenstärke drückt den Reingewinn der Migros für 2015 um rund 100 Millionen Franken nach unten. Das sagte Migros-Chef Herbert Bolliger der «SonntagsZeitung». Beim Umsatz hat der Konzern schon am Freitag eine Stagnation gegenüber dem Vorjahr bekanntgegeben.

«Trendwende kam mit dem heissen Sommer»

Wie hoch der Gewinn ausfallen wird, sagte Bolliger dem Blatt allerdings nicht. Im Vorjahr verdiente die Migros unter dem Strich 870 Millionen Franken. Der Umsatz lag 2015 bei 27,4 Milliarden Franken. Das war ein Minus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Coop hatte derweil 4,6 Prozent eingebüsst.

Bis Ende Mai sei die Migros sehr gut unterwegs gewesen, sagte Bolliger weiter. «Die Trendwende kam mit dem heissen Sommer und beim Reisegeschäft mit dem Terroranschlag in Tunesien.»

2016 wird eine grosse Herausforderung. Negativmeldungen werden sich häufen
Autor: Herbert BolligerChef des Migros-Konzerns

Der «Frankenschock» sei aber wohl noch nicht ausgestanden, fügt Bolliger hinzu. Er höre von «Wirtschaftskapitänen», dass der Stellenabbau noch nicht abgeschlossen sei. «2016 wird eine grosse Herausforderung. Negativmeldungen werden sich häufen.»

Was das für die Migros bedeutet, dazu hält sich Bolliger bedeckt. Nachdem im vergangenen Jahr bei Chocolat Frey und Globus Stellen verloren gegangen seien, gebe es «im Moment» keine weiteren Abbaupläne, sagte er. Es gebe aber laufend Überprüfungen.

Legende: Video «Migros expandiert in den Gesundheitsbereich» abspielen. Laufzeit 3:53 Minuten.
Aus 10vor10 vom 15.01.2016.

Zwist um Siroop

Scharfe Kritik übt Bolliger im Interview an der Rolle des Verwaltungsratspräsidenten von Coop und Swisscom, Hansueli Loosli, bei der geplanten Onlinehandelsplattform Siroop der beiden Unternehmen. Es sei «illusorisch», wenn Loosli sage, er trete jeweils in den Ausstand. «Letztlich trägt Loosli die Verantwortung für das Gelingen.»

Migros kann sich nur vorstellen, seine Produkte auf Siroop anzubieten, wenn es eine Entschädigung gebe für das Traffic-Aufkommen, das dadurch generiert würde, sagte Bolliger. «Ich denke da an 5 bis 10 Prozent des Umsatzes.» Das Geschäftsmodell von Coop und Swisscom sieht vor, dass eine Firma dafür zahlt, um auf Siroop seine Waren anzubieten.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Reto Staub (rest)
    Ich denke unsere Supermärkte und Discounter sind nicht immer die Moralapostel. Das hat man gsehen als Aldi und Lidl in die Schweiz kam. Plötzlich konnte man die Preise senken. Die 770 Mio Gewinn, die kritisiert werden, sehe ich als ok. Ich meine für uns ist dies eine riesen Summe. Aber wenn ich sehe das einen Umbau einer einzigen MMM-Migros-Filiale 15 Mio. kostet oder eine neue Filiale, Logistik, Inventar...Ich meine damit, dass Geld da sein muss, um zu investieren oder etwas zu erhalten.
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  • Kommentar von Benedikt Rosenberg (Amadeus)
    FRANKENSCHOCK, GENWINNEINBRUCH!!!!!! Die Migros verdient immer noch sage und schriebe traumhafte 770 MIO Franken. Was ist eigentlich los mit unserer Welt? Mehr als 5% Nettorendite und es wird von SCHOCK und GEWINNEINBRUCH geschrieben.
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    1. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      Den Gewinn darf man nicht nur absolut sehen. Bei ca. 27 Mia Fr. Umsatz sind dies weniger als 3% Gewinn. Ein Kleinbetrieb mit 1 Mio. Umsatz und nur 30'000 hat keinen "traumhaften". Der relative Gewinn ist eben viel massgebender, denn grosse Unternehmen müssen absolut gesehen auch viel mehr investieren als ein Einmannbetrieb!
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    2. Antwort von Claude Nobs (bernstein)
      @dupont der reingewinn ist das was nach allen investitionen, löhnen, etc. auf dem bankkonto übrigbleibt. Wenn also ein kleibetroeb 30'000 reingewinn macht, ist das top! Oder er zahlt sich zuwenig lohn/macht keine investitionen...
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    3. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      Herr Nobs, ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber der Gewinn wird definitiv von den Investition nicht direkt tangiert, sondern lediglich durch die Abschreibungen darauf ... und wer kein Gewinn macht, muss Kredit aufnehmen, was sehr schwierig ist wenn das Unternehmen keinen oder nur einen sehr kleinen Gewinn macht. Fragen Sie einen Buchhalter oder neudeutsch den CFO.
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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Die Wirtschaft, so nun auch die Migros, macht es sich mit dieser Ausrede zu einfach. Sie gehört zwar nach wie vor zu den kundenfreundlichsten Unternehmen, aber der Vorsprung schmilzt. Die Konkurrenz (Aldi, Lidl) holt mächtig auf und die Migros baut ab. Nur als kleines Beispiel: Die Migros stellte mit viel Aufwand auf die kundenunfreundlichen 084x Nummern um (Mehrkosten für die meisten Kunden ohne Nutzen für die Migros) während andere über kundenfreundliche Normalnummern erreichbar sind.
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